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Sportliche Konkurrenz für Gysi: Eisschnelllauf-Legende Claudia Pechstein tritt für Treptower CDU an

© REUTERS / ANNEGRET HILSEWahlplakat mit Claudia Pechstein
Wahlplakat mit Claudia Pechstein - SNA, 1920, 25.08.2021
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Wahlen in Berlin Treptow-Köpenick sind normalerweise ein Heimspiel und der sichere Sieg für Linke-Politiker Gregor Gysi. Doch zur Bundestagswahl 2021 bekommt der Lokalmatador ungewöhnliche Konkurrenz. Mit Claudia Pechstein stellt die CDU die erfolgreichste deutsche Athletin bei Olympischen Winterspielen als Kandidatin auf.
Wer dieser Tage durch den Berliner Bezirk Treptow-Köpenick spaziert, wird sich womöglich ungläubig die Augen reiben: Von den Wahlplakaten der CDU lächelt dem geneigten Beobachter Claudia Pechstein entgegen. Ja, DIE Claudia Pechstein! Die Ausnahme-Eisschnellläuferin räumte in ihrer langen Karriere alles ab, was es an Edelmetall gab: Insgesamt neun olympische Medaillen, davon fünf goldene, drei Europameistertitel, sechs Weltmeistertitel und 36 nationale Goldmedaillen. Sechsmal gelang es Pechstein, Weltrekorde aufzustellen. Wenn die in Berlin Marzahn geborene Bundespolizistin etwas anpackt, wird es beinahe automatisch zum Erfolg. Und dass sie auch stark sein kann, wenn ihr Missgunst entgegenschlägt, hat die Sportlerin bewiesen, als ihr 2009 wegen angeblichen Dopings für zwei Jahre die Starterlaubnis entzogen wurde und sich nicht nur die Boulevardzeitungen über sie das Maul zerrissen. Pechstein klagte sich unermüdlich durch die Instanzen und 2014 musste die Expertenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) eingestehen, dass die medizinische Bewertung als Grundlage des Dopingurteils falsch war. „Der Deutsche Olympische Sportbund mit Präsident Alfons Hörmann an der Spitze hat mich rehabilitiert und klargestellt, dass ich Opfer und nicht Täter bin. Der auffällige Blutwert, der mich zwei Jahre meiner Karriere kostete, ist nachweislich von meinem Vater vererbt, sodass ich längst wieder überall auf der Welt starten darf“, erinnert sich Claudia Pechstein.
Nun will die 49-Jährige mit der Berliner CDU also in die Politik. Auf Platz sechs der Landesliste geführt, kandidiert Pechstein im Bezirk Treptow-Köpenick für den Bundestag. „Leistung muss sich wieder lohnen“ – dieses Motto der Christdemokraten sei einer der Gründe, weswegen sie schon früh nach der Wende mit der Union sympathisiert habe, schreibt Pechstein auf der Seite der CDU Treptow-Köpenick.
„Dieser Satz ist ein gutes Leitmotiv. Nicht nur im Sport, nicht nur für mich. Dieser Satz sollte für alle Bereiche in unserer Gesellschaft gelten. Wir müssen in der Politik wieder die richtigen Prioritäten setzen, daran möchte ich mitwirken. Ich bin kein Politprofi und werde es auch so schnell nicht werden. Aber ich bin davon überzeugt, dass es nur gut sein kann, wenn jemand von außen dazustößt, den viele Menschen kennen und der hilft, den Blickwinkel im Sinne der Wähler zu erweitern.“
Eine angebliche Polizistin auf den Wahlkampfplakaten der CDU - SNA, 1920, 24.08.2021
AfD wirbt für Sex ohne Kondome (und Maske) und sonstige merkwürdige Wahlplakate 2021
Ihre Kernthemen sieht Pechstein in den Bereichen Sport und Innere Sicherheit.
„Wenn ich die Menschen aus Treptow-Köpenick im Bundestag vertreten darf, stehe ich glaubwürdig für alle, die gerne Sport treiben und für die, die sich um unsere Sicherheit sorgen. Als Leistungssportlerin und Bundespolizistin weiß ich, wovon ich rede. Beide Themen bewegen Millionen von Menschen. Ich kann aus der Praxis berichten und so Verbesserungsvorschläge machen. Wer von den anderen Bundestagsabgeordneten hat schon für Deutschland um Medaillen gekämpft und am 1. Mai in Berlin bei den Demos seinen Mann gestanden? Ich hoffe sehr, die Chance zu bekommen, den Politprofis Dampf zu machen.“
Gerade in der heutigen Zeit hätten viele Menschen existenzielle Probleme, so Pechstein. Darauf das Augenmerk zu lenken und für Verbesserungen zu sorgen sollte hundertmal wichtiger sein, „als darüber nachzudenken, wo wir das nächste Gendersternchen setzen, ob ein Konzert noch deutscher Liederabend heißen darf oder ob es uns noch erlaubt ist, Indianerhäuptling zu sagen“.
Ihre Politik-Karriere beginnt die Eisschnellläuferin in einem Wahlkreis, der in der Vergangenheit in Serie an die Linke ging, denn sie wird dort von dem beliebten Politiker Gregor Gysi vertreten. Auch wenn die Linke in den vergangenen Monaten in den Umfragewerten abgesackt ist, dürfte es für den Politik-Neuling Claudia Pechstein gegen den Profi Gregor Gysi sehr schwer werden, ein Direktmandat zu ergattern.
Dem Leistungssport will Claudia „Goldstein“ trotz der nun eingeschlagenen Politik-Karriere aber noch nicht den Rücken kehren. Ihr letztes großes sportliches Ziel sei es, sich als erste Frau der Welt zum achten Mal für die Olympischen Winterspiele zu qualifizieren und 2022 in Peking an den Start zu gehen. Pechstein wäre dann 50 Jahre alt.
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