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Für ostdeutschen Maschinenbau bleibt Russland wichtig – Verbandschef im Interview

© CC0 / Anyusha / PixabayMaschinenbau (Symbolbild)
Maschinenbau (Symbolbild) - SNA, 1920, 26.08.2021
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Das erste Mal seit dem Anfang der Pandemie können Maschinenbauer in Ostdeutschland so richtig aufatmen und positiv in die Zukunft blicken. Im SNA-Interview nennt Oliver Köhn vom „Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau“ Gründe dafür. Er erklärt, warum Handelspartner wie Russland und China sowie Ausbildungsplätze weiterhin wichtig bleiben.
„Insgesamt kann man sagen, dass der Trend wieder nach oben zeigt. Wir haben bereits seit Ende 2020 so ein zartes Auftragsplus zu verzeichnen. Auch die Rückmeldungen der Unternehmen fallen wieder positiver aus.“ Das sagte Oliver Köhn, Geschäftsführer beim „Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau“ in Ostdeutschland (VDMA-Ost), im Gespräch mit SNA News. Dabei bezog er sich auf die aktuell gute Wirtschaftslage ostdeutscher Unternehmen, die im Verband organisiert sind.
Demnach habe sich aktuell bei den Maschinenbauern und Anlage-Herstellern im Osten ein „behutsamer Aufwärtstrend ab Mitte des Jahres verstärkt. Sehr zu unserer Freude“, sagte er. Bis Jahresende rechne sein in Leipzig beheimateter Wirtschaftsverband mit einem weiteren Aufschwung in der Branche. „Unsere letzte Konjunktur-Umfrage sagt genau das aus, erfreulicherweise.“ So sei der vorhandene Bestand an Aufträgen mittlerweile auf ein Fünf-Monate-Polster angewachsen. Für diesen Zeitraum seien also genug Aufträge vorhanden.
Maschinenbau (Symbolbild) - SNA, 1920, 11.05.2021
„Ganz positiv“: Aufwärts-Trend im Maschinenbau im Osten sichert Tausende Arbeitsplätze

Rückgang bei Kurzarbeit, steigende Investitionen

„Auch die Kapazitätsauslastung liegt wieder bei über 85 Prozent, was im Prinzip dem langfristigen Durchschnittswert entspricht“, zeigte sich Köhn erfreut.
Während vor allem Werkzeugbauer sowie Hersteller von Robotik, Automationsanlagen, Baumaschinen und Holzbearbeitungsgeräten momentan gut dastünden und von einer guten Konjunktur profitieren würden, erschwere die Pandemie weiterhin das Tun von Zulieferern für die Automobilindustrie. „Das hängt natürlich nach wie vor mit dem technologischen Wandel und der Umstellung auf Elektromobilität zusammen“, so der Geschäftsführer von VDMA-Ost.
„Kurzarbeit ist stark rückläufig.“ Investitionen in den Maschinenbau würden steigen. „Das ist ein wichtiger Punkt, ein gutes Signal auch für die Zukunft“, ordnete Köhn weitere gute Nachrichten für „seine“ Unternehmen ein.

China und Russland: „Weiterhin wichtig für Ostdeutschland“

Die Volksrepublik China „überholt Maschinen-Exportweltmeister Deutschland“, titelte das „Handelsblatt“ im Juli. „Für die Zukunft sehen die deutschen Maschinenbauer aber längst nicht schwarz.“ Laut Daten des VDMA liegt der Marktanteil Chinas am globalen Maschinenmarkt nun bei 15,8 Prozent, während er bei den Deutschen auf 15,5 Prozent zurückgeht.
„Das beobachten wir schon seit einigen Jahren, dass die chinesischen Unternehmen mittlerweile ganz anders am Markt agieren als noch vor einigen Jahren. Also auch sehr innovativ sind und mit Lösungen, speziell auch mit Technologien kommen“, sagte Köhn und nannte Entwicklungen Chinas, „die auf Künstlicher Intelligenz basieren. China ist in diesem Segment durchaus führend. Es ist tatsächlich so, dass China uns als Export-Weltmeister das erste Mal überholt hat. Wir versuchen natürlich, dagegen zu arbeiten.“ Andererseits könnte dies auch zu einer Win-win-Situation für beide Länder führen, betonen andere Wirtschaftsexperten. Immerhin genießt Deutschlands Industrie in China nach wie vor einen exzellenten Ruf.
Auf den globalen Märkten sei es in den letzten 18 Monaten für den deutschen Maschinenbau „nicht so ganz einfach gewesen“, sagte der VDMA-Sprecher. „Bestimmte Märkte sind einfach verschlossen. Wir tun natürlich alles, um auch auf unseren Export-Märkten weiter zu wachsen. Wir sehen, dass die Nachfrage jüngst wieder deutlich angezogen hat, also auch gerade die Nachfrage aus dem Ausland. Aber sicherlich haben wir hier mit China einen Trend.“
Matthias Schepp beim SPIEF 2021 - SNA, 1920, 03.06.2021
„Aufschwung in Krise“ – Deutsche Manager auf dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg

Russische Industrie wächst stark

Der russische Ministerpräsident Michail Mischustin hatte vor wenigen Tagen verkündet, dass die Industrieproduktion Russlands in diesem Jahr trotz Krise um stattliche 4,4 Prozent gewachsen sei. Dies berichtete die Moskauer Wirtschaftszeitung „Kommersant“.
SNA wollte wissen, ob davon auch der ostdeutsche Anlagen- und Maschinenbau profitiere. Der russische Markt bleibe als Handelspartner sehr wichtig, betonte VDMA-Chef Köhn.

