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„Talkmaster oder Teddybär?“ – Das neue Nachrichten-Format von RTL startet bescheiden

© AP Photo / MICHAEL SOHNRTL-Logo (Symbolbild)
RTL-Logo (Symbolbild) - SNA, 1920, 17.08.2021
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Mit dem neuen Format „RTL Direkt“ hat der Privatsender den Anspruch erhoben, das Nachrichten-Angebot des deutschsprachigen Fernsehens zu bereichern. Die Premiere mit Jan Hofer als Talkmaster und mit Stargast Annalena Baerbock hat allerdings nicht wie eine Bereicherung gewirkt.
„‚RTL Direkt‘ ist nicht einfach ein weiteres Nachrichten- oder Talkformat“, versprach Gerhard Kohlenbach, Chefredakteur Nachrichten bei RTL News. „Die Sendung verbindet das Beste aus beiden Welten.“
Speziell dafür wurden mit Jan Hofer und Pinar Atalay zwei bekannte Gesichter von den öffentlich-rechtlichen Sendern abgeworben. Die sollen laut Kohlenbach „die Menschen kompakt, direkt und verständlich auf den neuesten Stand bringen, damit sie bestens informiert und durchaus auch mit einem Augenzwinkern in die Nacht verabschiedet werden“.

Baerbock als Afghanistan-Expertin

Mit dem „neuesten Stand“ hatte die Premiere gleich Pech – niemand konnte natürlich vorhersehen, dass gerade an dem Monate im Voraus geplanten Tag für die Premiere der Showdown in Afghanistan passieren würde. Ein Umkrempeln der ohnehin knappen 20-minütigen Sendung wegen des aktuellen Anlasses war nicht mehr möglich. So musste die Redaktion mit dem Stargast der Sendung, der Grünen- Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, auskommen.
So klang es bei Hofer fast entschuldigend, dass er das Gespräch mit Baerbock mit dem Afghanistan-Thema beginnen „musste“. Zwar sagt die Grünen-Politikerin hin und wieder, sie komme aus „dem Bereich der Außenpolitik“. Aber sicherlich gibt es in Deutschland kompetentere Gesprächspartner zum Thema Afghanistan.
Wenn auch die Gelegenheit, die Bundesregierung ein weiteres Mal zu kritisieren, für Baerbock sicherlich willkommen kam. Diese Gelegenheit nahm sie zwar genüsslich wahr. Sie wich aber zugleich Hofers Frage aus, ob nun jemand im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Debakel zurücktreten müsse.
Was würde sie jetzt unternehmen, wäre sie jetzt bereits Bundeskanzlerin, wurde die Grünen-Kandidatin gefragt. „Die Menschen sofort da rausholen“, antwortete Baerbock. Es gehe darum, Menschenleben zu retten. In ihrem humanistischen Elan fügte sie dann einen Satz hinzu, die ziemlich absurd klang:

Jetzt müsse dafür gesorgt werden, „dass wir die Menschen, die unsere Soldaten geschützt haben, in Sicherheit bringen“.

Waren also die Bundeswehr-Einheiten nach Afghanistan geschickt worden, um von den Einheimischen geschützt zu werden? Nicht etwa umgekehrt?
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„Wie grün wird Deutschland – und was kostet uns das?“

Anschließend kam die Sendung zu dem Thema, zu dem Baerbock eigentlich eingeladen war: „Wie grün wird Deutschland – und was kostet uns das?“ Illustriert wurde das mit dem Bioladen-Shopping einer fünfköpfigen Familie, die dabei 89 Euro mehr ausgeben musste als für den artikelmäßig ähnlichen Einkauf in einem „normalen“ Laden. Auch ein umweltfreundliches Auto würde dieser Familie wesentlich teurer zu stehen kommen.
Baerbocks Rezept: Die Mehrkosten sollen mit einer effektiveren Sozialpolitik kompensiert werden, etwa mit einer Anhebung des Mindestlohns und einer besseren Unterstützung von Soloselbständigen. Wie sich das auf die Staatskasse auswirken soll und wo man dafür an anderen Stellen kürzen sollte – dazu wäre Finanzminister und Kanzlerkandidat Olaf Scholz der geeignetere Gesprächspartner. Dieser stand aber der Sendung nun mal nicht zur Verfügung.

„Wenn Sie sich trauen, zu ‚Let's Dance‘ zu gehen, dann glaube ich auch, dass wir diesem Land zutrauen können, sich zu erneuern“, sagte Baerbock dem 71-jährigen Hofer.

Ein Vergleich, der zwar sicherlich als ein Witz gedacht war, aber bestimmt nicht alle schmunzeln ließ.
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Apropos Witz: Abgerundet wurde die Sendung mit einem Satirebeitrag des Kabarettisten Abdelkarim – ganz im Sinne des von Kohlenbach formulierten Konzepts, die Zuschauer „mit einem Augenzwinkern in die Nacht zu verabschieden“.
Die Auftakt-Quoten der „RTL Direkt“-Premiere waren nicht gerade spektakulär – jedenfalls fielen sie wesentlich bescheidener aus als die traditionelle RTL-Unterhaltungssendung „Bauer sucht Frau International", die vor dem neuen News-Format lief.
Auch das Medienecho klang nicht gerade schmeichelhaft: „Jan Hofer im ‚RTL Direkt‘: Verloren im Nachrichten-Kuddelmudel“ („Augsburger Nachrichten“), „Ein bunter Gemischtwarenladen des Politikjournalismus“ (RND) oder „Jan Hofer im ‚RTL Direkt‘: Talkmaster oder Teddybar?“ („Der Spiegel“).
Sicherlich wurden all diese Beiträge dem RTL News-Chef zur Redaktionskonferenz am Dienstagmorgen auf den Tisch gelegt.
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