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Bratwurst als Impfanreiz: Verhaltensökonom erklärt Erfolg von Thüringen

© AFP 2021 / JENS-ULRICH KOCHDas Bild vom 9. April 2018 zeigt eine Kanone in Form einer Thüringer Rostbratwurst im Brötchen auf dem Gelände des Deutschen Bratwurstmuseums in Holzhausen bei Arnstadt, Thüringen.
Das Bild vom 9. April 2018 zeigt eine Kanone in Form einer Thüringer Rostbratwurst im Brötchen auf dem Gelände des Deutschen Bratwurstmuseums in Holzhausen bei Arnstadt, Thüringen.  - SNA, 1920, 03.08.2021
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Abschaffung von Gratistests, Impfzwang: während Berlin Leute mit radikalen Methoden von einer Corona-Impfung zu überzeugen versucht, setzt das thüringische Sonneberg auf eine drei Euro teure Bratwurst – und hat Erfolg. Woran liegt das? Der Verhaltensökonom Prof. Dr. Stephan Buchhester erklärt – und widerspricht dabei dem Politikberater Erik Flügge.
Die Bratwurst-Aktion hat Sonneberg am Freitag gestartet – und hatte bis zum Nachmittag nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) schon 250 Menschen zu einer Corona-Impfung angelockt – während ansonsten in der Impfstelle durchschnittlich nur bis zu 140 Impfungen am Tag verabreicht werden. Die Politik hat den Bratwurst-Effekt als klaren Erfolg gefeiert – und forderte auf, dass „lebensnahe Angebote“ zur Impfkampagne gehören sollen. Wie etwa in den USA mit den Burgern und Pommes vor einigen Monaten.
Doch wird so etwas auch in anderen Bundesländern außer Thüringen gehen? Der auf Twitter populäre Politikberater Erik Flügge stellte die Version in den Raum, dass der Bratwurst-Effekt an Entscheidungsmechanismen ärmerer Familien liege. „Ärmere Menschen sind nicht immer dümmer als ihr, sie entscheiden nur anders“, schrieb Flügge dazu. „Man will sich impfen lassen, muss aber auch eigentlich mit hohem Zeitaufwand günstig einkaufen, und zum Impfen muss man Bustickets kaufen. So geht die Kalkulation nicht auf. Die Bratwurst-Idee ändert das. Hier heißt die Rechnung: Bratwurst = gespartes Mittagessen + was Besonderes für die Kinder + endlich auch geimpft = hingehen“, behauptete Flügge. Doch muss man davon unbedingt ableiten, dass solch ein Angebot sich nur an arme Leute wendet?

Einkommen der Menschen nicht entscheidend?

Der Verhaltensökonom Prof. Dr. Stephan Buchhester vom Institut für Verhaltensökonomie im sächsischen Markkleeberg bietet hier eine andere Erklärung. Aus seiner Sicht hat die Wirksamkeit der Bratwurst-Aktion eher weniger mit dem Einkommen der Bevölkerung zu tun.
„Vielmehr tauschen wir eine konkret Aktion ‘Ich lasse mich Impfen’ gegen einen konkreten sofort einlösbaren Gewinn: ‘Bratwurst’“, erklärt er gegenüber SNA. „Das ist viel klarer vorstellbar als der Tausch einer konkreten Aktion ‘Ich lasse mich Impfen’ gegen ein abstraktes, dann bestenfalls eben NICHT eintretendes Ereignis, wenn die Impfung wirkt.“
Dazu komme, so Buchhester weiter, dass der kommunizierte Gewinn durch die Impfung durch die vielen verschiedenen Meinungen zu dem Thema auch deutlich geschmälert wird. Das Prinzip „konkret gegen konkret“ funktioniere dagegen aber immer besser als „konkret gegen abstrakt“ – völlig unabhängig vom Bundesland. „Darum ist ja auch die Wechselbereitschaft bei Versicherungen kurz vor dem Zahltermin so groß – weil ich ein konkretes Gut ‘Geld’ gegen einen abstrakten Schutz eintausche“, begründet der Experte. „Da will jeder so wenig Geld wie möglich hingeben.“
Impfung (Symbolbild) - SNA, 1920, 03.08.2021
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„Das Deutscheste“ seit langem?

Gerade am Wochenende wurde die Aktion von Sonneberg heiß auf Twitter diskutiert. „Stell Dir vor, Du bist Top-Virologe an der Charité Berlin und leistest seit Monaten Aufklärungsarbeit zum Thema Impfungen, aber am Ende werden die Menschen durch eine Bratwurst überzeugt“, schrieb etwa die Nutzerin Ann Wältin.
„Wollte mich heute eigentlich endlich impfen lassen, aber die Bratwurst ist aus Schweinefleisch. So haben wir keinen Deal“, scherzte auch der Nutzer Manaf Hassan.
„Sich impfen lassen, weil man dafür ´ne Bratwurst bekommt, ist wirklich das Deutscheste, was ich seit langem gehört habe“, resümierte seinerseits der Nutzer Lucas.
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