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„Wir werden getäuscht“: Gold, Silber und drohende Geldentwertung

© Depositphotos / BalonciciGold (Symbolbild)
Gold (Symbolbild) - SNA, 1920, 24.07.2021
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Droht eine massive Inflation? Was sollten Sparer jetzt tun? SNA befragt drei renommierte Goldmarkt- und Geldexperten. Sie alle kommen zum gleichen Schluss: „Wer jetzt nicht in Edelmetalle oder gute Aktien investiert, verliert am Ende.“ In Interviews kritisieren sie Zentralbanken wie FED und EZB und erklären, was währungspolitisch falsch läuft.
Goldmarkt- und Finanz-Experte Martin Siegel von „Stabilitas Fonds“ kritisiert die Inflationspolitik der wichtigsten Zentralbanken schon länger – genau wie die zwei weiteren SNA-Interviewpartner.
„Man kann diese expansive Geldpolitik nicht mehr zurückfahren, ohne dass man einen massiven Wirtschaftseinbruch riskiert: Auf Dauer zerfällt unser Geld“, warnt Siegel im SNA-Gespräch. Dimitri Speck, Edelmetall-Insider und Buchautor, ergänzt: „Wir sind in den USA bereits sicher in einer Inflation. Dort ist auch die laufende Neuverschuldung und Geldmengenausweitung deutlich höher als in Europa. Wir können davon ausgehen, dass auch Deutschland bald von Inflation ereilt wird.“ Auch Thorsten Polleit, Chef-Volkswirt bei „Degussa Goldhandel“, sieht die Lage ähnlich kritisch:

„Wir sind in Deutschland und Europa schon mittendrin in der Geldentwertung.“

Warum die Dollar-Schwemme in den USA auch den Euro betrifft

„Die Inflation in Amerika und Großbritannien steigt höher, als Ökonomen zuvor erwartet hatten.“ Das berichteten US- und britische Medien vor wenigen Tagen. „Die Verbraucherpreise bei Konsumgütern stiegen in den USA von Jahresanfang bis Juni um 5,4 Prozent und im Vereinigten Königreich um 2,5 Prozent“, schrieb etwa der „Economist“. In der britischen Zeitung „The Guardian“ kommentierte ein Wirtschaftsprofessor den Verlust der Kaufkraft.
Deutsche Medien blasen ins gleiche Horn. Und das zu Recht, bestätigen die drei Finanz-Experten. Die US-Zentralbank FED, welche die Weltleitwährung US-Dollar herausgibt und somit geldpolitisch international den Ton angibt, stehe „unter heftigem Druck“, so der Nachrichtensender NTV. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bleibt die Inflation in Deutschland „im Juni hoch“, ergänzt die „Tagesschau“. „Die Verbraucherpreise lagen vorläufigen Daten zufolge um 2,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.“
Erst am Donnerstag entschied die Europäische Zentralbank EZB, ihre zuvor schon sehr lockere Geldpolitik weiter auszubauen. Das berichteten Medien wie die „Wirtschaftswoche“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.
Deutsche Börse in Frankfurt am Main (Archivbild) - SNA, 1920, 28.01.2021
Ausblick ins Jahr 2021: „Die Inflation kommt, aber …“ – Fünf Fragen an den Finanzmarktexperten

„Katastrophale Geldpolitik ist sozial ungerecht“

Die Politik der Zentralbanken sei desaströs, bemerkte Siegel. „Aber nicht erst seit der Corona-Krise. Sondern schon seit den 1960er Jahren. Man hat es aufgegeben, das Geld mit etwas Wertvollem – mit Gold – abzudecken. Wir sind jetzt in eine neue Phase eingetreten. Es wird nicht einmal mehr versucht, die Staatshaushalte mit Steuern zu finanzieren. Sondern man druckt einfach neues Geld, um Löcher zu stopfen. Vor 20 Jahren war es noch undenkbar, dass man zum Beispiel Renten- oder Krankenversicherungsbeiträge oder die Strompreise mit Steuergeld subventioniert. Also wird neues Geld gedruckt.“

„Diese neue Qualität ist natürlich katastrophal, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Menschen das Vertrauen in das Geld verlieren.“

Für Siegel sei es eine perfide Argumentation in der Wirtschaft, „dass man bei steigenden Preisen doch auf Lohnsteigerung verzichten soll. Das bedeutet, dass diejenigen, die die Leistung erbringen und den Wohlstand erwirtschaften, mit immer weniger Kaufkraft klarkommen müssen. Diese Umverteilung von Arm auf Reich – sprich von arbeitend auf nicht-arbeitend – ist zutiefst unsozial. Das wird allerdings interessanterweise von den Sozialdemokraten gar nicht thematisiert und auch von den Grünen nicht angesprochen. Ich finde diese Entwicklung zutiefst ungerecht.“

„Bei Investition in Gold und Silber auf Folgendes achten…“

„Die Aufblähung des Finanzsystems, also die Ausweitung der Verschuldung und damit auch der Guthaben, hat weltweit zu einer Ausweitung der Spanne zwischen Arm und Reich geführt“, sagte Speck im Interview.

