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„Ansteckender als Windpocken“: Arzt zu Corona-Gefahr bei Kindern

© CC0 / Westfale / PixabayKinder, Symbolbild
Kinder, Symbolbild - SNA, 1920, 12.08.2021
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Obwohl die meisten Corona-Ansteckungen bei Kindern harmlos sind, befinden sich in Krankenhäusern zahlreiche minderjährige Covid-19-Patienten.
Über die Erkennung einer Corona-Infektion bei Kindern, schwere Verläufe und altersgerechte Therapien spricht im SNA-Interview der Kinderarzt Anton Rawdin von der Klinik „Mutter und Kind“ im Moskauer Vorort Lapino.
Herr Rawdin, in den vergangenen Monaten sollen die Covid-19-Patienten deutlich jünger geworden sein, auch Kinder erkranken. Wissenschaftler erklären dies mit der aggressiveren Delta-Variante. Beobachten Sie eine solche Tendenz? Wie häufig kommen schwere Fälle bei Kindern vor? Gibt es Todesfälle?
Zunächst einmal möchte ich anmerken, dass Kinder fast immer eine Covid-19-Erkrankung überstehen. Einzelne tragische Fälle in Russland sind mit sehr schweren Nebenerkrankungen verbunden. Dennoch wird zurzeit der Arzt deutlich häufiger aufgesucht als davor. Ein indirektes Indiz dafür ist, dass geplante stationäre Aufnahmen abgesagt werden – Kinder aus den russischen Regionen erkranken an Covid-19 und können nicht nach Moskau kommen. Die Bezirks-Kinderärzte verzeichnen auch einen Anstieg der Patienten, einschließlich jener, die im Krankenhaus behandelt werden müssen.
Die Delta-Variante verursacht eine Infizierung bei einer geringeren Virusbelastung als der Urtyp aus Wuhan. Die Delta-Variante ist ansteckender als Windpocken, die bis heute als eine der ansteckendsten Virusinfektionen galten. Während des jüngsten Anstiegs der Infizierungen waren in Moskau alle Covid-19-Abteilungen, darunter Kinderabteilungen, in den Krankenhäusern überfüllt. Jetzt lässt die Zahl der Erkrankten allmählich nach. Zum Glück verläuft Covid-19 bei der überwiegenden Mehrheit der Kinder wegen ihrer physiologischen Besonderheiten in milder Form.
Wie alt war Ihr jüngster Patient?
Der jüngste Patient war fünf Tage alt. Er verbrachte rund zehn Tage im Krankenhaus, die Lungen waren bis zu 50 Prozent betroffen. Jetzt ist er absolut gesund. Von den Spätfolgen ist noch keine Rede, es sind nur wenige Monate vergangen.
War seine Mutter an Covid-19 erkrankt, als er geboren wurde?
Ja.
Welche Covid-19-Symptome treten bei Säuglingen auf? Gibt es besondere Anzeichen, die auf den Beginn der Erkrankung hindeuten?
Viele glauben, dass Kinder an Covid-19 nicht erkranken oder dass es wie eine Grippe verläuft. Doch das ist nicht immer so. Bei Kindern ist der Verlauf der Krankheit zunächst häufig wirklich mild. Es muss nicht zu Husten, Schnupfen und anderen Symptomen einer Erkältung kommen. Sie werden einfach kränklich, wollen nicht essen, schlafen mehr, sind launisch. In der Regel steigt die Temperatur auf 38 Grad und ist schwer zu senken. Es liegt ja auf der Hand, dass der Säugling nur von Familienmitgliedern infiziert worden sein kann. Wenn jemand in der Familie also bereits an Covid-19 erkrankt ist, sollte bei einem Kind mit Fieber der Arzt gerufen werden.
Erwachsene berichten häufig, dass sie ihren Geruchssinn verlieren. Ist Ähnliches auch bei Kleinkindern zu beobachten?
In der Regel trifft das auf Teenager zu, bei denen die Erkrankung häufig wie bei Kindern verläuft. Covid-19 kann einen milden Verlauf nehmen und endet nach drei bis vier Tagen mit übermäßiger Müdigkeit, leicht erhöhter Temperatur und Muskelschmerzen. Schon nach wenigen Tagen sind die Kinder wieder gesund. Es gibt aber auch andere Fälle: 13- und 14-Jährige mit einem schweren Verlauf und starkem Lungenbefall, starker Intoxikation, anhaltendem Fieber.
Ein spezielles Covid-19-Symptom für alle Kinder gibt es nicht. Man sollte alarmiert sein, wenn Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Lichtphobie, Kopfschmerzen, andauerndes Fieber vorkommen. Der Arzt wird dann entscheiden, ob es Covid-19 sein könnte, ob das Kind ins Krankenhaus eingeliefert und zusätzlich untersucht werden muss.
Wird die Diagnose per PCR-Test erstellt?
