Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde
 - SNA, 1920
Afghanistan
Aktuelle Nachrichten aus Afghanistan

Kabul nach der Machtübernahme durch die Taliban

© SNA / Stringer / Zur Bilddatenbank Taliban-Kämpfer in Kabul am 16. August 2021
 Taliban-Kämpfer in Kabul am 16. August 2021 - SNA, 1920, 16.08.2021
Abonnieren
Chaos am Flughafen, Geld des zurückgetretenen Präsidenten Ghani auf dem Flugfeld, geschlossene Banken, „Talibanisierung“ in den Medien und verängstigte Einwohner – SNA bietet ein Bild von der Lage in der afghanischen Hauptstadt am ersten Tag nach der Machtübernahme durch die Taliban* an.
Nach Informationen der russischen Botschaft in Kabul floh der afghanische Staatschef Aschraf Ghani aus Kabul mit Autos, die mit Geld gefüllt waren.
„Was den Sturz des Regimes angeht, lässt er sich besonders eindrucksvoll dadurch schildern, wie Ghani aus Afghanistan geflüchtet ist: Vier Autos waren mit Geld vollgestopft, zudem versuchte man, weiteres Geld in einen Hubschrauber hineinzustopfen, aber es gab nicht genügend Platz. Und ein Teil des Geldes blieb auf dem Flugfeld liegen“, sagte der Pressesprecher der Botschaft, Nikita Ischtschenko, gegenüber SNA.

Chaos am Flughafen von Kabul

Bereits am Sonntagabend begaben sich Tausende von Afghanen zum Flughafen von Kabul – viele hatten nicht einmal Pässe bei sich. Die Situation eskalierte am Montagmorgen, als US-Soldaten das Feuer auf Afghanen eröffneten, die die Evakuierung behinderten. Berichten zufolge sind bei den Schüssen und dem Gedränge mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen.
In den sozialen Medien wurden schockierende Aufnahmen veröffentlicht: Diese zeigen, wie drei Afghanen, die sich am Fahrwerk eines startenden US-Militärflugzeuges festhalten, von dem bereits fliegenden Flugzeug auf die Erde fallen und offenbar ums Leben kommen.

Medien „auf dem Weg in die Talibanisierung“

Ein afghanischer Journalist schrieb auf Twitter, dass die meisten Fernsehsender seit der Machtübernahme durch die Taliban ihr Programm geändert haben, in den Sendungen gebe es zudem keine weiblichen Moderatoren mehr. „Seit heute Morgen wird auf den meisten Fernsehkanälen keine Musik mehr gespielt. Die Medien befinden sich auf dem Weg in die Talibanisierung“.
Nach Angaben von Sputnik Afghanistan strahlt der Fernsehsender Tolo in den sozialen Medien sein reguläres Programm aus, aber es gebe viel weniger Nachrichten als üblich (Stand 14 Uhr MESZ).
Der Sender Ariana TV bringt Nachrichten und aktuelle Berichte, allerdings sehr selten. Wie Einwohner von Kabul mitteilten, wird im Staatsfernsehen Melli die Rezitation des Koran übertragen.
Wie afghanische Journalisten in den sozialen Medien berichteten, sind vor einigen Stunden Taliban-Kämpfer in die Redaktion des Senders Tolo gekommen. „Die Kämpfer haben die Waffen des Sicherheitspersonals weggenommen, die von der Regierung zur Verfügung gestellt worden waren, und erklärten sich bereit, die Sicherheit der Anlage zu gewährleisten“, heißt es in dem Bericht.
Der Sender Tolo strahlt übliche islamische Sendungen aus, auch eine türkische Fernsehserie läuft. Tolo News wiederholt derzeit alte Nachrichten, es gibt keine neuen Berichte.

Banken geben kein Bargeld aus

Seit dem Vortag stehen Menschen landesweit vor den Banken in der Hoffnung, Geld von ihren Konten abheben zu können. Nach Angaben von Ortsbewohnern sind die Banken in Kabul geschlossen. Die Leiterin der afghanischen Filmgesellschaft „Afghan Film“, Sahraa Karimi, teilte am Sonntag in einem Tweet mit, auch sie habe kein Geld bekommen können. „Da Afghanistan Bank“ soll nach Informationen von Ortsbewohnern am Dienstag wieder öffnen.
SNA gibt die Eindrücke einiger Einwohner von Kabul wieder (ihre Nahmen wurden aufgrund von Sicherheitsbedenken geändert).
„Heute ist der erste Tag der Taliban-Regierung. Die Menschen konnten zunächst nicht verstehen, was geschieht, alle waren geschockt“, teilte ein Einwohner der Stadt, Walid, gegenüber SNA mit.
„Es gab eine Menge von Fake News, die Leute rannten zum Flughafen. Sie hörten, dass Flugzeuge 20.000 Passagieren nach Kanada befördern würden. Die Menschen verließen sogar ihre Familien und eilten ohne Gepäck und Dokumente zum Flughafen. Dort herrscht immer noch Chaos“

