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Nach heftigem Unmut: Baerbock entschuldigt sich für N-Wort in Interview

© REUTERS / ANNEGRET HILSEGrüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock spricht während ihrer Buchpräsentation in Berlin, Deutschland, 17. Juni 2021.
Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock spricht während ihrer Buchpräsentation in Berlin, Deutschland, 17. Juni 2021. - SNA, 1920, 26.07.2021
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In einem Gespräch bei „Tachles Arena“ über Antisemitismus und Rassismus hat die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, zufällig das Wort „Ne**r“ voll ausgesprochen, statt es mit dem N-Wort zu ersetzen. Nach der weitgehenden Kritik in den sozialen Netzwerken hat sie sich nun entschuldigt.
„Das war falsch, und das tut mir leid“, schrieb Baerbock am Sonntag auf Twitter. Denn sie wisse ja um den rassistischen Ursprung dieses Wortes und die Verletzungen, die Schwarze Menschen unter anderem durch es erfahren. In mehreren weiteren Tweets erklärt Baerbock, man habe das N-Wort in der Auszeichnung dann gemutet, also stummgeschaltet. Für sie sei klar, dass man immer und überall gegen Rassismus vorgehen müsse.
In dem betreffenden Abschnitt des Interviews spricht Baerbock Antisemitismus und Rassismus vor allem in Schulen an. Dabei erzählt sie vom Sohn einer Bekannten von ihr, der eine Bildergeschichte zu einem Arbeitsblatt schreiben sollte, auf dem das N-Wort stand. Doch statt es als N-Wort zu bezeichnen, sprach sie das Wort „Ne**r“ aus.
Der Schüler, von dem Baerbock erzählte, habe sich dann geweigert, diese Aufgabe zu erfüllen, die mit dem N-Wort eingeleitet wurde. Daraufhin wurde ihm vorgeworfen, er störe den Schulunterricht. „Er war also plötzlich der Schuldige und nicht diejenigen, die solches Lehrmaterial erstellt hatten“, erklärte Baerbock auf Twitter. Zur Verwendung des N-Wortes schrieb die Grünen-Politikerin noch separat, dieser Vorfall wühle sie noch heute auf. „Leider habe ich in der Aufzeichnung des Interviews in der emotionalen Beschreibung dieses unsäglichen Vorfalls das N-Wort zitiert und damit selbst reproduziert“, so Baerbock.
Zur geforderten Kürzung des Interviews schreibt sie: „Während der Aufzeichnung ist mir das bewusst geworden. Deshalb haben wir mit dem Zentralrat abgewogen, ob das eindringliche Beispiel geeignet ist, auf die Missstände auch im Bildungsbereich hinzuweisen, oder ob die Aussprache des N-Wortes genau dieses Anliegen konterkariert.“

Viel Kritik auf Twitter

Die Entschuldigung kam womöglich als Reaktion auf die vielen kritischen Tweets. „Grüne machen sich lächerlich und wollen jetzt ihre eigene Vorsitzende zensieren, weil sich niemand mehr in den Regeln der Sprachpolizei zurechtfindet“, schrieb da etwa ein Twitter-Nutzer. Zuvor wurde berichtet, dass die Grünen das Interview von Baerbock erst einmal kürzen wollten. Andere Nutzer warfen Baerbock Heuchelei mit Blick auf ihre Kritik am Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (ebenfalls Grüne) vor.
Palmer hatte zuvor das N-Wort im Zusammenhang mit dem Ex-Fußball-Nationalspieler Dennis Aogo genutzt – ironisch gemeint, wie er dann erklärte.
Zwar gibt es keine zentrale Entscheidung eines zuständigen Organs, ob die Verwendung des Worts „Ne**r“ in allen Fällen als eindeutig rassistisch eingestuft wird. Jedoch wurde in vielen Medien eine Einigung darüber erzielt, dass es nicht direkt ausgesprochen werden darf, weil es schwarze Menschen rassistisch beleidigen könnte. Stattdessen benutzt man die neutrale Bezeichnung „N-Wort“. Jedoch wird in der Diskussion um die Verwendung des Wortes auch die Meinung vertreten, dass auch der Kontext zähle.
„Könnte man in der N-Wort-Debatte wieder darauf abstellen, in welchem Kontext, zu welcher Zeit, mit welcher Motivation und vor welchem Publikum jemand dieses Wort ausspricht, anstatt magischem Denken zu verfallen?“, fragt etwa der Chefredakteur des Wiener Magazins „Falter“. Auch Martin Luther King habe es verwendet, argumentiert er.
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