Natürlich wurde bislang keine genauere Methode erfunden. Antikörper eignen sich nicht für eine Frühdiagnose. Es dauert ein bisschen, bis sie sich bilden. Jetzt gibt es auch Antigen-Schnelltests, bei denen man wie beim PCR-Test einen Nasenabstrich nimmt. Sie sind zwar empfindlich, aber reichen nicht aus, um eine endgültige Diagnose zu erstellen. In Moskau werden zum Beispiel alle Patienten mit Erkältungssymptomen einem Antigen-Schnelltest unterzogen. Bei einem positiven Ergebnis wird ein PCR-Test gemacht – ist er negativ, wird das Kind wie ein Patient mit saisonaler Erkältung behandelt.
Krankes Kind (Symbolbild) - SNA, 1920, 04.08.2021
Studie: Kinder mit Covid-19 im Durchschnitt nach sechs Tagen gesund
Wie läuft die Computertomographie (CT) bei Kindern ab? Ab welchem Alter? Was ist, wenn auf dem Computertomogramm eine geschädigte Lunge zu sehen ist und der PCR-Test negativ ist?
Eine Computertomographie kann für alle gemacht werden, auch für Säuglinge, da gibt es keine Gegenanzeige hinsichtlich des Alters. Bei Fieber und einem schlechten Allgemeinzustand, etwa Husten am Tag der Erkrankung und einer Covid-19-Erkrankung eines Familienmitglieds, schicken wir das Kind zur CT. Wenn Schatten auf zehn Prozent der Lungen zu sehen sind und der PCR-Test dabei negativ ist, dann liegt die Diagnose auf der Hand: „Covid-19, Virus nicht identifiziert“.
Ein anderer Fall: keine Anamnese, Erkrankung seit einigen Tagen, PCR-Test negativ, doch Schatten auf dem CT-Bild. Dann wird das Kind in der Regel als Corona-Patient behandelt, weil das Risiko eines schweren Verlaufs besteht. Wenn die Viruspneumonie anderer Natur ist, wird sie nicht gefährlicher als bei Covid-19 sein.
„Der schwerste Fall eines Patienten in unserem Krankenhaus in Lapino war mit CT-2 und CT-3 – da sind 50 Prozent der Lungen geschädigt.“
Wodurch unterscheiden sich die Behandlungen beim Alter der Kinder?
In der ambulanten Phase sind die Behandlungen ähnlich. In der Regel sind es Interferonen in nasaler und rektaler Form, viel Wasser, Entfieberung. Bei einem mittelschweren Verlauf auch antibakterielle Therapien und weitere Untersuchungen, um das Erkrankungsbild zu verstehen und eine Prognose zu machen. Ansonsten werden Kinder mit einem milden bzw. unausgeprägten Verlauf gleich behandelt, die Unterschiede sind mit Altersbeschränkungen bezüglich der Medikamente und individuellen Besonderheiten des Körpers verbunden. Kindern in den ersten Lebensjahren dürfen keine Sprays verabreicht werden, es werden Tropfen angewendet.
Meistens ist bei Kindern etwa zwei Tage lang Fieber zu beobachten, und das war’s, dann sieht es wieder gesund aus. Doch es gibt Details. Kinder können das Virus lange sekretieren. Auch bei einem unausgeprägten Verlauf kann ein PCR-Test bis zu zwei Wochen positiv bleiben. Deswegen müssen Kinder mit bestätigter Covid-19-Infektion 14 Tage in Quarantäne gehen.
Erklären Sie uns bitte das Multi-System-Syndrom bei Kindern, das dem Kawasaki-Syndrom ähnlich ist. Viele haben Angst davor.
Es geht um autoimmune System-Vaskulitis – eine Erkrankung, die durch das Immunsystem ausgelöst wurde, die zur Entzündung der kleinen Blutgefäße führt. Nach der Entstehung ähnelt sie dem Kawasaki-Syndrom, doch ohne Entzündung der Gefäße, die die Muskelwand des Herzens – Myokard – versorgen. Es entwickelt sich gewöhnlich zwei bis acht Wochen nach der Genesung von Covid-19. Allmählich treten Müdigkeit, erhöhte Temperatur und Hautausschlag auf. Innerhalb von vier bzw. fünf Tagen nehmen die Symptome zu. Beim Kawasaki-Syndrom verläuft das alles langsamer.
Der Zustand des Kindes sollte nach der Erkrankung sehr aufmerksam verfolgt werden. Wenn es sich nicht wohlfühlt und am nächsten Tag die Temperatur steigt, sollte dringend der Arzt gerufen werden. Er entscheidet dann, ob eine Blutprobe bezüglich der Entzündungen genommen werden muss. Bei einem Multi-System-Syndrom verstärken sich alle nicht-spezifischen Veränderungen im Blut – С-reaktives Protein, Interleukin, BSG, Procalcitonin. Wie bei Meningitis. Zugleich gibt es kein Herdgeschehen wie die Entzündung der Nieren, Angina, Pneumonie. Schuld daran ist ausschließlich das Coronavirus, bei dem sich Antikörper bilden, die eine Entzündung einleiten.
