Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Schuldlos schuldig? Polizei verwechselt Mann – und steckt ihn in Psychiatrie

© CC0 / Pixabay/succoGericht (Symbolbild)
Gericht (Symbolbild) - SNA, 1920, 07.08.2021
Abonnieren
2017 verhaftete die Polizei von Honolulu den Obdachlosen Joshua Spriesterbach und steckte ihn über zwei Jahre in die Psychiatrie – weil sie ihn für einen Mann hielt, der wegen Verstoß gegen seine Bewährungsauflagen gesucht wurde. Erst 2019 kam der Stein ins Rollen – und die Wahrheit ans Licht. Darüber berichtet die US-Zeitung „The New York Times“.
Der heute 50-jährige Joshua Spriesterbach holte sich dem Blatt zufolge im Mai 2017 Essen in einer Schlange vor einem Obdachlosen-Zentrum in Honolulu. Etwas später schlief er unbekümmert vor dem Gebäude auf der Straße ein, bis ihn wenige Minuten später ein Polizist wachrüttelte.
Anfangs nahm Joshua Spriesterbach an, dass der Grund für die darauffolgende Verhaftung sei, dass er auf dem öffentlichen Platz schlief. Auf dem Polizeirevier wurde klar, dass der Polizist ihn für einen Mann namens Thomas Castleberry gehalten hatte, nach dem wegen eines Drogenfalls von 2006, und zwar wegen Verstoß gegen seine Bewährungsauflagen, gefahndet wurde. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung soll Spriesterbach keine Ausweispapiere dabei gehabt haben, um seine wahre Identität zu bestätigen.
Alle Versuche, seine Unschuld zu beweisen, fielen letzten Endes einer nach dem anderen ins Wasser – und der Mann wurde in eine psychiatrische Station eines Krankenhauses verlegt. Niemand, weder vom Personal noch von der Polizei, kam auf die Idee, seine Identität zu überprüfen: Weder Fingerabdrücke noch Gesicht wurden mit dem wahren Täter verglichen. Darüber hinaus soll er von einer Reihe von Anwälten vertreten worden sein – auch diese glaubten ihm nicht, als er sagte, er sei nicht Mr. Castleberry.
Je mehr sich der Mann wehrte und seine Unschuld beteuerte, desto mehr hielt ihn die Polizei für krank. Auch Ärzte der Anstalt stuften Spriesterbach als wahnhaft und psychotisch ein und verabreichten ihm Medikamente dagegen.
Über zwei Jahre saß der unschuldige Spriesterbach in der geschlossenen Anstalt, bis einer seiner Psychiater 2019 seine Geburtsurkunde erhieltund dem Anwalt des Spitals bestätigte, dass er tatsächlich nicht der gesuchte Mr. Castleberry war.
Später stellte sich heraus, dass der wahre Täter Thomas Castleberry seit 2016 im Gefängnis in Alaska saß. 2020 wurde Spriesterbach entlassen – ohne jemals wenigstens eine Entschuldigung von der Polizei oder der Anwaltschaft bekommen zu haben. Geschweige denn eine Entschädigung.
Ein Polizeiwagen in Rom - SNA, 1920, 07.08.2021
70-jährige mutmaßliche Mafia-Chefin in Rom festgenommen
Die Organisation Hawaii Innocence Project, die sich für Gerechtigkeit einsetzt und den Fall von Spriesterbach publik machte, stellte fest:
„Es ist kein Wunder, dass man ihm Medikamente gab. Er befand sich nach dem Druck des Verhörs in einem schlechten Zustand und war erschöpft“.

„Er will nicht woanders hin gehen“

Die Schwester von Spriesterbach teilte dem Blatt mit, dass ihr Bruder 2003 zusammen mit ihrer Familie nach Hawaii gefahren sei und sie ihn später aus den Augen verloren habe. Als sie aufs Festland zurückwollten, war er nirgends zu sehen.
Er traf sich erst mit seiner Schwester wieder, nachdem er im Januar 2020 aus dem Obdachlosenheim entlassen worden war, von wo er seine Familie angerufen hatte. Die Schwestererinnerte sich unter Tränen an das erste Mal, als sie ihren Bruder nach so vielen Jahren am Flughafen sah.
Die Schwester brachte ihn eigenen Angaben zufolge nun zu sich nach Vermont, wo sich sie und ihr Mann um den Bruder kümmern. Aber er fühle sich dort immer noch nicht sicher:
„Er geht nach draußen und läuft auf dem Grundstück herum“, sagte sie und fügte gleich hinzu, „aber er will nicht woanders hin gehen, weil er Angst hat, dass überall, wo wir hingehen, Polizisten sein könnten.“
Heute verbringe er seine Tage damit, Bassgitarre zu lernen und fernzusehen, bestätigte die Schwester. Sie sagte, ihr Bruder werde immer ein Zuhause bei ihrer Familie haben, damit er nie wieder obdachlos sein müsse.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала