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 - SNA, 1920
Afghanistan
Aktuelle Nachrichten aus Afghanistan

Taliban-Machtantritt resultiert aus Fehleinschätzung der USA und ihrer Verbündeten – Patruschew

© Foto / Public domain / Master Sgt. Alejandro LiceaAmerikaner in Afghanistan (Archivbild)
Amerikaner in Afghanistan (Archivbild) - SNA, 1920, 19.08.2021
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Die aktuelle Lage in Afghanistan, wo die Taliban* an die Macht gekommen sind, ist auf eine Fehleinschätzung der Aufklärungsdienste der USA, Großbritanniens und ihrer Nato-Verbündeten zurückzuführen. Das erklärte Nikolai Patruschew, der Sekretär des russischen Sicherheitsrates, gegenüber der russischen Zeitung „Iswestija“.
„Teilweise ist es das Ergebnis der Inkompetenz der Geheimdienste der USA, Englands und anderer Nato-Staaten, die offenbar nicht gezielt genug an die Sammlung und Analyse von Informationen herangegangen sind oder mangelhaft damit gearbeitet haben“, so Patruschew zum plötzlichen Machtwechsel in Afghanistan.
„Die Zuversicht der US-amerikanischen militärischen und politischen Leitung und ihrer Verbündeten, dass sie die Situation in Afghanistan völlig unter Kontrolle hatten, hat zum Nichtwissen und zur Unterschätzung der realen Lage geführt.“
Dabei werfen die USA laut seinen Worten den anderen alle Misserfolge und deren Konsequenzen vor: „Sie werfen das Geschehene Aschraf Ghani (dem aus Kabul geflüchteten Staatschef Afghanistans – Anm. d. Red.) vor, den sie selbst an die Macht gebracht haben, und reden von der schwachen Vorbereitung der afghanischen Armee.“
Ferner verwies Patruschew darauf, dass die USA und die Länder Europas ihr Personal aus Afghanistan evakuierten, wobei sie einen Großteil der Afghanen im Stich ließen, die mit ihnen zusammenarbeiteten.
Frauen und Kinder versuchen nach der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan, ins Gebäude des Flughafens in Kabul einzudringen, 16. 08. 2021 - SNA, 1920, 19.08.2021
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„Für Washingtoner Fehler bezahlen einfache Afghanen“, präzisierte er. Patruschew fügte hinzu, dass die Lage in Afghanistan im Blickfeld des Sicherheitsrates liege und auf der Agenda der nächsten operativen Sitzung mit den ständigen Organisationsmitgliedern stehen werde. Im Rahmen dieser Sitzung sollen demnach „zusätzliche Maßnahmen zur Gewährleistung der Stabilität in der Region“ behandelt werden.
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US-Präsenz in den USA

Im Hinblick auf den 20-jährigen Aufenthalt der Amerikaner in Afghanistan sagte Patruschew wie folgt:

„Während der Präsenz der amerikanischen Truppen hat sich die Zahl der Terroranschläge in Afghanistan um ein Vielfaches erhöht. Auf seinem Territorium fühlen sich Al-Qaida* (auch Al-Kaida), IS** (auch ,Islamischer Staat‘; Daesh), die Islamische Turkestan-Partei* und andere Terrorgruppen frei, die das afghanische Territorium als Basis für die Erweiterung der Aktivitäten in zentralasiatische Länder, ins chinesische Xinjiang, in den Norden des Iran, in Richtung Indien betrachten, wobei sie in diesen Ländern ,schlafende Zellen‘ schaffen.“

Anstatt gegen den Drogenhandel gekämpft zu haben, hätten die USA in Afghanistan innerhalb von 20 Jahren ein Projekt zur Bildung eines globalen Drogenlabors umgesetzt.
„Die Produktion von Opiaten ist um mehr als das 40-Fache gestiegen“, so Patruschew.
Die USA, die große Geldsummen für die Versorgung ihrer Truppen ausgegeben hätten, hätten dabei keine Objekte der sozialen Infrastruktur und Zivilunternehmen errichtet.

Distanzschläge der Nato gegen Terroristen?

Patruschew äußerte sich zu den jüngsten Aussagen des Nato-Generalsekretärs Jens Stoltenberg, wonach die Allianz die Möglichkeit von Schlägen aus der Distanz gegen internationale Terrorgruppen nicht ausschließen würde.
„Die Angriffe werden verübt, man wird spritzig Rede und Antwort vor der Weltgemeinschaft stehen; aber getroffen werden dadurch erneut die afghanischen Zivilisten.“
In den letzten 20 Jahren sollen Patruschew zufolge mehr als 40.000 Zivilisten ums Leben gekommen sein, ohne Berücksichtigung von Zehntausenden getöteten Kämpfern der Regierungskräfte.
„Das ist das Ergebnis der US-Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Länder“, betonte er.
Tote und verletzte Zivilisten in Afghanistan

Allein zwischen 2009 und 2020 sind bei Kampfhandlungen in Afghanistan 17.483 Zivilisten gestorben, teilt die Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan (Unama) in ihrem Bericht mit, der im Juli veröffentlicht wurde. 32.375 Zivilisten wurden demnach verletzt. Das alles sind erfasste Fälle. Im laufenden Jahr (vom 1. Januar bis 30. Juni) hat es im Land 1659 zivile Todesopfer sowie 3524 verletzte Zivilisten gegeben, hieß es.

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Außerdem sagte Patruschew: „Unsere Prioritätsaufgabe ist, die Kontrolle über Migrationsströme seitens Afghanistans zu sichern und die Region vor einer Grenzüberquerung durch als Flüchtlinge getarnte Terroristen, der Verbreitung der radikalen Ideologie sowie vor Waffenschmuggel und Drogenhandel zu schützen.“

Lage in Afghanistan

Die Taliban* hatten am Sonntag die Hauptstadt Kabul erreicht. Die islamistischen Kämpfer sind seit dem Abzug der Nato-Truppen aus Afghanistan landesweit auf dem Vormarsch. Die afghanische Regierung hatte sich zur Machtübergabe bereiterklärt, Präsident Aschraf Ghani floh ins Ausland und gestand in einer Facebook-Botschaft die Niederlage gegen die Taliban ein.
Die USA, Deutschland und weitere westliche Staaten haben ihre Botschaften in Kabul übereilt räumen und das Botschaftspersonal hastig evakuieren müssen. Am Flughafen Kabul kam es zum Tumult. Mehrere Menschen versuchten mit allen Mitteln, das Land zu verlassen. Einige klammerten sich an ein startendes Transportflugzeug der US-Armee.
*Unter anderem von der Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit (Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan, Weißrussland) als Terrororganisation eingestuft, deren Tätigkeit in diesen Ländern verboten ist.
**Terrororganisation, in Russland und Deutschland verboten
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