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Wer beherrscht den Kosmos? – Politikmagazin über Dominanz und Konflikte im Weltall

© CC0 / Free-PhotosErde gesehen aus dem All (Symbol)
Erde gesehen aus dem All (Symbol) - SNA, 1920, 22.08.2021
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Der Weltraum ist „militärisch und politisch angesagt: Mit technischer Entwicklung steigt die Zahl der Akteure und Satelliten.“ Das ist im aktuellen Heft des Potsdamer „WeltTrends“-Magazin für internationale Politik zu lesen. Es blickt auf Wettrüsten im All, wissenschaftliche Erkenntnisse und Rechtsfragen für den Kosmos.
„Historisch? Was? Der kurze Flug von Milliardär Richard Branson ins Weltall und damit der Startschuss für den Weltraumtourismus (für Superreiche)?“ Diese Frage stellt der Chefredakteur des Politikjournals „WeltTrends“, Raimund Krämer, in dessen aktueller Ausgabe.
Seine Antwort: „Nein,das Weltraumkommando der Bundeswehr!“ Das sei nämlich ein „militärhistorischer Schritt in die Zukunft“, habe Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im Juli erklärt. „Übrigens nahm sich die Ministerin für den Start des Weltraumkommandos jene Zeit, die sie für den Empfang der Rückkehrer aus dem 20-jährigen Krieg aus Afghanistan nicht hatte. Wahrlich historisch!“
Das monatlich erscheinende Politikmagazin aus Potsdam blickt aktuell in den Kosmos und auf dort dominante Staaten wie die USA, Russland und China. Aber auch jüngere Weltraumnationen wie Indien, Japan oder die Europäische Union (EU) werden betrachtet. Außerdem wird die Rolle privater Weltraum-Unternehmen wie „Space X“ von US-Milliardär Elon Musk hinterfragt.
Alle wollen demnach mitfliegen, so Krämer:
„Große und kleine Mächte, Konzerne und Militärs und nun auch Privatpersonen. Während es Branson um sein Ego ging, so geht es den anderen Mitfliegern um wirtschaftliche, politische und strategische Interessen (auf der Erde), die mittels Weltraum realisiert werden sollen. Das führt zu Konflikten. Folglich braucht es Regeln und für diese ist wiederum politischer Wille nötig.“
Nasa-Illustration der Europa-Clipper-Mission zum Jupitermond Europa  - SNA, 1920, 24.07.2021
SpaceX soll Nasa-Raumsonde zu Jupitermond bringen

Neues Wettrüsten im Weltraum?

„WeltTrends“-Autor Götz Neuneck, Friedens- und Sicherheitsforscher an der Universität in Hamburg sowie Sprecher des „Arbeitskreises Physik und Abrüstung“ der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), warnt im Heft vor einem möglichen „Wettrüsten im Weltraum“:
„Oft wird von einem neuen Zeitalter, ‚New Space‘, gesprochen. Mehrere Trends bestimmen die künftige Weltraumsicherheit: Neben den klassischen Weltraumakteuren, den dominanten USA, Russland und dem ambitionierten China sowie Europa, Japan und Indien, treten kommerzielle Unternehmen auf, die einen einfacheren Zugang zum Weltraum, neue Dienste im Kommunikations- und Satellitenbereich oder die Ausbeutung von Rohstoffen auf anderen Himmelskörpern propagieren. Auch kleinere Länder sind verstärkt tätig, da der Zugang zum Weltraum leichter geworden ist.“
Auch irdische Konflikte und Reibereien der Großmächte hätten ihre Entsprechung in den Weiten des Alls: „Vor dem Hintergrund der sich entwickelnden Rivalitäten zwischen den USA, Russland und China verschärft sich der Wettbewerb im und um den Weltraum. Alleine die Annahme, der potentielle Gegner investiere in Schlüsseltechnologien, reicht aus für enorme Investitionen in militärrelevante Raumfahrtprogramme wie Raketenabwehr, Laser oder KI (Künstliche Intelligenz). Die führenden Weltraummächte beschuldigen sich zudem gegenseitig, den Weltraum zu bewaffnen und testen Anti-Satellitenfähigkeiten.“
Im All gebe es sowohl Konfrontation als auch Kooperation. Für Letztere stünden die „International Space Station“ (ISS) oder „gemeinsame Planeten-Missionen“.
Russisches multifunktionales Forschungsmodul Pirs kurz vor dem Andocken an der ISS, 29. Juli 2021 - SNA, 1920, 29.07.2021
Russisches Forschungsmodul „Nauka“ dockt erfolgreich an ISS an

Warum „Nationale Sicherheit“ auch für den Kosmos gilt

Doch: „Dieser internationalistische Ansatz droht zu verebben“, so der Autor. „Nationale Sicherheit“ würde häufig auch im Weltraum angestrebt. Dazu zähle, dass sowohl die USA als auch Russland eine „Space Force“ gründeten und aufbauen. Hinzu käme eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Russland und China bei Weltraum-Missionen – sowie „Gegen(Spionage)-Aktivitäten im All“ der drei führenden Weltraummächte. Ein Krieg außerhalb der Erde sei deshalb leider nicht völlig auszuschließen, bedauert Neuneck.
Daher sei es zu begrüßen, dass sich im Juli 2020 nach siebenjähriger Pause in Wien erstmalig wieder US-amerikanische und russische Vertreter zu Gesprächen über eine „Regulierung der Militarisierung des Weltraums“ getroffen hatten.
Mit dem Start des ersten Sputnik-Satelliten durch die Sowjetunion „begann im Oktober 1957 das Raumfahrtzeitalter“, so Neuneck. „Im Kalten Krieg war die militärische Nutzung des Weltraums eine entscheidende Triebkraft für die Weltraumprogramme der Supermächte. Viele Entwicklungen, so bei den Trägerraketen und der Satellitentechnologie, verdeutlichen den Dual-Use-Charakter (sowohl zivil als auch militärisch – Anm. d. Red.) der Raumfahrttechnologie. Bereits Ende der 1950er Jahre begannen die USA und die UdSSR mit der Entwicklung und dem Testen von kinetischen Anti-Satellitentechnologien (Asat). Im Prinzip gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, Satelliten funktionsunfähig zu machen, sei es durch Kollision oder durch eine elektromagnetische Beeinflussung (Laser, Cyberangriffe). Von der Erde aus können Raketen durch Direktangriffe Satelliten kinetisch zerstören.“
Clear Space-1 (Konzeptbild) - SNA, 1920, 23.12.2020
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Schrott und Satelliten-Trümmer

Startkosten würden sinken. Private Firmen wie „SpaceX“, „OneWeb“ oder „Amazon“ – dessen Chef Jeff Bezos kürzlich erst privat ins All flog – planen Projekte wie „Starlink“ „mit über 12.000 Satelliten, die auch entfernte Regionen auf der Erde mit Internetdiensten ausstatten. Allein diese Zunahme verstärkt die Gefahr von Kollisionen und elektromagnetischen Interferenzen.“
„Die Zahl der künstlichen Objekte hat sich in der letzten Dekade vervielfacht. Derzeit gibt es fast 2000 Satelliten, die auch kommerzielle Dienste ermöglichen: Kommunikation (TV, Telefon, Internet), Navigation (GPS) oder Erdbeobachtung (Wetter).“
Neben der staatlichen Rivalität wächst das Problem des Weltraumschrotts. „Im September 2009 stießen zwei Kommunikationssatelliten (…) in einer Höhe von 800 Kilometern zusammen und es entstanden circa 100.000 Trümmerteile, von denen heute circa 2200 katalogisiert sind“, gibt Neuneck ein Beispiel.

Kampf im All zwischen USA, Russland und China

Der Hamburger Experte geht in seinem Beitrag auf das Weltraum-Programm Chinas ein. Seit etwa 2007 habe die die asiatische Großmacht beim Wettlauf im All viel Boden gut gemacht – durch Satelliten-Starts, bodengestützte Abfangraketen, eigene Wettersatelliten sowie eigener Asat-Technologie und Laserwaffen. Die chinesische Führung um Präsident Xi Jinping habe beschlossen, dass China eine Weltraummacht „in allen Belangen“ werden solle.
An sogenannten Weltraumwaffen würden sowohl die USA, die Volksrepublik China als auch die Russische Föderation arbeiten. Darüber hinaus habe die Nato den Weltraum im Blick, erinnert Neuneck. Im deutschen Ramstein „ist ein Nato Space Center im Aufbau, das zur Koordinierung der Weltraumaktivitäten der Nato-Mitglieder gedacht ist“.
Laut dem Autor entwickelt Russland seit 2010 diverse Programme, deren Zwecke oft unklar, die aber für militärische Operationen nutzbar sind. „Auch wird seit 2015 die Luft- und Weltraumverteidigung reorganisiert.“ Eine Kooperation zwischen Russland und China im zivilen wie militärischen Sektor schreite voran.
Die Rakete vom Typ Langer Marsch 7 startete am Samstag mit dem Cargo-Raumschiff Tianzhou 2 vom Raumfahrtbahnhof Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan - SNA, 1920, 29.05.2021
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„Über 60 Staaten im Weltraum“

