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„Wäre legitim, Ungeimpfte nicht zum Konzert zuzulassen“: Berliner Veranstalter irritiert im Gespräch

© AFP 2021 / JOHN MACDOUGALLZuschauer besuchen am 26. Juni 2021 das letzte Konzert der Berliner Philharmoniker in dieser Saison in der Waldbühne in Berlin am 26. Juni 2021. Symbolfoto
Zuschauer besuchen am 26. Juni 2021 das letzte Konzert der Berliner Philharmoniker in dieser Saison in der Waldbühne in Berlin am 26. Juni 2021. Symbolfoto - SNA, 1920, 28.07.2021
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Wenn keine Impfpflicht, so wenigstens dauerhafte Einschränkungen für Ungeimpfte – das wird in Deutschland weiter diskutiert. Es betrifft vor allem Konzerte und Großveranstaltungen. Auch der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft stellt sie ab Ende September in Aussicht. Wären sie legitim?
SNA hat das Thema mit dem Vorstand der Interessengemeinschaft Berlin-Brandenburger Schausteller, Thilo-Harry Wollenschlaeger, diskutiert.
Herr Wollenschlaeger, müssen bald alle, die ein Konzert besuchen wollen, geimpft sein? Der Präsident des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow, meinte neulich, um Veranstaltungen ohne Abstandsregeln durchführen zu dürfen, könnten die Veranstalter bald auch negativ getesteten, nicht geimpften Menschen den Zugang verweigern.
Man hat ja im Vorfeld immer gesagt, es wird keine Impfpflicht geben, und ich glaube, daran würde man festhalten. Andererseits ist es wichtig, dass wir zu unserem normalen Leben zurückkommen, insbesondere auch im Veranstaltungsbereich. Wenn man eine Veranstaltung in der Innenstadt macht, muss man alles kontrollieren: abzäunen oder gegebenenfalls Einlassschleusen bauen. Und das ist alles sehr schwierig. Ich hoffe, dass wir bald eine Herdenimmunität haben und zu unserem normalen Leben zurückkehren.
Aber was meinen Sie mit einem normalen Leben? Dass alle Veranstaltungen auch bei steigenden Zahlen möglich sind? Dass alle Menschen sie besuchen dürfen?
Im Augenblick sind in Berlin Veranstaltungen mit bis 750 Personen ungeimpft und ungetestet möglich, bis 2000 dann geimpft oder getestet. Mit der Corona-App oder der Luca-App mit Einlasskontrollen. Aber dieses ist natürlich alles mit einem enormen Aufwand verbunden. Und ich hoffe, dass sich viele Menschen impfen lassen und dass wir zur Normalität zurückkehren.
Man muss natürlich akzeptieren, wenn Menschen sich nicht impfen lassen möchten. Aber man fragt sich als privater Veranstalter auch: Inwieweit mache ich Corona-Auflagen? Ich sage, wenn ich privat eine Veranstaltung organisiere, dürfen zu dieser Veranstaltung nur Geimpfte rein. Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, werden über kurz oder lang im privaten Bereich Nachteile haben.
Wäre das eine legitime Entscheidung von Ihnen oder doch eine Diskriminierung von Ungeimpften?
Das wäre vollkommen eine legitime Veranstaltung. Die Argumentation könnte ja auch sein: Ich möchte nicht, dass sich jemand hier ansteckt, jemand krank wird auf meiner Veranstaltung. Oder man sagt halt: Auch durch das Impfen wird der Krankheitsverlauf nicht so schwerwiegend sein, um letztendlich auch Sterbefälle zu verhindern. Und es ist auch das gute Recht der Veranstalter, dieses zu verlangen.
Es hat aber zuvor mit den Tests gut funktioniert, oder? Warum werden die negativ Getesteten jetzt in der Diskussion nicht den Geimpften gleichgesetzt?
Wenn ich nur getestet bin, dann nehme ich halt in Kauf, dass ich krank werde. Dann kann ich auch einen schweren Krankheitsverlauf haben. Was ich noch als Problem sehe: Es wird wirtschaftlich keine Dauerlösung sein, dass der Staat permanent kostenlose Test anbietet. Und deswegen sehe ich diese Testsache dahingehend kritisch. Wenn später vielleicht jeder seinen Test immer selber bezahlen werden müsste, wird sich vielleicht die gesamte Situation auch noch einmal verändern.
Also: Sich impfen lassen oder diskriminiert werden?
Ich sehe das persönlich nicht als Diskriminierung. Es ist eine Sache eines jeden privaten Veranstalters, diese Entscheidung nachher auch zu fällen. Das ist auch legitim. Das ist ja wie bei einigen Fluggesellschaften, die sagen, wir nehmen jetzt nur noch Geimpfte mit. Es gibt ja mittlerweile auch einen Gedankensprung. Es gibt ja auch Hotelzimmer etwa für Nichtraucher. Wenn ich Raucher bin, werde ich dann ausgegrenzt oder diskriminiert? Das mag ich nicht zu beurteilen. Aber ich hoffe, dass die Bereitschaft noch weiter zunimmt, dass wir letztendlich diese Krise in den Griff kriegen.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Innenminister Horst Seehofer nehmen am 21. Juli 2021 in Berlin an einer Pressekonferenz zur Corona-Pandemie teil. - SNA, 1920, 26.07.2021
Nach Braun und Baerbock: Auch Seehofer erwartet Einschränkungen für Ungeimpfte
Wie wäre es aber mit Kindern, für die es in Deutschland keine allgemeine Impfempfehlung gibt? Die Politiker wollen sie aber auch impfen. Dürfen dann nur geimpfte Kinder zu Veranstaltungen?
Nein, absolut nicht. Man hat ja gesehen – auch bei den vielen Todesfällen, die wir zu verzeichnen hatten –, dass es überwiegend Schwächere waren, ältere Menschen, die Vorerkrankungen hatten. Und solange Kinder keine Vorerkrankungen haben, würde ich mich nicht dafür aussprechen, dass Kinder generell geimpft werden sollen.
Thilo-Harry Wollenschlaeger ist Betreiber des gleichnamigen Schaustellerbetriebs Thilo-Harry Wollenschlaeger e. Kfm. und Schausteller in der fünften Generation.
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