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Fishing Impossible – Fischereistreit zwischen Norwegen und Europa eskaliert

© Foto : DHVFischereistreit zwischen Norwegen und Europa
Fischereistreit zwischen Norwegen und Europa - SNA, 1920, 20.07.2021
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Norwegen hat seine Fangquoten für Makrelen und Kabeljau bei Spitzbergen stark angehoben und droht europäischen Fischern, diese zu bestrafen, sollten sie sich nicht an die neuen Regeln halten. Der Deutsche Fischerei-Verband findet das willkürlich und befürchtet eine Eskalation. Eine mögliche Gegenmaßnahme der EU wären Sanktionen auf Lachs.
Der Brexit hat nicht nur für Unruhe an Land gesorgt, auch die Verhältnisse auf den Meeren mussten neu geordnet werden. Nach zähen Verhandlungen konnten Europa und Großbritannien sich im Juni auf eine Lösung einigen, was Fangrechte und -mengen von Fisch betrifft. Dagegen konnten sich das Vereinigte Königreich und Norwegen in derselben Sache nicht einig werden.
Das hat auch Folgen für die Europäische Union. Wie der Deutsche Fischerei-Verband mitteilt, habe das skandinavische Land die Kabeljauquote der EU vor Spitzbergen einseitig um 7000 Tonnen gesenkt und die eigene Makrelenquote um über 100.000 Tonnen angehoben. Zum Vergleich: Die ganze EU hatte im Jahr eine Fangquote bei Kabeljau von etwa 12.000 Tonnen und 370.000 Tonnen Makrelen. Da in der Nordsee und im Nordost-Atlantik nachhaltig gefischt wird und die Fangquoten nicht einfach weiter nach oben geschraubt werden können, ist der Verband von dieser Entwicklung besorgt, denn diese großen Mengen könnten auf Kosten europäischer Fischer gehen.
„Die EU hat zuvor einen Anteil von 3,9 Prozent gehabt und jetzt sind es nur noch 2,7“, betont Peter Breckling, Generalsekretär des Deutschen Fischerei-Verbandes, im Gespräch mit SNA. „Das ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar.“ Damit, dass es sich bei der Fangzone um die Inselgruppe Spitzbergen um norwegisches Hoheitsgebiet handelt, ist es aus Brecklings Sicht nicht getan. Ursprünglich staatenlos wurden die Inseln durch den Spitzbergenvertrag Norwegen unterstellt, das die friedliche Nutzung der dort befindlichen Ressourcen und der angrenzenden Gewässer regeln soll.
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Willkürliche Umverteilung

„Das, was Norwegen da gemacht hat, ist aus unserer Sicht eine willkürliche Umverteilung, die von der langjährigen Praxis abweicht. Da gibt es internationales Gewohnheitsrecht abgesehen von guten partnerschaftlichen Beziehungen, die man miteinander pflegt“, sagt Breckling. Auch bei der Quotenverteilung war über 30 Jahre stabil. „Der EU-Anteil ist nach dem Brexit um 25 Prozent reduziert worden. Dieser Teil steht den Briten zur Verfügung. Aber die Norweger haben trotzdem noch eine weitere Senkung des Anteils vorgenommen, der den Briten und der EU zur Verfügung steht. Und das ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar“, so Breckling.
Die ihnen zugewiesene Quote dürften die Fischer von fünf EU-Staaten spätestens Ende August ausgeschöpft haben. Von der EU haben sie allerdings bereits eine Fangerlaubnis auf Grundlage der EU Quotenverordnung 2021/703 erhalten, die ihnen mehr Spielraum zubilligt. Doch wenn sie sich nach dieser legalen Fangerlaubnis richten, könnte es böse ausgehen, denn Norwegen hat bereits angedroht, sie in einem solchen Fall festzunehmen und zu bestrafen.
Und was dann? „Die EU-Kommission denkt intensiv über Maßnahmen nach. Natürlich liegt das nur im Bereich von Handelssanktionen, im Bereich der Zölle, die man vereinbaren kann in Bezug auf Fischerei-Erzeugnisse, die in großer Menge nach Europa eingeführt werden“, so Breckling. Da über die Hälfte der Lachsimporte des skandinavischen Landes nach Europa geht, sind „Lachs-Sanktionen“ ein mögliches Instrument.

Schiffe und Arbeitsplätze in Gefahr

Fischern und Fischkonsumenten wäre durch eine solche Entwicklung kaum geholfen: „Wenn die Fangquoten nicht zur Verfügung stehen, kann so ein Fischereifahrzeug heutzutage nicht einfach irgendwo etwas anderes fangen. Es würden dann Schiffe ausscheiden, es würden Arbeitsplätze verloren gehen. Es würde natürlich auch jeder Betrieb nach anderen Einsatzmöglichkeiten Ausschau halten, aber das ist begrenzt. Die fischereilichen Ressourcen sind aufgeteilt auf der Welt. Da gibt es nicht viel Spielraum, sich anderswo hin zu bewegen. Unternehmen stünden vor der Entscheidung: Schiffe stilllegen, abwracken oder eine Übergangszeit abwarten, ob es doch eine Lösung gibt. Es wird bestimmt nicht billiger, wenn man den Fisch, den man mit eigenen Fahrzeugen gefangen hat, jetzt in Zukunft von den Norwegern kaufen muss.“
Das Interview mit Peter Breckling zum Nachhören:
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