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RKI-Modellrechnung: Covid-19-Impfung hat allein 2021 fast 40.000 Sterbefälle verhindert

© AP Photo / Martin MeissnerLaborantin arbeitet mit Corona-Testproben
Laborantin arbeitet mit Corona-Testproben - SNA, 1920, 12.08.2021
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Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat berechnet, dass die Impfkampagne bisher allein zwischen Januar und Juli 2021 mehr als 38.300 Sterbefälle verhindert hat. Das RKI warnt vor einer vierten Welle und fordert eine höhere Impfquote.
Basierend auf den Ergebnissen einer mathematischen Modellierung hat das Robert-Koch-Institut (RKI) die Effekte der Impfung gegen Covid-19 auf den Pandemieverlauf in Deutschland im Zeitraum von Januar bis Juli 2021 berechnet. „Diese hohe Effektivität der Covid-19-Impfkampagne verdeutlicht eindrucksvoll, dass Impfungen den Weg aus der Pandemie ebnen“, schreibt das RKI in dem Bericht, der im September im „Epidemiologischen Bulletin“ erscheinen soll.
Es wurde modelliert, wie der Verlauf der dritten Welle gewesen wäre, hätte die Impfkampagne nicht stattgefunden. Aus den Analysen ergibt sich, dass die Impfkampagne bisher geschätzt 706.000 Meldefälle, 76.600 stationäre und etwa 19.600 intensivmedizinische Fälle sowie mehr als 38.300 Sterbefälle verhindert hat. Insbesondere in der Altersgruppe der über 60-Jährigen wurde die Anzahl der zu erwartenden Fälle um mehr als 40 Prozent reduziert.

Impfkampagne

Am 27. Dezember 2020 startete in Deutschland die bundesweite Impfkampagne gegen Covid-19 zunächst mit dem Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer. Mittlerweile haben insgesamt vier Impfstoffe die vorläufige Zulassung für Personen ab 18 Jahren erhalten.
Aufgrund der ursprünglich begrenzt vorhandenen Mengen empfahl die Ständige Impfkommission (Stiko), dass zunächst Personen mit einem besonders hohen Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf geimpft werden sollten. Ebenso sollten diejenigen bevorzugt geimpft werden, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit einem hohen Risiko ausgesetzt sind oder in engem Kontakt zu besonders gefährdeten Personen stehen. Im Juni 2021 wurde diese Priorisierung aufgehoben. Seitdem besteht für jede impfwillige Person die Möglichkeit, eine Impfung zu erhalten.
Zu Beginn wurden die Covid-19-Impfungen in Impfzentren, durch mobile Teams oder in Krankenhäusern durchgeführt. Seit April dieses Jahres konnten zunächst niedergelassene Ärzte und einige Wochen später auch Betriebsärzte in die Impfkampagne einbezogen werden, wodurch bis zu 1,4 Millionen Dosen am Tag verimpft werden konnten. Im Juli dieses Jahres hat die Anzahl der täglich verimpften Dosen auf einen wöchentlichen Durchschnitt von unter 500.000 pro Tag abgenommen, sodass mittlerweile das Angebot an Impfstoffen die Nachfrage übersteigt.
Insgesamt wurden bis zum Ende der 30. Kalenderwoche dieses Jahres 85 Prozent der ausgelieferten Impfdosen verimpft. Damit wurden bisher 85,2 Prozent der Personen über 60 Jahren, 62,3 Prozent der 18- bis 59-Jährigen und 21 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren mindestens einmal geimpft. Rund sieben Monate nach Beginn der Impfkampagne sind Anfang August dieses Jahres 53 Prozent der Bevölkerung zweimal gegen Covid-19 geimpft.
Drive-in-Impfstelle in Berlin  - SNA, 1920, 11.08.2021
RKI räumt „gewisse Unsicherheit“ bei deutschen Impfquoten ein

Modellrechnung

Für die Analyse der Wirksamkeit der Impfungen hat das RKI die Bevölkerung in 16 Altersgruppen mit jeweils drei Risikogruppen (kein/moderates/hohes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf) unterteilt. Diese Unterteilung ermöglicht es, dass Impfstoffe sowohl alters- als auch risikobezogen der Modellbevölkerung zugeordnet werden können. Die Wirksamkeit einer Covid-19-Impfung setzt sich dabei aus verschiedenen Komponenten zusammen: Schutz vor Infektion, Schutz vor einem symptomatischen Verlauf, Schutz vor Hospitalisierung und Reduktion der Infektiosität von Personen, die sich trotz Impfung infizieren.
Um den Effekt der Impfkampagne zu berechnen, wurden für den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 15. Juli 2021 zwei Szenarien aufgestellt: eine mit und eine ohne Impfstoff. Modelliert wurden die durch die Impfkampagne bereits verhinderten Meldefälle, die stationär versorgten und die intensivmedizinisch behandelten Fälle sowie Sterbefälle.

Effekt ab März 2021

Aufgrund der zunächst knappen Impfstoffverfügbarkeit, aber auch der sinkenden Fallzahlen, ist ein Effekt der Impfkampagne erst ab März 2021 erkennbar.
Im Hinblick auf die Meldefälle, die sowohl symptomatische als auch asymptomatische Fälle beinhalten, wäre die Intensität der dritten Welle ohne Impfkampagne vermutlich ähnlich der zweiten Welle (circa 1. Dezember 2020 bis 15. Januar 2021) gewesen.
Ohne Impfkampagne prognostiziert das Modell für die dritte Welle einen Maximalwert von 28.492 Neuinfektionen. Unter Berücksichtigung der Impfkampagne reduziert sich dieser Wert auf 23.224 Meldefälle innerhalb eines Tages. Insbesondere die hospitalisierten Fälle wurden durch die Impfkampagne deutlich reduziert.

Starke Abnahme der Sterbefälle

Der vermutlich stärkste Effekt der Impfkampagne wird bei der Betrachtung der täglichen Sterbefälle deutlich: Das Modell berechnet für die dritte Welle mit Impfkampagne einen maximalen Wert von 347 und ohne Impfkampagne von 735 Todesfällen an einem Tag. Damit wurde der Maximalwert der dritten Welle um 47 Prozent reduziert.

Vierte Welle?

In einem Fazit warnt das RKI vor einer vierten Welle, die bereits im Anmarsch sei und empfiehlt eine Impfquote von 85 Prozent in der Altersgruppe 12 bis 59 Jahre und eine Impfquote von 90 Prozent bei Personen über 60 Jahren.
„Um dieses wichtige Ziel zu erreichen, ist es notwendig, dass neben den bereits bestehenden Impfangeboten in den Impfzentren, den Hausarztpraxen und in den Betrieben weitere aufsuchende Impfangebote gemacht werden. Hier stehen Angebote in Schulen, Alters- und Pflegeheimen sowie für marginalisierte Gruppen im Fokus“, heißt es abschließend in dem Bericht des Robert-Koch-Instituts.
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