„Natürlich kann auch ein Kleinanleger in Gold oder Silber investieren“, gab er einen Profi-Tipp.

„Aber er muss darauf achten und berücksichtigen, dass die Spanne zwischen An- und Verkauf gering ist. Also einfach in Standard-Münzen investieren.“ Vertrauenswürdige Anbieter seien „Krügerrand“ oder „Maple Leaf“.
„Grundsätzlich wird die Inflationserwartung zunehmen“, blickte er voraus. „Bei einer Inflation von 5,4 Prozent in den USA müsste der Zins deutlich höher sein. Etwa bei sechs oder sieben Prozent. Tatsächlich liegt er aber bei null. Das heißt: Wir können davon ausgehen, dass die Sparer beginnen werden, ihr Geld auszugeben, und das wird die Inflation zusätzlich anheizen. Davon gehe ich aus, und das wird in meinen Augen noch komplett unterschätzt.“
Laut Medien spricht die Führung der US-Notenbank FED von einer zeitlich begrenzten und nur „vorübergehenden Inflation“. Wenn die FED von „zeitlich begrenzt“ spreche, sei das Augenwischerei, betonte Gold-Insider Speck.

„Gehen Sie davon aus, dass die FED hier einfach versucht den Markt zu täuschen oder es vielleicht selbst glaubt. Anfang der 70er Jahre glaubte der damalige FED-Chef ebenfalls, dass das Phänomen der Inflation nur vorübergehend sei. Was sich daraufhin als falsch erwiesen hat.“

Speck zufolge hat die US-Notenbank seit Anfang des Krisenjahres 2020 etwa 3500 Milliarden, also 3,5 Billionen US-Dollar, zusätzlich zur bereits vorhandenen Geldmenge geschaffen und in den Markt gepumpt.
Dabei handle es sich keinesfalls um ein zeitlich begrenztes Problem. Sondern um eine reale Finanzgefahr, die bis zu einer tiefen Wirtschaftskrise führen könne.
Goldbarren (Symbolbild) - SNA, 1920, 08.12.2020
Gut für Gold: „desolates Finanzsystem und weltweite Überschuldung“

„USA manipulieren Goldpreis künstlich nach unten“

Darüber hinaus wies er erneut auf eine staatliche geförderte sowie künstlich arrangierte Drückung des Gold-Preises nach unten hin.
Vor allem Akteure in den USA hätten an einem künstlich niedrigen Preis für Edelmetalle großes Interesse, kritisiert er schon seit Jahren. Etwa um den schwächelnden Dollar zu stützen. Dieses Vorgehen hat Finanz-Fachmann Speck beispielsweise in seinem Buch „Geheime Goldpolitik: Warum die Zentralbanken den Goldpreis steuern“ anhand von internationalem Trading-Verhalten analysiert.
Ihm zufolge steht ein „richtig großer Schub“ beim Goldpreis nach oben in den nächsten Jahren zwingend vor der Tür. „Silber dürfte prozentual noch einmal deutlich stärker steigen als Gold“, fügte er hinzu. Vor allem Silber sei „nur für langfristige Investitionen interessant“, gab er einen weiteren Tipp.

„Willkür der EZB“

„Inflation ist ein komplexes Phänomen“, sagte „Degussa“-Chef-Volkswirt Polleit im Interview. Der Anstieg von Konsumgüter-Preisen sei letztlich die Folge einer „Geldmengen-Inflation“, also die Ausweitung der Geldmenge. Das sei ein monetäres Phänomen. Polleit fuhr mit Kritik fort:

„Jetzt ist im Grunde alles möglich, denn man erlaubt nun auch ein Überschießen der Inflation. Das ist schon eine starke Aufweichung des Inflationsziels und gibt dem EZB-Rat erhebliche Willkür. Das kritisiere ich. Denn Inflation ist ein gesellschaftliches Übel.“

