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Ohne Abstand in vollen Zügen – Streik der Lokführer geht weiter

© REUTERS / FABIAN BIMMERHamburger Hauptbahnhof während eines GDL-Streiks
Hamburger Hauptbahnhof während eines GDL-Streiks - SNA, 1920, 12.08.2021
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Die Geduldsprobe für Kunden der Bahn geht weiter. Nach erheblichen Verkehrsproblemen am ersten Tag setzt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer ihre Streiks fort und droht mit weiteren Ausständen.
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) setzt ihren Streik bei der Deutschen Bahn konsequent fort. Nachdem der Ausstand am Mittwoch erhebliche Probleme im Nah- und Fernverkehr verursacht hat, rechnet die Bahn auch bis zum angekündigten Streikende in der Nacht zum Freitag mit zahlreichen Zugausfällen. Auf Pendler und Touristen kommen daher auch an diesem Donnerstag Probleme zu. Nach dem Ersatzfahrplan werden erneut drei Viertel der Fernzüge nicht fahren, während es in den Regio-Netzen zu unterschiedlich Störungen kommen soll. Die Bahn setzt nach eigenen Angaben alles daran, am Freitag wieder den Regelbetrieb zu fahren.

GDL droht mit weiteren Streiks

GDL-Chef Claus Weselsky drohte mit weiteren Streiks. Man werde mit der ersten Maßnahme nicht durchkommen, sagte er vor Gewerkschaftern in Berlin. „Von daher brauchen wir einen langen Atem.“ Zu seinen Gefolgsleuten sagte Weselsky: „Ich verspreche Euch nicht, dass es am Freitag schon vorbei ist. Aber wir gehen sorgsam mit unserer Tarifmacht um.“ Eine Entscheidung über weitere Arbeitskampfmaßnahmen soll in der kommenden Woche fallen.

Kein Mindestabstand

Zusätzliche Sorgen bereitet in Corona-Zeiten der Platzmangel in den wenigen verbliebenen Zügen. „Die Züge werden dadurch natürlich voller, als sie es sonst sind. Das macht die Sache nicht gerade leichter, denn wir versuchen ja in Pandemiezeiten möglichst viel Abstand zu bieten“, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Er kritisierte die GDL für die kurzfristige Streikankündigung:

„Es ist unverantwortlich von der Lokführergewerkschaft, nur 15 Stunden Zeit zu lassen zwischen Streikankündigung und Streikbeginn.“

Lieferketten unterbrochen

Laut Bahn gefährdet der Streik auch die Lieferketten der deutschen und europäischen Industrie. Momentan stünden rund 190 Güterzüge im Stau, berichtete das Staatsunternehmen. Mit großem Aufwand und enger Zusammenarbeit mit anderen Bahnbetrieben fahre die Güterverkehrs-Tochter DB Cargo die versorgungsrelevanten Züge etwa zu Kraftwerken oder großen Industriebetrieben.

Alternativen heiß begehrt

Viele Reisende hatten die GDL-Ankündigung vom Dienstagvormittag mitbekommen und stiegen auf andere Verkehrsmittel um. Wegen des Passagierandrangs setzt die Lufthansa bis einschließlich Freitag größere Flugzeugtypen auf ihren innerdeutschen Flügen ein, berichtete eine Sprecherin.
GDL-Chef Claus Weselsky - SNA, 1920, 11.08.2021
Streik geht weiter: GDL-Chef lehnt DB-Angebot ab – „Wir reden nicht über dieselben Prozentzahlen“
Auch Fernbus-Anbieter Flixbus sowie Mietwagen-Anbieter verzeichneten eine deutlich erhöhte Nachfrage. Damit stiegen auch die Preise. Flixbus wie Lufthansa arbeiten mit automatisierten Buchungssystemen, die teurere Buchungsklassen aufmachen, wenn die Plätze knapp werden. Ungewöhnlich lange Staus gab es im Berufsverkehr hingegen nicht. In der Mehrzahl der Bundesländer sind Schulferien.
Im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen fielen zehn Linien der DB Regio sowie zwei S-Bahn-Verbindungen ganz aus. In vielen anderen Ballungsräumen wie Frankfurt oder Stuttgart fuhren die S-Bahnen nur im Stundentakt. Die Bahn sprach von 40 Prozent Angebot im Regionalverkehr.

„Zug stark ausgelastet. Ohne Reservierung keine Mitfahrt möglich“

Urlauber waren beispielsweise auf den Wegen zu den Inseln Usedom und Sylt betroffen, und in Erfurt standen die Menschen bis auf die Straße Schlange am DB-Reisezentrum. Wenn doch einmal ein Fernzug einfuhr, hieß es „Zug stark ausgelastet. Ohne Reservierung keine Mitfahrt möglich“. Auf manchen Strecken waren auch Ersatzbusse im Einsatz, etwa zwischen Leipzig und Nürnberg sowie Berlin und Dresden. Im Osten ist die GDL traditionell schlagkräftiger, weil im Westen noch mehr Beamte aus Bundesbahn-Zeiten tätig sind und nicht streiken dürfen.

Die Forderungen

Die Lokführergewerkschaft kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder bei der Deutschen Bahn. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will sie in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren. So will die GDL bei den Mitarbeitern im Machtkampf mit der EVG punkten.
Züge der Deutschen Bahn (Archivbild) - SNA, 1920, 10.08.2021
Lokführer streiken ab Mittwoch – was Bahnreisende jetzt wissen müssen
Die GDL fordert Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro im laufenden Jahr. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 28 Monate betragen. Auch um Betriebsrenten wird gerungen. Wegen Milliardenverlusten in der Pandemie will die Bahn die Erhöhung auf spätere Stufenzeitpunkte verteilen, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.
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