„Alle haben Angst“

„Uns wurde empfohlen, zwei bis drei Tage zu Hause zu bleiben“, sagte Fatima, eine russische Staatsangehörige, die in Kabul lebt, gegenüber SNA. „Mein Mann geht nirgendwo hin. Alle haben Angst. Die Märkte und die meisten Geschäfte sind geschlossen. Hochschulen, Schulen – alles ist geschlossen. (Der ehemalige Vorsitzende des Obersten Rates für Nationale Versöhnung – Anm.d. Red.) Abdullah Abdullah sagte, wir sollten lieber zwei bis drei Tage zu Hause bleiben“.
Laut Fatima sind Flugzeuge die ganze Nacht hindurch sowie am Morgen von der afghanischen Hauptstadt gestartet.
„Ich habe Angst, in die Stadt zu gehen. Das Internet funktioniert, aber man sagt, es könne abgeschaltet werden. Es gibt Stromausfälle“.

Alles ist geschlossen

„95 Prozent der Läden, Geschäfte, Supermärkte und kleinen Läden sind geschlossen. Schulen, Banken und Behörden sind größtenteils geschlossen. Frauen, Kinder und junge Menschen bleiben zu Hause, auf den Straßen sind vor allem Menschen mittleren Alters zu sehen“, schilderte Fahim, ein anderer Einwohner von Kabul, die Lage in der afghanischen Hauptstadt.
„Gestern war die Situation schlecht. Als ich gestern Abend nach Hause kam, liefen viele Paschtunen herum, die ihre Sprache sprachen. Sie waren überall. Es ist nicht bekannt, woher sie überhaupt kamen“. (Paschtunisch ist schätzungsweise für mehr als ein Drittel der afghanischen Bevölkerung die Muttersprache; fast die Hälfte der Bevölkerung spricht Dari als Muttersprache, Dari fungiert zudem als eine Verkehrssprache zwischen ethnischen Gruppen – Anm. d. Red.)
Frauen und Kinder versuchen nach der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan, ins Gebäude des Flughafens in Kabul einzudringen, 16. 08. 2021 - SNA, 1920, 16.08.2021
Afghanistan
„Verlassen Sie sofort das Safehouse!“: Bundesregierung soll Rettung von Ortskräften aufgegeben haben

Lange Bärte und spezielle Kleidung werden vorläufig nicht gefordert

Derzeit sei die Situation „nicht schlecht“, sagte Fahim. „Die Sicherheit wurde hergestellt. Niemand greift jemanden an. Vorläufig gibt es keine Einschränkungen oder Neuerungen, wie etwa das Tragen von langen Bärten für Männer oder von bestimmter Kleidung, auch nicht für Frauen“. Die Anführer der Taliban seien bislang nicht nach Kabul gekommen.
Afghanische Flüchtlinge in Deutschland. Freilassing, Bayern, September 2015 - SNA, 1920, 16.08.2021
„Dürfen die Fehler von 2015 nicht wiederholen“: Laschet gegen Aufnahme afghanischer Flüchtlinge
Allerdings würden sich derzeit 2000 Menschen, darunter auch Frauen und Kinder, im Flughafen Kabul aufhalten, ohne Papiere und ohne Gepäck, sagte Fahim. „Sie wollen ausreisen. Niemand hat sie weggebracht, mehrere Menschen wurden getötet. Kanada hatte zuvor angekündigt, 20.000 Afghanen evakuieren zu wollen, also gingen sie zum Flughafen in der Hoffnung, dass sie abgeholt werden.“
* Unter anderem von der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan, Weißrussland) als Terrororganisation eingestuft, deren Tätigkeit in diesen Ländern verboten ist.
Newsticker
0
Neueste obenÄlteste oben
loader
Live
Заголовок открываемого материала
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала