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Studie: Ausstoß an Treibhausgasen in diesem Jahr vor höchstem Anstieg seit 1990

© SNA / Alexander KrjaschewEmissionen (Symbolbild)
Emissionen (Symbolbild) - SNA, 1920, 17.08.2021
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Im vergangenen Jahr hat es einen Lichtblick für den Klimaschutz in Deutschland gegeben. Der Ausstoß an Treibhausgasen ging pandemiebedingt deutlich zurück. Für 2021 sieht das einer Studie zufolge anders aus: Selbst der Anstieg nach der Wirtschaftskrise 2009/2010 wird übertroffen. Die Grünen fordern Tempo und Hochdruck bei Klimaschutz.
Der Ausstoß an Treibhausgasen in Deutschland wird nach Berechnungen der Denkfabrik „Agora Energiewende“ in diesem Jahr deutlich steigen. Die Emissionen werden gegenüber 2020 voraussichtlich um rund 47 Millionen Tonnen zulegen, heißt es in der Analyse. Das sei der größte Anstieg seit 1990. Deshalb werde der Rückgang der Emissionen im Vergleich zum Jahr 1990 lediglich 37 Prozent betragen.

Rückgang 2020 in Folge der Pandemie

Im Pandemie-Jahr 2020 lag der Ausstoß an Treibhausgasen mit rund 739 Millionen Tonnen 40,8 Prozent unter dem im Ausgangsjahr 1990. Deutschland hatte damit das Klimaziel eines Rückgangs um 40 Prozent erreicht. Gut ein Drittel der Minderungen waren nach Angabendes Umweltbundesamtes Folge der Pandemie: Im Corona-Lockdown wurde in Fabriken zeitweise nicht mehr produziert und es gab weniger Reisen mit dem Auto oder dem Flugzeug. Die Behörde hatte deshalb bereits einen Anstieg der Emissionen in diesem Jahr erwartet.
Inzwischen ist die Wirtschaft wieder angelaufen und auf den Straßen ist wieder mehr Verkehr. „Der vermeintliche Erfolg von 40 Prozent Emissionsminderung im letzten Jahr war kein wirksamer Klimaschutz, sondern eine Eintagsfliege, bedingt durch Corona und Sondereffekte“, betonte „Agora“-Direktor Patrick Graichen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Deutschland werde 2021 den höchsten Anstieg der Treibhausgasemissionen seit 1990 verzeichnen. „Das übertrifft selbst den Anstieg nach der Wirtschaftskrise 2009/2010.“
CO2-Ausstoß (Symbolbild) - SNA, 1920, 21.07.2021
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Fast 50 Prozent mehr Strom aus Braunkohle

Zum neuerlichen Anstieg trugen danach auch die für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bisher ungünstigen Witterungsbedingungen bei. So ging die Erzeugung durch Windkraftanlagen an Land in den ersten sechs Monaten um 20 Prozent zurück. Auch im Juli war die Entwicklung ungünstig: Nach Angaben der Bundesnetzagentur lag die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wetterbedingt fast sieben Prozent unter dem Vorjahreswert.
Im Gegenzug laufen konventionelle Kraftwerke häufiger. Der Energiekonzern RWE hatte mitgeteilt, dass seine Stromproduktion aus Braunkohle im ersten Halbjahr fast 50 Prozent höher war als im Vorjahreszeitraum. Braunkohlekraftwerke stoßen besonders viel Kohlendioxid aus.

„Größtes Klimaschutz-Sofortprogramm“ nötig

Dabei haben Bundesregierung und Bundestag ein höheres Tempo beim Abbau der Treibhausgasemissionen verkündet. Im neuen Klimaschutzgesetz wurde das Ziel verankert, dass die Bundesrepublik bis 2045 treibhausgasneutral wird – also nur noch so viele Treibhausgase auszustoßen, wie wieder gebunden werden können. Auf dem Weg dorthin sollen die Emissionen bis 2030 um 65 Prozent sinken. Bis zum Jahr 2040 soll ein Rückgang um 88 Prozent erreicht sein. Das Gesetz legt auch Jahresemissionsmengen in den einzelnen Wirtschaftssektoren wie Verkehr, Gebäude oder Industrie fest.
Diese Ziele für 2021 werden laut „Agora“ verfehlt. „Damit ist ein Sofortprogramm mit wirksamen Klimaschutz-Maßnahmen quer durch alle Sektoren nicht nur notwendig, sondern auch rechtlich zwingend“, so Graichen. Die künftige Bundesregierung müsse innerhalb der ersten 100 Tage „das größte Klimaschutz-Sofortprogramm auf den Weg bringen, dass es in der Bundesrepublik je gegeben hat“.
Die „Agora“-Berechnungen basieren auf Zahlen der „Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen“. Sie gibt jährlich eine Energiebilanz für die Bundesrepublik Deutschland heraus. Sie hatte für das erste Halbjahr 2021 einen Anstieg des Energieverbrauchs um 4,3 Prozent und um 6,3 Prozent höhere CO2-Emissionen ermittelt. Die „Agora“-Experten verweisen darauf, dass ihre Schätzung aufgrund der Vielzahl an Einflussfaktoren mit Unsicherheiten verbunden sei.
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Grüne fühlen sich bestätigt

Die Grünen fühlen sich in ihren klimapolitischen Forderungen bestätigt. Die Abschätzung belege, „mit welchem Tempo und Hochdruck wir Klimaschutz vorantreiben müssen“, sagte ihre Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock der DPA in Berlin. „Was über Jahre auf eklatante Weise von der amtierenden Bundesregierung versäumt wurde, gilt es aufzuholen. Tut Deutschland das nicht, gefährdet es Klima und Wohlstand.“
Baerbock sagte weiter, die Grünen würden daher nach einem Wahlsieg „die Weichen stellen für den massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien“. Dazu gehöre ein Flächenziel für Windkraft von zwei Prozent der Landesfläche und der Standard, dass auf jedes neue Dach eine Solaranlage komme. Auch im Verkehrsbereich und beim Heizen werde man mit dem Ausstieg aus dem fossilen Verbrennungsmotor und mit klimafreundlichen Wärmepumpen den Weg hin zur Klimaneutralität angehen. „Das nützt nicht nur dem Klima, sondern sichert auch unseren Wohlstand.“
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