Bei Erwachsenen kommt das Multi-System-Syndrom nicht vor, doch wegen der Immunreaktion treten andere Probleme auf – das Coronavirus trifft verschiedene Systeme des Körpers, es entstehen verschiedene Störungen, darunter bei der Blutgerinnung, neurologische Probleme, Verschlechterung des Gehörsinns bzw. der Sehstärke.
Das Multi-System-Syndrom wird erfolgreich behandelt, es ist umkehrbar. Das Kind befindet sich im Krankenhaus nicht länger als zwei Wochen. Am schwierigsten ist die Diagnostik. Wenn man es mit etwas zu tun hat, was jenseits der verbreiteten Krankheiten, eindeutiger Entzündungsherde ist, denkt man sofort an das Multi-System-Syndrom, und das Kind wird ins Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte vor allem diese Post-Covid-Komplikationen ausschließen sollten.
Ist eine Rehabilitation für Kinder nach einer Covid-19-Erkrankung notwendig? Gibt es eine postambulante Kontrolle?
Wenn das Kind einen schweren Lungenbefall erlebt hat, ist natürlich eine Rehabilitation nötig, um den Körper zu stärken. Training, medikamentöse Therapie zur Wiederherstellung der Stoffwechselvorgänge und Physiatrie. Jene, die das Multi-System-Syndrom hatten, werden drei Monate ambulant beobachtet.
Bei einem milden Covid-19-Verlauf brauchen Kinder das im Prinzip nicht. Was einzelne Spätfolgen betrifft, beobachten wir unsere ersten Patienten innerhalb des Jahres und haben bis dato nichts Besonderes bemerkt. Ich sage das natürlich mit der gebotenen Vorsicht. Jene, die bei uns ambulant mit anderen Diagnosen behandelt werden, werden von uns natürlich regelmäßig untersucht. Kinder, die bei uns im Krankenhaus behandelt wurden, werden von uns angerufen, wir fragen, wie es ihnen geht.
Haben Sie Informationen über russlandweite Zahlen zu den Covid-19-Infizierungen bei Kindern? Gibt es einen Moskauer bzw. Anti-Covid-19-Stab für ganz Russland für Kinder? Wie werden Kenntnisse und Erfahrungen zu diesem Thema ausgetauscht?
Es gibt die allgemeinen Statistiken über die Infizierungen. Doch meines Erachtens sollte man sich besser nach den Zahlen der Hospitalisierung richten. Sie zeigen den Anstieg der Welle, die Belastung des Gesundheitssystems, des medizinischen Personals. Darauf kann man sich auch bei den Prognosen stützen. Nach meinen Daten ist die Zahl der Anrufe, der Hospitalisierungen von Kindern und schwerer Fälle stark gesunken. Während wir in der ersten und zweiten Welle zwei Patienten mit Multi-System-Syndrom behandelten, waren es in den vergangenen Monaten rund 20 Patienten.
Wir arbeiten eng mit dem Moskauer Baschljaewa-Kinderkrankenhaus zusammen, das als erstes an Covid-19 erkrankte Kinder aufnahm. Dort gibt es einen Lehrstuhl für Pädiatrie, wir treffen uns zu Konsultationen.
Können Sie bitte Eltern noch Ratschläge geben, wie man die Immunität des Kindes stärkt, damit es nicht am Coronavirus erkrankt, und wenn doch, es möglichst unversehrt übersteht?
Der Verlauf der Erkrankung hängt in vielerlei Hinsicht mit der Virusbelastung zusammen. Je größer die Virusdosis ist, desto schwerer ist der Verlauf der Erkrankung. Deswegen sollte man sich lieber von Orten mit vielen Menschen – Einkaufszentren, Massenveranstaltungen – fernhalten. Auch eine genetische Disposition spielt eine Rolle. Das ist besonders bei Familien gut zu sehen, wo alle Familienmitglieder, darunter junge, einen schweren Verlauf haben. Es hängt nicht davon ab, ob sie das ganze Leben trainiert, Vitamine, Echinacea und andere Nahrungsergänzungsmittel eingenommen haben.
Allgemeine Empfehlungen: viel Wasser trinken, die Wohnung regelmäßig lüften, Spaziergänge, den Körper abhärten. Es wäre gut, potenziellen Trägern der Infektion weniger zu begegnen, doch bei Kindern ist das ziemlich schwierig. Schutzmasken bei Kindern unter fünf Jahren nützen nichts und sind sogar schädlich wegen Besonderheiten ihres Alters. Auch die Maskenpflicht, das Abstandhalten auf dem Spielplatz und in der Schule sind kaum einzuhalten. Dennoch sollte dies gerade im Kindesalter beigebracht werden.
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