Der Abrüstungsexperte Lutz Kleinwächter, Vorsitzender des „WeltTrends“-Vereins, schließt sich diesen Einschätzungen an. „Gegenwärtige Zuspitzungen im Verhältnis USA/Nato versus China/Russland lassen wenig Hoffnung auf zeitnahe Veränderungen hin zu einer zivilen Streitkultur und Stärkung der multilateralen Stabilität“, schreibt er.
Über 60 Staaten seien dort aktiv. „Raumstationen umkreisen die Erde. Insbesondere die nuklearen Großmächte – USA, Russland, China, EU/Frankreich und Indien – verfügen über das wissenschaftlich-technologische Know-how, das Kapital und die Produktionskapazitäten zur Verfolgung langfristiger Strategien zur ‚Nutzung‘ des Weltraumes.“
Die Staaten seien jedoch auf Kooperation im Kosmos angewiesen, betont er.
Kleinwächter verweist auf die Geschichte der Raumfahrt, darunter auf den Russen und sowjetischen Erfinder Konstantin Ziolkowski, den Deutschen Hermann Oberth oder den US-Amerikaner Robert H. Goddard. Den Eintritt der Menschheit in das „nuklear-kosmische Zeitalter“ setzt der Autor nach den Atombomben-Abwürfen der USA auf Japan 1945 und zu Beginn des Kalten Krieges an. Er beschreibt die verschiedenen Projekte von Ost wie West im Kosmos – etwa die Mond-Landungen der USA im Rahmen von „Apollo“ oder die „Luna“-Missionen der Sowjetunion.
Dabei nennt er auch das Scheitern des „Star Wars“-Programm unter US-Präsident Ronald Reagan in den 80er Jahren. „Nach einer turbulenten Zwischenphase in den 1990er Jahren mit vielen Hoffnungen und Illusionen spitzten sich die Konflikte in den strategischen Beziehungen USA-Russland erneut zu“, blickt er auf heutige Probleme.
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New-Start-Vertrag: Wichtig auch im Weltall

Gut sei es, dass sich die Präsidenten Wladimir Putin und Joe Biden „Anfang 2021 auf eine Verlängerung des New-Start-Abkommens um fünf weitere Jahre“ einigen konnten. „Auf dem Gipfeltreffen Mitte Juni vereinbarten beide Präsidenten, erneut Regierungskonsultationen über die strategische Stabilität zu führen.“ Das Abkommen spiele auch bei taktischen Fragen im Weltraum eine wichtige Rolle, so Kleinwächter.
Rechtliche Fragen in Hinblick auf kosmische Aktivitäten der Staaten erörtern weitere Autoren im neuen „WeltTrends“-Heft. „Der Vertrag über die Grundsätze zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper vom 27. Januar 1967 (Weltraumvertrag), den inzwischen 110 Vertragsstaaten ratifiziert haben, ist die bedeutendste Rechtsquelle des Weltraumrechts“, schreibt Gunter Görner. Er hat als Diplomat bis 1989 in verschiedenen Ministerien und Funktionen für die DDR gearbeitet. Bis 1990 vertrat er das Land im Rechtsausschuss der Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN).
Der Weltraumvertrag bilde „auch künftig eine solide Basis für die Weiterentwicklung des Weltraumrechts“, so Görner. „Er ist ein zukunftsorientierter, visionärer Vertrag, da er schon Regelungen zu Sachbereichen enthält, die erst in Zukunft relevant werden.“
Russische und US-Flaggen - SNA, 1920, 29.01.2021
Trotz START-3-Verlängerung: Russland und USA bleiben Rivalen – Experte

Fülle von Erkenntnissen über das All

Der Astronom und Wissenschaftshistoriker Dieter B. Herrmann hebt in dem Heft die Bedeutung staatlicher Weltraum-Missionen für unser wissenschaftliches Verständnis vom Kosmos und vom Sonnensystem hervor.
„Fassen wir nur die Raumfahrt-Missionen zusammen, die seit 1960 bislang zu den Planeten unterwegs waren, so ergibt sich die erstaunliche Zahl von insgesamt 249! Das Resultat ist eine Fülle von Erkenntnissen“, schreibt der Wissenschaftler.
Der Kalte Krieg und die andauernde Rivalität zwischen Washington und Moskau hätten wissenschaftlich betrachtet „reiche Früchte getragen“, so der viele Jahre an der Archenhold-Sternwarte in Berlin-Treptow tätige Astronom. Er ist ebenso Gründungsdirektor des Berliner Zeiss-Großplanetariums. In seinem Aufsatz verweist er auf Rohstoffe, die im Weltraum und auf dem Mond zu finden sind, zum Beispiel Helium-3, Kobalt, Nickel, Eisen, Germanium, aber auch Rhenium, Iridium, Tantal, Rhodium, Palladium oder Zink.
Im neuen „WeltTrends“-Heft erwartet die Leserschaft darüber hinaus Spannendes zu weiteren aktuellen weltpolitischen Themen, darunter das Verhältnis Russlands zum Nachbarn Belarus einerseits sowie zu der Europäischen Union (EU). Dazu stehen Nachwehen des „Brexit“ für Großbritannien im Blickpunkt. Außerdem werden „30 Jahre Unabhängigkeit“ der Ukraine besprochen. Vor dem Hintergrund des Afghanistan-Debakels für den Westen wird die „komplizierte innenpolitische Lage“ in Mali analysiert. Auch dort sind westliche Truppen präsent.
Darüber hinaus gratuliert ein Beitrag dem früheren DDR-Diplomaten Ferdinand Thun zu seinem 100. Geburtstag. Darin wird ebenso der „weiterhin ungeklärte“ Tod von UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld in Afrika im Jahre 1961 erneut aufgerollt.
Mehr dazu lesen Sie in der August-Ausgabe des außenpolitischen Journals „Welttrends“.
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