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Schluss mit „Anton“ und „Berta“: Neue Buchstabier-Regeln kommen

© CC0 / Free-Photos / PixabayAlphabet (Symbolbild)
Alphabet (Symbolbild) - SNA, 1920, 23.08.2021
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Das Deutsche Institut für Normung (DIN e. V.) revidiert das deutsche Buchstabier-Alphabet. Alle Vornamen (A wie „Anton“, B wie „Berta“) sollen durch Städtenamen ersetzt werden. Auf diese Weise will das DIN für mehr Gerechtigkeit und politische Korrektheit sorgen – offenbar mangels anderer Sorgen.
Bekanntlich rühmen sich die Deutschen für ihren Hang zu Normen und Standards. Eigentlich eine gute und in vielen Bereichen überaus nützliche Sache. Kein Wunder deshalb, dass es eine Norm für das Buchstabieren gibt, die DIN 5009. Damit wird geregelt, mit welchen Wörtern einzelne Buchstaben beim Diktieren zu verdeutlichen sind. Genutzt wird das vor allem in Wirtschaft und Verwaltung. Die DIN-5009-Buchstabiertafel kommt in der jetzigen Fassung in Nachschlagewerken und Lehrbüchern für einige Fächer vor, verpflichtend ist sie allerdings nicht.

Ortsnamen statt Vornamen

In der aktuellen DIN 5009 kommen 16 Männer- und sechs Frauennamen vor, was, wie aus dem Institut verlautete, „nicht der heutigen Lebensrealität entspricht“ – was das auch immer heißen mag. Städtenamen seien da ein guter Kompromiss.
Die Reform hatte Michael Blume angestoßen, Baden-Württembergs Antisemitismusbeauftragter. Ihn störte, dass das heutige Buchstabier-Alphabet immer noch Spuren der Nazi-Diktatur trägt. 1934 wurden darin nämlich die jüdischen Namen durch „linientreue“ Äquivalente ersetzt: Aus „David“ wurde „Dora“, aus „Nathan“ „Nordpol“ und aus „Samuel“ „Siegfried“.
Hätte Michael Blume jüdische Namen wieder in der Buchstabiertafel sehen wollen, so hat er sein Ziel nicht erreicht. Die Tafel wird auch nicht in feministischem Sinne revidiert (etwa „Anna“ statt „Anton“ und „Emma“ statt „Emil“). Damit alles neutral und politisch korrekt ist, will man alle Vornamen durch Ortsnamen ersetzen.
Keine so kinderleichte Aufgabe, wie es manch einer glauben mag. Das Institut hat die Aufgabe im Herbst 2020 – anscheinend durchaus gründlich – in Angriff genommen und will die Endfassung erst Mitte 2022 vorlegen. Das Produkt der bisherigen anstrengenden Arbeit wurde allerdings Ende Juli vorgelegt mit dem Aufruf an Interessenten, ihre Einfälle, Änderungsvorschläge und Kommentare an das DIN zu senden.
Vor einem Impfzentrum in Darmstadt - SNA, 1920, 14.05.2021
„Covidiot“, „Impfneid“, „Spuckschutz“ – Eintagsfliegen oder Spuren in der Sprache?

Ärger in Bremen, Freude in Unna

An dieser Stelle unser Kommentar dazu: Tadellos gerecht und korrekt ist der Entwurf nicht gelungen. Fünf Bundesländer – Bremen, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und das Saarland – sind in der neuen Tabelle mit keinem einzigen Ortsnamen vertreten. Bayern hat dafür gleich vier Städtenamen drin.
Auch so manche Einwohner von Kassel oder Karlsruhe werden sich ärgern, weil für das „K“ im Entwurf „Köln“ steht. Das Gleiche gilt auch für die Bremer, die das „B“ laut dem neuen DIN-Dokument mit „Berlin“ buchstabieren sollen.
Dafür wird sich dieser oder jener Einwohner von Unna oder Oldenburg über die Erwähnung ihres Wohnortes in den neuen Diktierregeln wahrscheinlich geehrt und wichtig fühlen.
Die Letzteren werden sich die neue DIN-Version wohl am ehesten aneignen und die bisher vorgeschriebenen Buchstabier-Namen Ulrich und Otto durch ihre Ortsnamen ersetzen. Für die meisten anderen wird es voraussichtlich piepegal sein. Immerhin hat das Deutsche Institut für Normung etliche, sicherlich gut bezahlte Mitarbeiter für zwei Jahre mit dieser ehrenvollen Aufgabe im Interesse der politischen Korrektheit und der „neuen Lebensrealität“ beschäftigt. Alle anderen Lebensbereiche in Deuschtschland sind eh schon ausreichend normiert und organisiert.
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