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Afghanistan
Aktuelle Nachrichten aus Afghanistan

Akute Bedrohung für Journalisten unter Taliban-Herrschaft – Reporter ohne Grenzen

© AFP 2021 / Hoshang Hashimi Pressekonferenz des politischen Büros der Taliban in Kabul, Afghanistan am 24. August, 2021
Pressekonferenz des politischen Büros der Taliban in Kabul, Afghanistan am 24. August, 2021 - SNA, 1920, 26.08.2021
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Mit dem Abzug der Nato-Truppen und der schnellen Machtübernahme durch die Taliban* ist das Leben nicht nur für die Ortskräfte in Afghanistan schwierig geworden. Wie die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) am Mittwoch berichtete, sind es auch und gerade die Journalisten und Medienhäuser, die unter den Taliban akut bedroht sind.
So würden sich die Berichte über Drohungen, Schikanen und Gewalt gegen Medienschaffende häufen. Journalisten würden von Einschüchterungsversuchen und inhaltlichen Vorgaben durch die Taliban erzählen, rund 100 Lokalmedien hätten deshalb bereits ihre Arbeit eingestellt.
Gegenüber ROG habe ein Produzent, der für einen überregionalen TV-Sender arbeitet, gesagt: „In der vergangenen Woche haben die Taliban fünf Reporterinnen und Reporter und Kameraleute unseres Senders geschlagen und sie als ‚takfiri‘ [in diesem Zusammenhang etwa ‚Ungläubige‘] bezeichnet. Sie kontrollieren alles, was wir senden. Vor Ort sammeln die Taliban systematisch die Telefonnummern unserer Reporterinnen und Reporter und sagen ihnen: ‚Wenn ihr diesen Beitrag vorbereitet, werdet ihr dies und jenes sagen‘. Machen sie das nicht, werden sie bedroht.“
Ein anderer Mitarbeiter eines Fernsehsenders habe erzählt, Serien und gesellschaftspolitische Sendungen seien abgesetzt und durch Nachrichtenmeldungen und Dokumentationen aus dem Archiv ersetzt worden, weil die Taliban befohlen hätten, die Scharia zu respektieren.
Wie das konkret in der Praxis aussieht, schilderte der Besitzer eines privaten Radiosenders:
„Vor einer Woche sagten sie uns: ‚Ihr könnt frei arbeiten, solange ihr die islamischen Regeln einhaltet‘, aber dann begannen sie, uns ‚anzuleiten‘, welche Nachrichten wir senden dürfen und welche nicht, und was sie als ‚faire‘ Berichterstattung betrachten.“
Nach Angaben von ROG musste der Journalist seinen Sender schließen und untertauchen.
In den vergangenen Tagen hätten die Taliban die einflussreichsten afghanischen Rundfunkmedien angewiesen, Video- und Audioaufnahmen mit Taliban-Propaganda zu senden, so ROG. Wenn sich Medien weigerten, „sagen die Taliban, es handele sich nur um Werbung und sie seien bereit, für die Ausstrahlung zu bezahlen. Sie bestehen darauf und verweisen auf unsere nationale oder islamische Pflicht“, zitiert die Organisation einen afghanischen Journalisten.
Auch die Zunahme körperlicher Gewalt gegen Journalisten sei spürbar. In der vergangenen Woche seien mindestens zehn Journalistinnen und Journalisten bei ihrer Arbeit auf den Straßen von Kabul und Dschalalabad körperlich angegriffen oder bedroht worden. Der Sprecher der Taliban habe am 21. August auf Twitter angekündigt, dass ein Komitee zur „Beruhigung der Medien“ eingesetzt werden solle. Der Ausschuss, der sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Kulturkommission und von Journalistenverbänden sowie einem hochrangigen Kabuler Polizeibeamten zusammensetze, solle laut offiziellen Angaben „die Probleme der Medien in Kabul angehen“. Was tatsächlich dahinter stecke, sei unklar, so ROG.
Die Medienhäuser in den Provinzen treffe es noch härter als diejenigen in der Hauptstadt. Sie seien ständiger Bedrohung ausgesetzt, viele hätten in den vergangenen Wochen schließen müssen. Laut dem Leiter eines Radiosenders in der Provinz Herat haben viele Journalisten die Stadt verlassen. Auch Auslandsjournalisten würden sich nun mit dem „Islamischen Emirat Afghanistan“ (IEA) abstimmen müssen, bevor sie beispielsweise Interviews mit IEA-Kämpfern oder der lokalen Bevölkerung aufzeichnen könnten, berichtet ROG. Auf der Suche nach einem afghanischen Mitarbeiter der „Deutschen Welle“ hätten die Taliban einen Angehörigen des Mannes erschossen und ein weiteres Familienmitglied schwer verletzt.
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Umfrage: Die Deutschen fühlen sich weniger frei – auch bei Meinungsäußerung
Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht Afghanistan auf Platz 122 von 180 Staaten.
* Unter anderem von der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan, Belarus) als Terrororganisation eingestuft, deren Tätigkeit in diesen Ländern verboten ist.
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