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Beim Klimaschutz gibt es keine politische Strategie – Präsident des Oeschger-Zentrums

CC BY 2.0 / University of Exeter / Wikimedia CommonsPräsident des Oeschger-Zentrums Thomas Stocker
Präsident des Oeschger-Zentrums Thomas Stocker - SNA, 1920, 30.07.2021
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Der Professor für Klima- und Umweltphysik von der Universität Bern Thomas Stocker sieht beim Klimaschutz keine politische Strategie. Die Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels müssen auf ein Maß begrenzt werden, an das die Menschen und Ökosysteme sich anpassen können, so der Präsident des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung im SNA-Interview.
Europa hat schreckliche Hochwasser-Katastrophen erlebt. Auch in der Schweiz haben am Wochenende weitere Unwetter durch Starkregen und Hagel schwere Schäden verursacht. Herr Stocker, was ist die Ursache für solche Erscheinungen – ist es das Wetter oder das Klima?
„Das Wetter, das ist ganz klar, hat die Schäden verursacht. Zweiter Punkt – fehlende Prävention. Also, man hat die Hochwasser gehabt, aber nicht in dieser Stärke. Wenn die Prävention mit einer Sicherheitsmarge eben stattgefunden hätte, dann wären die Schäden nicht so ausgefallen, wie sie ausgefallen sind. Die Frage ist letztendlich, sind diese Wetterphänomene, die wir hier beobachten, verursacht bzw. verstärkt durch den Klimawandel? Und, dass sie verstärkt sind durch den Klimawandel, das ist recht eindeutig auf jeden Fall bei den Hitzewellen. Für die Starkniederschläge ist ebenfalls die Klimaerwärmung ein wichtiger Treiber, diese Starkniederschläge stärker und häufiger auftreten zu lassen. Zusammenfassend kann man Folgendes sagen: Das, was wir in diesen letzten Monaten rund um den Globus erlebt haben, wäre nie in dieser Stärke aufgetreten, wenn die globale Erhitzung von bereits 1,2 Grad im weltweiten Mittel, und in unseren Breiten, beispielsweise in der Schweiz, von zwei Grad Celsius nicht stattgefunden hätte.“
Wie müssen die Menschen damit umgehen und sich vor solchen extremen Wetterereignissen schützen? Erstens, die Erwärmung stoppen, wie im Pariser Abkommen von 2015 beschlossen worden ist?
„Die Pariser Vereinbarung haben alle Länder unterzeichnet und ratifiziert. Das ist genau das Ziel vom Pariser Abkommen, dass die Auswirkungen des menschgemachten Klimawandels auf ein Maß limitiert werden, woran wir uns anpassen können, und zwar nicht nur wir, sondern auch Ökosysteme sich anpassen können. Das ist das Ziel von Paris und das ist genau das, was gemacht werden muss.“
Überschwemmung in Deutschland - SNA, 1920, 23.07.2021
Hochwasser in Deutschland
Flutkatastrophe in Deutschland: Folge der Erderhitzung?
In der Schweiz haben sich in den Alpen innerhalb von zehn Jahren 180 neue Seen durch das Abschmelzen der Gletscher gebildet. Das teilte das Wasserforschungsinstitut EAWAG (Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz) mit. Dabei wurde betont, das Abschmelzen der Berggletscher sei „ein sichtbarer Beweis für den Klimawandel“. Welcher Meinung sind Sie dazu?
„Die Gletscherseen sind eine Manifestierung, aber sind sicher nicht das Beweisstück, das wir benötigten, um zu sagen, dass dieser Rückzug der Gletscher durch den Klimawandel erfolgt ist. Das wussten wir schon vorher. Das ist bereits seit einigen Jahren deutlich und klar, dass dieser rasante Rückzug der Gletscher im Alpenraum durch die Erwärmung verursacht ist. In der Schweiz beträgt die Erwärmung bereits zwei Grad Celsius gegenüber der Temperatur, die vor 120 Jahren geherrscht hat, also zu Beginn des 20. Jahrhunderts – eine große, eine verstärkte Erwärmung mit den entsprechenden Konsequenzen. Wir sehen nun, dass diese Seen als Folge des Abschmelzens und des Rückzuges entstehen, was zwei Effekte hat. Auf der einen Seite, können schnelle Entleerungen durch Brüche von lockerem Moränenmaterial auftreten. Das heißt, man muss sich dort schützen, an eine neue mögliche Situation des Wasserabflusses in der Umgebung der Gletscher anpassen. Und das zweite ist, dass das hydrologische Regime der Schweiz durch das Entstehen dieser Seen ebenfalls verändert wird. Das hydrologische Regime ist wichtig für Tourismus, Trinkwasser, Reserven und für die Elektrizitätsproduktion. Also, das hat umfassende Konsequenzen, an die sich die Schweiz anpassen muss und die man direkt als Kosten, verursacht durch den menschgemachten Klimawandel, ausweisen kann.“
Kann man die Gletscher vielleicht irgendwie schützen?
„Ja, da gibt es punktuelle Vorschläge, aber meiner Meinung nach ist das alles im wesentlichen nutzlos, weil die einzelnen Flächen, die da abgedeckt werden, vielleicht eine Passage in einem Skigebiet vor dem Schmelzen bewahren könnten, aber nicht dieses Schmelzen um einige Jahre verzögern. Wie gesagt, das ist eine Symptombekämpfung und für mich ein klares Manifest, wie hilflos solche Aktionen überhaupt sind.“
Welche Botschaft geht heute von Ihnen an die Politik?
„Die Botschaft ist, dass wir aus der Schweiz sicher nicht gut unterwegs im Klimaschutz sind. Wir hatten die Abstimmung über die Revision des CO2-Gesetzes, die am 13. Juni abgelehnt worden ist. Das bedeutet, dass wir im gesamtschweizerischen Klimaschutz um Jahre zurückgeworfen werden, dass wir im Moment keine politische Strategie haben, wie wir die Verpflichtungen wie des Pariser Abkommens eingehen können.“
Danke für Ihre Einschätzung, Herr Stocker.
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