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Wer fördert nun Afghanistans Bodenschätze?

© REUTERS / StringerTaliban-Kämpfer in Kabul
Taliban-Kämpfer in Kabul - SNA, 1920, 18.08.2021
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Afghanistan ist reich an Bodenschätzen. Neben der größten Kupfermine der Welt verfügt das Land unter anderem über beachtliche Goldvorkommen und Lithium, das für die Elektromobilität eine große Rolle spielt. Wer wird jetzt die Schätze fördern und mit den Taliban* zusammenarbeiten?
Afghanistan verfügt über große Mengen an Kupfer, Eisen, Lithium, Gold und Silber. Vor allem Lithium für die Batterien von Elektroautos ist weltweit heiß begehrt. Die US-Geologiebehörde schätzt, dass in Afghanistan etwa so viel Lithium in der Erde schlummert wie im weltweit führenden Lithium-Förderland Bolivien. Die afghanischen Rohstoff-Vorkommen, die noch nicht gefördert wurden, werden auf einen Gesamt-Marktwert von bis zu drei Billionen US-Dollar geschätzt. Diese Berechnungen beziehen sich gerade einmal auf ein Drittel des Landes, das von der US-Geologiebehörde untersucht wurde. Möglicherweise schlummern noch ganz andere Schätze in dem kargen Boden Afghanistans.

Russland, China und die Türkei sitzen in den Startlöchern

In den letzten zwanzig Jahren haben diverse Konzerne aus aller Welt Verträge zur Förderung und Verarbeitung afghanischer Rohstoffe geschlossen. Die Frage ist, welche davon von den Taliban akzeptiert oder entsprechend adaptiert werden. US-Konzerne haben hier sicher die schlechtesten Chancen. Ganz anders könnte es für Chinesen, Russen oder Türken aussehen. Während sich am Kabuler Flughafen dramatische Szenen abspielen und Afghanen verzweifelt versuchen, zu fliehen, wird hinter den Kulissen bereits diplomatisch auf Tuchfühlung gegangen. Als Erste haben sich die Chinesen und die Russen pragmatisch geäußert. Als eines von wenigen Ländern ließ Russland seine Botschaft in Kabul offen, und der russische Botschafter traf sich bereits am Dienstag mit einem Vertreter der islamistischen Miliz.
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Russland hofft auf Öl, Gas, Wasser- und Atomkraft

Seit Jahren unterhält Russland Kontakte zu den Taliban, deren Vertreter regelmäßig zu Gesprächen in Moskau waren. Das könnte sich nun auszahlen, wenn es um die Weiterführung von Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern geht. Moskau sieht traditionell vor allem im Öl- und Gasbereich Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Kabul. Der russische Gaskonzern Gazprom hat bereits damit begonnen, Gasfelder an der afghanisch-turkmenischen Grenze zu erschließen. Außerdem werden in afghanischen Böden 1,6 Milliarden Barrel Rohöl vermutet. Russische Wasserkraftwerke in Afghanistan sind bereits in Planung. Auch der Bau eines Atomkraftwerks mit russischer Technik ist für die Zukunft nicht ausgeschlossen.
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Chinas Ziele: Rohstoffe und „Neue Seidenstraße“

Ähnlich pragmatisch scheint Peking den neuen Machtverhältnissen entgegenzusehen. China war am Montag eines der ersten Länder, die der neuen Führung in Kabul „freundliche Beziehungen“ anboten. Die chinesische Außenamtssprecherin Hua Chunying sagte:
China respektiert das Recht des afghanischen Volkes, über sein Schicksal und seine Zukunft zu entscheiden. Wir sind bereit, weiterhin gut-nachbarschaftliche Beziehungen mit Afghanistan zu pflegen und eine konstruktive Rolle im Wiederaufbau und der Entwicklung des Landes zu spielen.“
Das „Handelsblatt“ berichtet zu den chinesischen Verträgen, die jetzt auf dem erneuten Prüfstand der Taliban stehen: „Neben der größten unangetasteten Kupfermine der Welt hat sich China in Afghanistan auch das größte Ölfeld gesichert. Hinzu kommen rund eine Million metrische Tonnen an Seltenen Erden sowie Uran, die in der Provinz Helmand vermutet werden.“
Nicht zuletzt wäre Afghanistan ein neues wichtiges Puzzleteil in der Region für Chinas Jahrhundert-Projekt der „Neuen Seidenstraße“.

Weitere Player und wichtigster Wirtschaftszweig

Weitere Player, die nun eine noch größere Rolle in dem Land spielen könnten, sind die Türkei und Iran. Teheran ist bereits mit einigen Firmen, vor allem im Kupfer- und Kabelbereich, in Afghanistan aktiv.
Türkische Firmen wiederum könnten jetzt für westliche Firmen, wie Siemens Energy, die das Land verlassen, einspringen. Das „Handelsblatt“ schreibt: „76 türkische Unternehmen sind nach Angaben des Ankaraner Außenministeriums in dem Land aktiv, 90 Prozent davon in der Baubranche. Zwischen 2003 und 2018 haben sie dort 701 Projekte im Wert von 6,6 Milliarden US-Dollar umgesetzt.“
Der wahrscheinlich wichtigste Wirtschaftszweig und Rohstoff Afghanistans existiert offiziell nicht, sorgt aber seit Jahrzehnten für den beständigsten Geldfluss in das kriegsgebeutelte Land: Der illegale Handel mit Opium, das zur Herstellung von Heroin dient, gilt als Haupteinnahmequelle Afghanistans. Weder den afghanischen Regierungen noch den US-Amerikanern ist es je gelungen, den Anbau und Handel des Rauschgiftes zu unterbinden. Die Taliban werden mit Sicherheit auch diese Geldquelle anzuzapfen verstehen.
*Unter anderem von der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan, Belarus) als Terrororganisation eingestuft, deren Tätigkeit in diesen Ländern verboten ist.
Militärtransportflugzeug C-17 in Kabul - SNA
Bis fünf Millionen weitere Flüchtlinge aus Afghanistan

Bundesinnenminister Horst Seehofer rechnet nach der Machtübernahme der Taliban damit, dass 300.000 bis fünf Millionen weitere Afghanen die Flucht ergreifen werden. Das sagte der CSU-Politiker nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am 16. August bei einer Unterrichtung der Bundestags-Fraktionschefs. Einen Zeitraum nannte er demnach nicht.

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