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Der digitale Euro: „Schande für Europa und Gefahr für die Freiheit“

© SNA / Alexej SuchorukowEuro-Währung (Symbolbild)
Euro-Währung (Symbolbild) - SNA, 1920, 25.07.2021
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Wenn es nach den Vorstellungen der Europäischen Zentralbank (EZB) geht, werden die meisten Menschen im Euro-Raum in fünf Jahren „nur noch virtuell bezahlen“. Der „digitale Euro“ soll kommen. Was dies in der Praxis bedeutet und warum das Bargeld dadurch bedroht ist, erklären drei erfahrene Geld- und Finanz-Fachleute im Interview mit SNA.
Die Europäische Zentralbank EZB gab Mitte Juli grünes Licht für den digitalen Euro. Bargeld gerät somit immer stärker unter Beschuss. Aus den bislang wenig konkreten Plänen für eine zentrale Digitalwährung soll nun das ambitionierte Vorhaben des digitalen Euro in den nächsten fünf Jahren realisiert werden. SNA News fragte drei renommierte Finanzexperten, was das für das eigene Vermögen und Bezahl-Verhalten bedeuten könnte.
„Ich denke, der digitale Euro wird in manchen Bereichen sehr praktisch sein“, gab Goldmarkt- und Finanzexperte Martin Siegel von „Stabilitas Fonds“ eine Einschätzung.
„Wie immer: Wenn das Leben durch praktische Anwendungen erleichtert wird, wird die Transparenz extrem gesteigert, weil man jede Transaktion, jede Zahlung des Bürgers sofort nachvollziehen kann. Wer sich dagegen wehren möchte, der muss weiter anonym mit Bargeld bezahlen.“
Euro (Symbolbild) - SNA, 1920, 13.01.2021
EZB-Präsidentin Lagarde: „Wir werden einen digitalen Euro haben“

Gläserne Bürger und bedrohte Freiheit?

Der Goldmarktexperte könne sich vorstellen, dass es bei Bargeldzahlungen in Zukunft „Aufpreise oder eine zu entrichtende Gebühr“ geben könnte. „Das unerklärte Ziel ist natürlich, das Bargeld komplett abzuschaffen und die Bürger komplett gläsern zu machen.“
Wenn es trotz gegenteiliger Erklärungen der Politik doch zu diesem Szenario der Bargeld-Abschaffung komme – etwa durch einen „per Zwang“ verordneten digitalen Euro –, „dann sind diejenigen, die zur Rechenschaft gezogen werden könnten, längst aus dem Amt ausgeschieden.“

„Für die Erhaltung der Freiheit ist es unbedingt wichtig, dass wir das Bargeld beibehalten“, sagte Siegel und fügte hinzu: „Jeder sollte alles dafür tun, einer digitalen Bezahlung auszuweichen und nach Möglichkeit bar zu zahlen. Für mich ist das auch ein Pfeiler, um die Demokratie zu erhalten.“

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„Beim Bargeld bleiben“

„Das ist ja erst ein Konzept der EZB“, schätzte Finanzkenner und Edelmetall-Fachmann Dimitri Speck gegenüber SNA ein. „Und es ist ziemlich fraglich, welchen Sinn das Konzept am Ende ergeben soll.“
Medien berichten über den „digitalen Euro“ als neue mögliche Konkurrenz zu Kryptowährungen wie dem Bitcoin. Dies sieht Speck anders. Sie sind laut ihm „keine Wettbewerber für das Zentralbank-Geld oder Gold“. Es handelt sich seiner Meinung nach hierbei nicht um Geld. Der digitale Euro sei „nichts anderes als elektronisches Bargeld“. Es ist laut ihm sinnvoll, beim Original zu bleiben: Beim Bargeld. Die Anonymität des Bargeldes sei ein hoher Wert und werde häufig unterschätzt.
Er favorisiere aktuell ganz klar Gold und Silber vor konventionellen Währungen. Aber nichtsdestotrotz sei er ein Verfechter von Bargeld:

„Wenn die EU hier den Bargeld-Transfer verhindern will – was sie schon permanent macht –, sehe ich das mehr als kritisch. Die Verdrängung des Bargelds hat verschiedene Gründe. Das Argument Geldwäsche ist nur ein Vorwand. Es geht darum, für die USA machtpolitisch zu gewinnen. Weil dann einfach die Zahlungsströme überprüfbar und auch ‚absperrbar‘ sind.“

Als Beispiele nannte Speck auf Betreiben der US-Regierung gestoppte und gesperrte Zahlungen etwa für Konten der Enthüllungsplattform „WikiLeaks“. „Das könnte dann zukünftig jedem drohen, wenn wir auf elektronisches Bezahlen umsteigen. Das ist eine ernsthafte Bedrohung der Freiheit, die die EU hier versucht umzusetzen, indem sie das Bargeld verdrängt.“
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„Kampf gegen Bargeld geht weiter“: Bafin will Legalitätsnachweis bei Einzahlung – Video
Wird die EU hohe Bargeld-Zahlungen verbieten?
Darüber hinaus gebe es noch weitere Akteure, die gegen das Bargeld arbeiten. Darunter Kreditkarten-Unternehmen und Zahlungsdienstleister wie „Visa“ oder „Master Card“. „Auch die Zentralbanken. Es gibt eine vielfältige Interessenslage materieller und machtpolitischer Akteure gegen Bargeld. Viele Bürokraten und Politiker der EU etablieren sich als Feinde des Bürgers, wenn sie unter dem Vorwand der Geldwäsche gegen Bargeld vorgehen. Das muss man ganz klar sagen“, so Speck weiter.
Damit bezog er sich auf jüngste Meldungen, wonach Brüssel plane, Bargeld-Zahlungen ab einer bestimmten Höhe zu sanktionieren bzw. zu verbieten. Das Argument dabei: Geldwäsche verhindern. „Die EU-Kommission will mit einem umfassenden Maßnahmenpaket Geldwäsche bekämpfen“, berichtete vor wenigen Tagen das Magazin „Der Spiegel“. „Dazu sollen etwa Rechnungen grundsätzlich nur noch bis zu 10.000 Euro in bar bezahlt werden dürfen.“
Doch dass dies nicht der richtige Schritt sei, um der Organisierten Kriminalität Gelder zu entziehen, bemängeln seit Jahren zum Beispiel die Anti-Mafia-Behörden Italiens. In dem EU-Land gibt es seit Jahresbeginn „eine Bargeldobergrenze von 1000 Euro, gleichzeitig setzt die Mafia dort Milliarden um“, schrieb kürzlich das Finanzblatt „Business Insider“.
In der Wirtschaft werde bei Zahlungen bereits jetzt viel Aufwand betrieben, um Geldwäsche zu unterbinden, sagte Speck dazu. „Mit fast keinem Nutzen in der Bekämpfung der Verbrechen. Schon gar nicht in der Terrorismus-Bekämpfung. Es geht darum, die Freiheit der Bürger zu beschränken. Es ist eine Schande für Europa, dass hier tatsächlich Politiker gegen Bargeld vorgehen wollen.“
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Ein „giftiger Apfel“?

„Ich halte den digitalen Euro für einen vergifteten Apfel“, brachte Thorsten Polleit, Chef-Volkswirt bei „Degussa Goldhandel“, seine Meinung zur neuen EZB-Idee scharf zum Ausdruck.
„Das ist überhaupt keine gute Idee für die Bürger“, erläuterte er im Gespräch. „Das ist vorteilhaft für diejenigen, die das Establishment anführen, die in Regierungen und Bürokratien sitzen, in Zentralbanken. Zum einen wird das Bargeld so verdrängt – und Bargeld ist geprägte Freiheit. Verschwindet das Bargeld, ist auch die anonyme Privatsphäre verlorengegangen. Das ist zum Nachteil des Bürgers und des Unternehmers.“
Ein digitales Zentralbanken-Geld sei um keinen Deut besser als das herkömmliche „Fiat-Geld“ und ebenso „ungedecktes Geld. Nur mit dem Adjektiv ‚digital‘ versehen, um dem eine besondere Schönheit zu verleihen. Aber da sollte man sich nicht täuschen lassen: Es ist genauso primitiv wie sonstiges staatliches Geld auch.“
Außerdem öffne ein digitaler Euro, „dem Überwachungs-Staat Tür und Tor“, warnte er. „Staaten und Zentralbanken können dann genau einsehen, wer was wann wo zahlt. Das ist eine Gefahr für die Freiheit der westlichen Welt.“
Auf den digitalen Euro sollte jeder verzichten, empfahl er. Fraglich sei darüber hinaus, ob die Kundinnen und Kunden im Euro-Raum dieses neue digitale Geldangebot überhaupt annehmen werden. Denn speziell in Deutschland ist das Barbezahlen europaweit gesehen immer noch sehr beliebt.
Laut EZB wird der digitale Euro „in den nächsten fünf Jahren“ eingeführt. Wie das konkret erfolgen soll, darüber gibt es bisher so gut wie keine Informationen.
Das Radio-Interview mit Martin Siegel (Stabilitas Fonds):
Das Radio-Interview mit Dimitri Speck (seasonax.com):
Das Radio-Interview mit Thorsten Polleit (Degussa):
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