Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Ob Bundeskanzlerin oder Bundeskanzler: Nur die zweite Wahl im Angebot

© SNA / AP Photo (Collage)CDU-Chef Armin Laschet und Grünen-Chefin Annalena Baerbock
CDU-Chef Armin Laschet und Grünen-Chefin Annalena Baerbock - SNA, 1920, 21.07.2021
Abonnieren
Sowohl Annalena Baerbock als auch Armin Laschet sind erst nach Schwanken und Zögern zu Kanzlerkandidaten ihrer Parteien nominiert worden. Man schwankte und zögerte nicht ohne Grund, das zeigte die weitere Entwicklung. Die verworfenen alternativen Kandidaten Markus Söder und Robert Habeck nähren nun den Phantomschmerz.
Bei allen Umfragen – sowohl bundesweit als auch explizit unter den Unionswählern – schnitt Bayern-Chef Söder im April als der Wunschkandidat der Union am besten ab. Laschet lag schier hoffnungslos abgeschlagen dahinter. Eine Mehrheit der Ministerpräsidenten der Bundesländer stand damals ebenfalls hinter Söder. Als sich Laschet nach einem langwierigen Ringen dennoch als Kanzlerkandidat durchgesetzt hatte, war die Enttäuschung beim Wahlvolk dermaßen stark, dass eine beachtliche Zahl von CDU-Mitgliedern ihren Parteiaustritt kundtat.

Baerbock: „Wir haben eigene Fehler gemacht, aber…“

Zwischen Baerbock und Habeck dürfte es bei den Grünen trotz der stets nach außen bekundeten Harmonie schwierige Gespräche darüber gegeben haben, wer von den beiden als Kanzlerkandidat antreten soll. „Nichts wollte ich mehr, als diesem Land als Kanzler zu dienen“, gestand Habeck gleich nach seiner Zustimmung für Baerbocks Kandidatur in einem Interview. Sein Zähneknirschen war zwischen den Zeilen deutlich zu vernehmen.
Baerbocks Nominierung als Kanzlerkandidatin im April folgte ein enormer Hype in allen Mainstream-Medien – nicht zuletzt, weil ihr Gegenpart von der Unionspartei bis dahin für allgemeine Enttäuschung gesorgt hatte. Bereitwillig schlüpfte die 40-jährige Senkrechtstarterin Baerbock in die Rolle der Hoffnungsträgerin der Nation und ließ sich von der allgemeinen Euphorie berauschen.
„Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieses Land einen Neuanfang braucht“, erklärte sie damals ziemlich siegessicher.
Die Ernüchterung kam schon einen Monat später, nachdem Baerbocks Widersacher gründlich ans Werk gegangen waren.

„Ich habe in den letzten vier Wochen, seit ich Kanzlerkandidatin bin, Heftigstes erlebt“, gestand Baerbock Ende Mai beim ARD-Talk „Maischberger. Die Woche“. „Wir haben eigene Fehler gemacht, aber was ich krass finde, ist eine Art von Shitstorm, wo über Fake News Dinge behauptet werden.“

„Eigene Fehler“ machte die Kanzlerkandidatin allerdings auch danach genügend, womit sie ihren Höhenflug in Richtung Kanzleramt so gut wie hoffnungslos zum Absturz brachte.
Armin Laschet, Annalena Baerbock und Olaf Scholz - SNA, 1920, 28.06.2021
Baerbock, Laschet und Scholz streiten über Außenpolitik: Radikale „Idealistin“ gegen „Weiter so“

Laschet – „der schlechteste Katastrophenmanager“

Laut einer aktuellen Yougov-Studie wären mittlerweile rund 35 Prozent der Befragten dafür, dass Baerbock als Kanzlerkandidatin durch Habeck ersetzt werden sollte, während sich nur 24 Prozent für ihre Kandidatur aussprachen. Habeck selbst lehnt allerdings eine solche Option ab: „Politisch würde ich es falsch finden“, erklärte er letzte Woche bei „Markus Lanz“.
Aber auch Laschets infamer Lachanfall bei einem Besuch im Katastrophengebiet während einer Beileidsansprache des Bundespräsidenten ließ wieder Diskussionen darüber entflammen, ob der NRW-Ministerpräsident für das Amt des Bundeskanzlers geeignet sei. Bei der Härteprüfung mit der Flut schneidet Laschet jedenfalls laut einer Civey-Umfrage als der „schlechteste Katastrophenmanager“ unter den Kanzlerkandidaten ab.

Laschets und Baerbocks „innerparteiliche Rivalen, Robert Habeck bei den Grünen und Markus Söder bei der Union, werden sich jedenfalls bemühen, den Phantomschmerz in ihrem jeweiligen politischen Lager weiter zu nähren und dadurch ihre eigene Stellung zu stärken“, schrieb die „Neue Zürcher Zeitung“.

„Söder tat dies am Sonntag bereits mit einigem Erfolg, als er sich im bayrischen Hochwassergebiet staatsmännisch, ernst und mitfühlend präsentierte, so wie es das Publikum von ihm erwartete.“
Aufräumarbeiten nach Hochwasser in Ahrweiler, Deutschland - SNA, 1920, 20.07.2021
Wahlkampf vor Trümmern: Top-Politiker im Katastrophen-TV

„Den Wahlkampf elektrisieren“

Wie Politikberater und Wahlkampfstratege Frank Strauss meinte, wäre Habeck „der einzige Kandidat mit der Chance, den Wahlkampf noch elektrisieren zu können“, sollte er kurzzeitig für Baerbock einspringen. Viel Zeit habe er dazu allerdings nicht.
Lust dazu hat er offenbar momentan auch nicht. Sollte es dennoch dazu kommen, müsste die Union wahrscheinlich auch Laschet durch Söder im Schnellverfahren austauschen. In dem Fall wäre die „Elektrisierung des Wahlkampfes“ perfekt. Dies wäre auch ein Indiz dafür, dass die Parteien halbwegs im Geiste der liberalen Demokratie handeln und die Meinung des Wahlvolkes doch noch einigermaßen berücksichtigen.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала