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Afghanistan
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Bidens „Schwarzer Donnerstag“ – Experten bringen es auf den Punkt

© AP Photo / Evan VucciUS-Präsident Joe Biden (Symbolbild)
US-Präsident Joe Biden (Symbolbild) - SNA, 1920, 27.08.2021
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Verheerende Anschläge am Flughafen Kabuls haben laut Herbert Martin, Präsident des International GeoPolitical Institute in Wien, gezeigt, dass die selbsternannte „einzige Ordnungsmacht der Welt“ gemäß Zbigniew Brzezinski wieder versagt hat. Sein Buch mit dieser Definition kann jetzt endgültig auf der Müllhalde der US-Politik entsorgt werden.
Nachdem US-Präsident Joe Biden den dafür verantwortlichen Terroristen mit Vergeltung gedroht und die Fortsetzung der Evakuierungen aus Afghanistan angekündigt hat, meinte der Geopolitiker im SNA-Interview, sei das eigentlich das Erschütternde. „Amerika musste hier scheinbar in einer Panikreaktion hinaus. Der IS** ist jetzt der große Feind der Amerikaner. Da kommt jetzt eine Revanche, um die Amerikaner jetzt einfach dumm dastehen zu lassen.“
Bis zum 31. August sollen alle US-Soldaten aus Afghanistan abgezogen werden. Martin glaubt, dass das sehr tragisch wird. „Das wird abrupt nicht mehr gehen. Und einige werden nicht mehr aus Afghanistan herauskommen. Das ist leider ein Anzeichen der Amerikaner, dass sie auch den Rückzug nicht geschafft haben. Sie haben weder die Angriffspläne unter Kontrolle gehabt, und den Rückzug genauso nicht. Das ist eigentlich nicht nur für die sogenannte einzige Ordnungsmacht der Welt das Schlimme, sondern für die ganze westliche Welt.“
Und Hunderte US-Soldaten, die noch in Afghanistan bleiben, werden nicht lange überleben, meint der Experte. „Entweder müssen sie sich mit den Taliban*, den neuen Herrschern, arrangieren oder sie werden lebend nicht mehr rauskommen. Da hat sich so viel Hass in den letzten 20 Jahren aufgestaut. Die Amerikaner sind sehr brutal vorgegangen und haben sich scheinbar mit den falschen Leuten verbündet.“

Folgen des US-Debakels in Afghanistan

Es werde eine unheimliche Folge haben, ist sich der Geopolitiker sicher. „Das muss man ja aber relativieren. Die Kette des Bösen beginnt mit George W. Bush, mit Obama, mit Trump und jetzt mit Biden. Er hat leider das übernehmen müssen, was drei Präsidenten vor ihm angerichtet haben. Das wird sicher jetzt ein enormer Schaden sein. Nicht nur für Biden, sondern auch für ganz Amerika. Die Glaubwürdigkeit von den USA ist im Moment so gut wie zerstört. Sie haben sich absolut lächerlich gemacht. Afghanistan ist wirklich ein zweites Fiasko wie Vietnam. Wollen die USA laut diesen Drohgebärden von Biden jetzt wieder mit Truppen hineingehen? 20 Jahre nichts geschafft, und jetzt drohen sie wieder?“
Das sei genau der Punkt, fährt Martin fort, „dass die sogenannte einzige Ordnungsmacht der Welt hier weder al-Qaida* noch den IS noch die Taliban zerstört hat. Was hat denn Amerika 20 Jahre in Afghanistan wirklich gemacht?“ Und Karl-Heinz Paqué, Vorstandsvorsitzender bei der Friedrich-Naumann-Stiftung, kommt in seiner Kolumne zum Schluss: „Fest steht jedoch schon jetzt, dass die Afghanistan-Krise das Ansehen des Westens und der Nato längerfristig beschädigt hat.“
„Die Opfer unter den Soldaten ganz am Ende der US-Mission in Afghanistan haben auch Bidens persönliches Ansehen geschädigt“, meint der Experte für internationale Beziehungen Michail Troizki. „Dies wird sich aber auf den Truppenabzug nicht auswirken. Die Taliban gelten in diesem Fall nicht gerade als Verbündete, wohl aber als Partner der USA bei der Bekämpfung des IS in Afghanistan, da die Taliban und der IS miteinander im Krieg liegen. So geht es, wenn der US-Präsident von der Vergeltung spricht, höchstwahrscheinlich um Luftschläge und nicht um eine Landung. Die USA haben in der Region genug Stützpunkte, von denen aus sie Drohnen entsenden können.“
Der Tod der amerikanischen Armeeangehörigen infolge des Terrorangriffs werde an dem Wunsch der 60 Prozent der US-Bevölkerung kaum etwas ändern, die amerikanischen Truppen aus Afghanistan abzuziehen, so der Experte, „wo diese laut der amerikanischen Öffentlichkeit nichts zu suchen haben. Natürlich werden Bidens politische Positionen dadurch gewissermaßen beeinträchtigt, denn dieser Abzug hätte irgendwie anders, mit einem höheren Maß an Sicherheit für die US-Militärs erfolgen können. Das politische Kalkül der US-Administration und insbesondere Bidens besteht darin, dass die Operation zum Abzug der amerikanischen Truppen nach einiger Zeit abgeschlossen sein und Biden politische Punkte einbringen wird. Der Kollateralschaden wird zwar nicht in Vergessenheit geraten, aber von der Öffentlichkeit als unvermeidlich empfunden werden.“
Zu den von Biden erwähnten Schlägen gegen den IS meinte Omar Nessar, Direktor des Zentrums für Erforschung des modernen Afghanistans, er wisse nichts von größeren IS-Gruppen auf afghanischem Boden. „Sie dürften über Siedlungen und Städte verstreut sein. Deswegen kann man sich kaum vorstellen, wie effizient diese Schläge sein und ob sie nicht das Gegenteil bewirken würden. Die Amerikaner sind in eine sehr schwierige Situation geraten, da man sieht, dass sie ihre Bürger nicht rechtzeitig evakuieren können, geschweige denn die Afghanen, die mit ihnen zusammengearbeitet haben. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass sie eine solche Entwicklung nicht vorausgesehen haben.“
Die USA haben Russlands Unterstützung bei den Ermittlungen nach dem Terrorangriff nicht in Anspruch genommen. „Um jemandem Hilfe zu leisten, muss man darum gebeten werden“, sagte der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, gegenüber Journalisten. „Ich weiß von keinen Anfragen in diesem Zusammenhang.“ Vor den Attacken habe Moskau von den Geheimdiensten keine Angaben zu ihrer Vorbereitung erhalten.
*Unter anderem von der Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit (Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan, Weißrussland) als Terrororganisation eingestuft, deren Tätigkeit in diesen Ländern verboten ist.
**Terrororganisation, in Russland und Deutschland verboten.
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