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 - SNA, 1920
Afghanistan
Aktuelle Nachrichten aus Afghanistan

„Tragödie am Hindukusch war abzusehen“ – AfD-Kritik an Bundesregierung für Afghanistan-Desaster

© AFP 2021 / Banaras KhanTaliban-Flagge
Taliban-Flagge - SNA, 1920, 17.08.2021
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Spätestens seit der Eroberung Kabuls durch die Taliban kann der Militär-Einsatz der westlichen Nato-Staaten in Afghanistan als vollends gescheitert angesehen werden. „Gutmenschen-Denken und Schönmalerei reicht nicht aus“, kritisiert AfD-Außenpolitiker Armin-Paul Hampel das politische Berlin. „Nur im Bundestag will niemand auf uns hören.“
Der langjährige Journalist, Leiter des in der indischen Hauptstadt Neu Delhi stationierten ARD-Auslandsstudios für Südasien und Bundestagspolitiker Armin-Paul Hampel (AfD) meinte in einer aktuellen Pressemitteilung seiner Partei, die der SNA-Redaktion vorliegt: „Die Tragödie am Hindukusch war absehbar.“ In der Mitteilung wird der deutschen Bundesregierung sowie Nichtregierungsorganisationen (NGOs) „eine Mitschuld“ am aktuellen Desaster in Afghanistan zugeschrieben.
Die radikal-islamistischen Taliban* haben seit dem Wochenende weitere strategisch wichtige Orte im Land eingenommen, darunter die Hauptstadt Kabul. Vor wenigen Wochen und Monaten war ein Großteil des Militärs westlicher Staaten, darunter aus den USA und Deutschland, nach teils über 20-jährigem Einsatz aus dem Land abgezogen.
Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel. Berlin, 10. August 2021 - SNA, 1920, 16.08.2021
Afghanistan
„Da haben wir eine falsche Einschätzung gehabt“ – Merkel zur Lage in Afghanistan
Der außenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag kritisiert:

„Jahrelang haben sich die Bundesregierung und – außer unserer Fraktion – alle Fraktionen des Deutschen Bundestages das Bundeswehr-Engagement und die Situation in Afghanistan schöngeredet. Jetzt strafen die Bilder vom Kabuler Flughafen alle Einsatzbefürworter Lügen. Meine Mahnung, die Bilder des letzten Hubschraubers vom Dach der US-Botschaft in Saigon 1975 könnten sich in der afghanischen Hauptstadt in ähnlicher Weise wiederholen, ist traurige Realität geworden.“

Armin-Paul Hampel
Außenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion
Die Entwicklung, die momentan zu sehen sei, wäre schon lange absehbar gewesen. Der Vormarsch der Taliban nehme von Tag zu Tag an Tempo zu.

„Reiche Afghanen können sich retten, arme Bevölkerung nicht“

„Die vom Westen ausgebildete und aufgerüstete afghanische Nationalarmee versagte an allen Fronten kläglich“, konstatiert Hampel.
Der gewählte Präsident Aschraf Ghani, der sich derzeit im Exil in Tadschikistan befinden soll, „und mit ihm alle, die durch die Umleitung der westlichen Milliardenzahlungen auf ihre Privatkonten zu ungeheuren Vermögen gekommen sind, sitzen längst in ihren Villen in Doha und anderswo in den Golfstaaten. Bleiben und leiden müssen all die, die an die Versprechungen deutscher und anderer NGO-Gutmenschen glaubten und nicht über die Finanzen verfügen, um sich ins Ausland abzusetzen. Für ihr Schicksal tragen die Bundesregierung und ideologisch motivierte deutsche NGOs eine gravierende Mitschuld, die schwerer wiegen wird, als sich das viele heute vorstellen können“, schreibt Hampel.
Nach Informationen der russischen Botschaft in Kabul floh Ghani aus der afghanischen Hauptstadt in Autos, die mit Geld gefüllt waren.

Droht ein Bürgerkrieg in Afghanistan?

Bereits vor wenigen Tagen äußerte sich AfD-Außenpolitiker Hampel in einem SNA-Interview zur Lage in Afghanistan. Er war in den letzten Jahrzehnten mehrfach in dem „failed state“ (gescheiterter Staat) am Hindukusch. „Vor allem auf dem Land genießen die Taliban die Unterstützung der Bevölkerung“, sagte er. Die Mehrzahl der Afghanen lebe in ländlichen Regionen. Dazu komme ein drastischer wirtschaftlich wie sozialer Stadt-Land-Unterschied.
 Taliban-Kämpfer in Kabul am 16. August 2021 - SNA, 1920, 16.08.2021
Afghanistan
Kabul nach der Machtübernahme durch die Taliban
Dabei verwies er auch auf das bis heute durch Stammeskultur und Clans geprägte Land. Einige afghanische Stämme würden sich keiner Taliban-Regierung unterwerfen, erläuterte Hampel im damaligen Gespräch mit SNA. Daher halte er auch einen künftigen Bürgerkrieg in Afghanistan für möglich. Dieser könne dann weitere Flüchtlingsströme nach Europa auslösen, mahnte er. Humanitäre Hilfe für geflüchtete Menschen aus diesem Krisenherd sei aus westlicher und deutscher Sicht geboten, betonte er.
Vor wenigen Tagen warnten mit Blick darauf die AfD-Abgeordneten Paul Podolay und Siegbert Droese während ihres Besuches in Litauen an der Grenze zu Belarus in einem anderen Interview mit SNA, dass womöglich bald über diese osteuropäischen Staaten an der Ost-Außengrenze der Europäischen Union (EU) afghanische Flüchtlinge „in Tausender- bis Hunderttausender-Größen“ Richtung Westeuropa gelangen könnten.
Die Taliban auf dem Vormarsch – Einnahme von Herat - SNA, 1920, 15.08.2021
Afghanistan
Taliban nehmen kampflos Dschalalabad ein – folgt nun eine Offensive gegen Kabul?
Als Reaktion auf die Terror-Anschläge vom 11. September 2001 begann damals die gegen Afghanistan gerichtete US-geführte Nato-Operation „Enduring Freedom“, begleitet von weiteren internationalen Militär-Einsätzen, meist unter Führung Washingtons. Auch die Bundeswehr sollte durch Präsenz vor Ort das Land stabilisieren.
Jetzt kann gesagt werden, dass der Westen militärisch und politisch in Afghanistan vollends gescheitert ist. Seit dem Truppenabzug konnten die Taliban strategisch wichtige Orte im Land erobern. Darunter Kabul, Kandahar, Herat, Dschalalabad oder auch die ehemaligen Bundeswehr-Standorte Kundus und Masar-i-Scharif.
*Unter anderem von der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (Armenien, Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan, Weißrussland) als Terrororganisation eingestuft, deren Tätigkeit in diesen Ländern verboten ist.
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