„Es gibt immer noch historisch bedingt sehr, sehr gute Kontakte. Deutsche Ingenieurskunst genießt dort einen hervorragenden Ruf und wir hoffen und setzen alles daran, dass auch diese Wirtschaftsbeziehungen nicht unter den politischen Eintrübungen leiden. Wir bauen nach wie vor auf Russland als einen wichtigen Handelspartner.“

Äußere Faktoren würden jedoch den ostdeutschen Maschinenbau weiterhin ausbremsen, heißt es in aktuellen VDMA-Ost-Pressemitteilungen, die der Redaktion vorliegen: darunter die weiter bestehenden Reisebeschränkungen als Anti-Corona-Maßnahmen und gestiegene Materialpreise.
Flaggen Russlands und Deutschlands (Symbolbild) - SNA, 1920, 18.05.2021
Russland „robuster als andere Länder“ in der Krise – Handel mit Deutschland wächst

Reisebeschränkungen, Quarantäne und gestiegene Preise

Dies sei tatsächlich weiterhin schwierig, räumte Köhn ein. „Dieser Aufwärtstrend, den wir da erfreulicherweise erleben, der wird ein wenig konterkariert, eben gerade durch massiv gestiegene Material-Preise.“ Stahl, Aluminium und Holz nannte er dabei ebenso wie mangelhafte Lieferketten etwa bei Elektronik-Komponenten wie Mikrochips. „Dann haben wir natürlich nach wie vor Reisebeschränkungen. Die USA sind immer noch leider für uns verschlossen. Auch China macht es uns nicht gerade einfach. Da gelten immer noch Quarantäne-Regelungen, sodass die Vertriebler nicht wie gewohnt zu ihren Kunden ins Ausland reisen können. Das behindert durchaus diesen Aufwärtstrend.“
Was die Ausbildungsplätze angeht, „erleben wir hier eine ähnliche Situation, wie wir auch 2018/19 schon verzeichnet haben, dass eben auch im Osten Fachkräfte im Maschinenbau fehlen. Auf der anderen Seite ist es leider so, dass beim Fachkräfte-Nachwuchs, nämlich bei den Auszubildenden, die Situation auch nicht so ganz rosig aussieht. Auch da haben die Unternehmen durchaus Probleme, ausreichend geeignete Nachwuchskräfte zu finden. Erfreulicherweise konnten fast alle Unternehmen, etwa 84 Prozent von ihnen, immerhin den Umfang ihrer Ausbildungsplätze beibehalten.“
Trotz allem würden die Firmen beklagen, dass sie Schwierigkeiten hätten, ihre angebotenen Ausbildungsplätze auch gut besetzen zu können. „Die Unternehmen beklagen da durchaus große Wissenslücken, vor allem in den sogenannten Mint-Fächern.“ Damit meinte er naturwissenschaftliche Fächer wie Mathematik, Ingenieurswesen und Technik. Dieses Problem ist nicht neu. Die Wirtschaft kritisiert das schon seit Jahren. Schulschließungen und Home-Schooling hätten diese Probleme noch weiter verschärft, warnen Bildungsexperten seit Monaten.
Ein Mitarbeiter von Volkswagen in Wolfsburg (Archivbild) - SNA, 1920, 12.04.2021
Deutsche Industrie positiv gestimmt – Produktionsplus von acht Prozent gegenüber 2020 erwartet

Unternehmen bilden aus, beklagen aber Schuldefizite

„Wir haben das Thema als Verband natürlich auch schon erkannt und versuchen da entsprechend auch zu agieren“, sagte Köhn. „Zum einen über eine virtuelle Ausbildungsstätte, die wir jetzt Ende September das erste Mal veranstalten: Die „TechTalents“, eine virtuelle Ausbildungsmesse, die unter anderem dazu beitragen soll, hier für mehr Technik-Nachwuchs zu sorgen. Der VDMA hat außerdem eine Nachwuchs-Stiftung Maschinenbau ins Leben gerufen, die sich auch dem Thema Qualifizierung widmet, in diesem Fall vor allem der Berufsschullehrer“, Um diese „fit zu machen“ für die Anforderungen der sogenannten Industrie 4.0.
Der Wirtschaftsverband unterstützt laut eigener Aussage 350 Mitglieds-Unternehmen, Werke und Niederlassungen in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie Thüringen in allen Fragen rund um den Maschinen- und Anlagenbau. Außerdem vertritt der „Landesverband Ost“ auf regionaler Ebene die Interessen seiner Unternehmen gegenüber Politik und Wissenschaft, heißt es auf der Website.
Das Radio-Interview mit Oliver Köhn (VDMA-Ost) zum Nachhören:
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