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Radrennen auf der „Blutstraße“ – Zentralrat der Juden und Gedenkstätte Buchenwald empört

CC BY-SA 4.0 / Tsungam / Wikimedia Commons (cropped)Blutstraße am Ettersberg bei Weimar; die Straße führt zum ehemaligen KZ Buchenwald und wurde von Lagerhäftlingen gebaut; Straßeneinfahrt mit Denkmal für Henri Manhès
Blutstraße am Ettersberg bei Weimar; die Straße führt zum ehemaligen KZ Buchenwald und wurde von Lagerhäftlingen gebaut; Straßeneinfahrt mit Denkmal für Henri Manhès - SNA, 1920, 04.08.2021
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Das diesjährige Radrennen „Deutschland-Tour“ soll offenbar an der KZ-Gedenkstätte Buchenwald vorbeiführen, ist der Webseite der Veranstaltung zu entnehmen. Die Gedenkstättenleitung und der Zentralrat der Juden kritisierten gegenüber Medien die Planung.
Der Wettbewerb findet vom 26. bis 29. August statt. Die Strecke führt von Stralsund nach Nürnberg – unter anderem über Thüringen. Das veröffentlichte Höhenprofil für die 2. Etappe der „Deutschland Tour“ erwähnt auch die Gedenkstätte Buchenwald als einer der Punkte zwischen Sömmerda und Weimar. Laut Medien soll das Rennen über die sogenannte Blutstraße bei Buchenwald führen, die etwa fünf Kilometer lange Zufahrtsstraße zum ehemaligen Lager, die Häftlinge damals bauen mussten.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland sei „ebenso empört wie fassungslos“ angesichts der Pläne des Sportveranstalters, schreibt am Mittwoch die „Jüdische Allgemeine“. Demnach möchte der Zentralratspräsident Josef Schuster den Veranstalter nun zu einer Änderung der Etappenroute bewegen.
„Bei der Planung der Strecke haben sowohl Verantwortliche der Stadt Weimar als auch der Veranstalter jegliches Gespür für die Geschichte vermissen lassen“, zitiert das Blatt Schuster.
Wie Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, gegenüber der Zeitung bekanntgab, sei die Gedenkstätte vorab nicht in die Planung der Etappe einbezogen worden.
„Das Event geht über die Blutstraße vorbei an Massengräbern und Mahnmal.“
Es reiche der gesunde Menschenverstand, dass das nicht der richtige Ort dafür sei, so Wagner. Thüringens Innenminister Georg Maier forderte am Mittwoch auf Twitter eine Verlegung des Tourabschnitts am Ettersberg bei Weimar.
„Die ‚Blutstraße‘ ist kein Ort für eine Sportveranstaltung.“
Der Tour-Veranstalter soll den Streckenverlauf verteidigt haben. Die Tour präsentiere die „natürliche, kulturelle und historische Vielfalt der Republik“, zitiert die „Bild“-Zeitung den Organisatoren. Dass die Strecke an der Gedenkstätte vorbeiführe, entspreche diesem Anspruch. Für den Veranstalter sei es international ein großes Anliegen, unter jungen Athleten Anlässe für eine bewusste Erinnerung zu schaffen.
Benutzer sozialer Netzwerke reagierten gespalten auf die geplante Fahrradtour. Während einige sich empört zeigten, fragten andere, ob eine Sportveranstaltung nicht ein gutes Zeichen der Völkerverständigung sei.
Die Stiftung Gedenkstätten hatte im Januar ihre Sicherheitskräfte verstärken müssen, nachdem Winterausflügler im Bereich des Konzentrationslagers und der umliegenden Friedhöfe mehrfach Schlitten gefahren sein sollen. Die Gedenkstätte bat, die Würde der Toten zu wahren.
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Im Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar und in seinen Außenlagern waren zwischen 1937 und 1945 fast 280.000 Menschen inhaftiert. Insgesamt kamen mehr als 56.000 Männer, Frauen und Kinder in den Lagern Buchenwald und Mittelbau-Dora durch die Nationalsozialisten zu Tode. Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers wurde 1958 die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eröffnet.
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