Damit bestätigte er die Analysen seiner Kollegen Siegel und Speck. Jüngst sagte er im Podcast „Golden Times“, dass laut früheren Statistiken langfristig diePreise für Edelmetalle steigen werden. Da bitte er aber etwas um Geduld, die Grundbedingungen für weitere Preisanstiege bei Gold und Silber seien jedoch da.
Im aktuellen „Degussa Newsletter“ schrieb er: „Der Goldpreis befindet sich nach wie vor auf einem langfristigen Aufwärtstrend; und angesichts der weiterhin extrem expansiven Geldpolitik (…) ist mit einer Fortsetzung des Preisanstiegs zu rechnen. Die jüngste Preiskorrektur beim Silber ist aus unserer Sicht eine sehr gute Gelegenheit, um Silberpositionen auf- und auszubauen.“
Goldbarren (Symbolbild) - SNA, 1920, 29.05.2021
Gold und Silber: Edelmetall-Experte über „Finanzfehler der Politik im Lockdown“

„Kernproblem ist weltweite Verschuldung“

Die globale Situation der Verschuldung habe ein extremes Ausmaß angenommen. Das kritisieren auch die Edelmetall-Experten Speck und Siegel seit Jahrzehnten. Laut dem Institute of International Finance lag sie zum Ende des ersten Quartals 2021 „bei etwa 289 Billionen US-Dollar“, nannte der „Degussa“-Sprecher eine erschreckende Zahl.

„Dieses System geht einem explosiven Pfad entgegen, die Menschen werden getäuscht durch eine inflationäre und expansive Geldpolitik diesseits und jenseits des Atlantiks sowie durch die Nullzins-Politik.“

Er empfehle traditionell Investitionen in Edelmetalle wie Gold und Silber, aber auch andere Sachwerte oder Aktien könnten derzeit Abhilfe im eigenen Portfolio schaffen, um das eigene Vermögen abzusichern.

Weitere Profi-Tipps für Anleger

Gold und Silber würden vor Geldentwertung schützen, sagte auch Martin Siegel. „Wie übrigens Aktien und Immobilien auch. Hier kann sich jeder Arbeitnehmer, Arbeitgeber und selbst in geringem Umfang Sozialhilfeempfänger auf die Seite der Gewinner stellen.“
Wenn es bei Anlegern mit größerer Erfahrung „Kilo-Barren aus Gold sind, sind es beim Kleinanleger vielleicht Ein-Gramm-Barren aus Edelmetall oder kleine Aktien-Portfolios, mit denen man sich an einer Goldmine beteiligen kann“. Beispielsweise gebe es in Deutschland jede Menge Gold- und Silberhändler, die auch Läden haben, wo man noch Gold gegen Bargeld bis 2000 Euro kaufen kann, so der Experte
Gegenwärtig sei noch nicht absehbar, ob die Inflation vielleicht doch nur ein vorübergehendes Problem sein könnte. „Zum Beispiel ist kürzlich der internationale Holzpreis, der explodiert ist, durch die Medien gegangen. Dieser Preis hat sich in den letzten vier Wochen wieder gedrittelt. Hier gibt es doch einige Rückgänge und Beruhigungen“, gab Siegel auch einen positiven Ausblick.
Goldbarren (Symbolbild) - SNA, 1920, 01.05.2021
9089 Tonnen: Deutsche horten Rekordmenge an Gold
Deutschlands Sparer „halten etwa 3,9 Billionen Euro unverzinslich auf Konten und Spareinlagen bei Kunden-Banken“, nannte Thorsten Polleit abschließend eine weitere beeindruckende Zahl. „Das löst man am besten auf und investiert in physisches Gold, in Münzen und Barren vorzugsweise. Bei Münzen empfehle ich immer den Anbieter ‚Krügerrand‘. Und bei Barren sollte man namhafte Emittenten wählen und auf möglichst große Barren achten: Da bekommt man mehr für’s Geld. Wenn man beispielsweise 100 Euro übrig hat, sollte man 30 davon in physische Edelmetalle legen – und 70 Prozent in ein Welt-Aktienmarkt-Zertifikat oder ETF* investieren.“ Damit sei jeder gut gerüstet vor der drohenden Geldentwertung.
Im Gegensatz dazu rät Goldmarkt-Analytiker Dimitri Speck davon ab. Er zieht physisches Edelmetall solchen „Gold-ETFs“ immer vor.
*Als ETF werden „Exchange Traded Funds“ bezeichnet, also börsengehandelte Indexfonds. Sie ermöglichen Anlegern, mit einem Wertpapier kostengünstig in ganze Märkte zu investieren. Damit können Interessenten über gekoppelte Wertpapiere beispielsweise von steigenden Goldpreisen profitieren.
Das Radio-Interview mit Martin Siegel (Stabilitas Fonds):
Das Radio-Interview mit Dimitri Speck (seasonax.com):
Das Radio-Interview mit Thorsten Polleit (Degussa):
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