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Sahra Wagenknecht und die „Covid-Heulboje“ – hitzige Damenrunde bei Markus Lanz

CC BY-SA 2.0 / DIE LINKE Nordrhein-Westfalen / Stefanie SchwarzinDie linke Politikerin Sahra Wagenknecht
Die linke Politikerin Sahra Wagenknecht - SNA, 1920, 15.07.2021
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Im ZDF-Talk setzt sich die Linken-Ikone Sahra Wagenknecht frenetisch für ihren Ehemann Oskar Lafontaine ein, der sich einen Ausfall gegen Karl Lauterbach erlaubt hat. In der Talkrunde am Dienstagabend, die ausschließlich aus Frauen bestand, war die Abwesenheit der beiden Herren schmerzhaft zu spüren.
Um es gleich vorwegzunehmen: Bei der Zusammensetzung der Talk-Runde war die „Markus Lanz“-Redaktion wohl nicht auf der Höhe. Der kleinste Schnitzer war dabei rein szenografischer Natur: Wenn man schon gleich vier Frauen einlädt, hätte man denen die Peinlichkeit ersparen sollen, ähnlich gekleidet auftreten zu müssen. Noch komischer wirkte es, dass zwei Damen in knallrotem Outfit dazu noch nebeneinander im Studio sitzen mussten.
Dass die Runde aus lauter Frauen bestand, dürfte auch kaum als eine Top-Leistung der Redaktion gelten. „Es hat sich so ergeben“, rechtfertigte der Moderator die Zusammensetzung. Und fügte hinzu: „Die Gesellschaft wird offenbar ein bisschen vielfältiger.“ Woraus man wohl schließen musste, dass Herr Lanz den Begriff „Vielfalt“ auf seine ganz eigene Weise auslegt.
Mangels der Männer – zumindest derjenigen, um die es in der Sendung hauptsächlich ging – gestaltete sich die Runde über weite Strecken als eine Art Stellvertreter-Dialog zwischen Oskar Lafontaine und Karl Lauterbach, der durch Lafontaines Gattin einerseits und die übrigen drei Teilnehmerinnen andererseits vertreten werden mussten.

„Eine Impfung ist auch ein Risiko“

Eigentlich war Sahra Wagenknecht, zumindest laut Markus Lanz, eingeladen worden, um über ihren Bestseller „Die Selbstgerechten“ zu diskutieren. Speziell dazu war auch die „Weser-Kurier“-Journalistin Anja Maier zur Talkrunde mobilisiert worden. Diese hatte sich Wagenknechts Werk extra zu Gemüte geführt, um dieses vor den ZDF-Kameras ordentlich zu rupfen. Dazu kam es aber erst ganz am Ende der 75-minütigen Sendung, und es fiel äußerst knapp aus.
Die beiden anderen Damen, die Virologin Helga Rübsamen-Schaeff und die Medizinerin Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, waren für das Thema „Impfen und Lockern“ zuständig beziehungsweise – wie das Lanz formulierte: „Wie viele Kranke und Tote können wir akzeptieren?“
„Wenn man durch die Impfung mehr und mehr diejenigen schützen kann, die tatsächlich hoch gefährdet sind, dann muss man die Maßnahmen irgendwann aufheben“, äußerte Wagenknecht. Eine „sterile“, also 100-prozentige Immunität, die die üblichen Impfstoffe sonst sichern, könnten die jetzigen Corona-Vakzine sowieso nicht hergeben. „Deshalb verstehe ich gar nicht die Debatte über Impfpflicht für Lehrer oder andere Berufsgruppen“, fügte sie hinzu. Und: „Eine Impfung ist auch ein Risiko.“
Natürlich war dieses Statement für die anderen Frauen in der Runde viel zu steil. „Das Risiko der Impfung kennen wir inzwischen“, entgegnete Buyx. „Die Risiken der Infektion sind weit weniger berechenbar.“
Wagenknecht entgegnete:

„Was die Impfung langfristig bedeutet, das weiß sowieso niemand. (…) Impfstoffe, die eine Notzulassung haben, konnten nicht langfristig getestet werden.“

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Die „Covid-Heulboje“ Lauterbach

Ab dem Zeitpunkt drängte der Moderator bei Wagenknecht immer mehr ins Private. Er fing aber an mit einem Twitter-Zitat des „ehemaligen berühmten SPD-Vorsitzenden“ Oskar Lafontaine, der bekanntlich auch Wagenknechts Ehemann ist:

„Obwohl immer Menschen geimpft sind, benutzen Covid-Heulbojen, an vorderster Stelle Karl Lauterbach, die Delta-Variante, um erneut zu warnen und Schreckensszenarien in die Welt zu setzen. Dabei zeigt sich immer mehr, dass sogenannte Experten Arm in Arm mit der Pharmaindustrie den Teufel an die Wand malen, um möglichst viele Leute mit den Impfstoffen mit ‚bedingter Marktzulassung‘ zu impfen und den nächsten Lockdown vorzubereiten.“

Markus Lanz stichelte: „Hat Ihr Mann heimlich Virologie studiert?“
„Man muss kein Virologe sein, um wahrzunehmen, dass es in den letzten Monaten immer wieder Prognosen gab, die am Ende nicht eingetroffen sind, die aber unglaublich angstmachend waren“, erwiderte die Linken-Politikerin. „Was mich wirklich schon die ganze Zeit stört, seit Corona angefangen hat, ist tatsächlich dieser Panikmodus. Ich bin auch für Vorsicht, natürlich.“
Ihr 77-jähriger Mann gehöre zur Risikogruppe und sei längst geimpft, teilte sie mit und fügte hinzu: „Seitdem bin ich auch beruhigter.“
Interview mit Sahra Wagenknecht - SNA, 1920, 10.05.2021
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„Das Allerbeste, man hätte Herrn Lafontaine hier sitzen"

Lanz fragte: „Sind Sie geimpft, Frau Wagenknecht?“ Diese lächelte verlegen und gestand, sie habe noch „medizinische Bedenken“. Sinngemäß: Was für ihren Mann ok gewesen sei, sei für sie nicht gut genug. Die Vakzine, die jetzt angeboten würden, seien „neuartige Impfstoffe“, sie wolle aber abwarten, bis „klassische Impfstoffe“ zur Verfügung stehen würden, erläuterte Wagenknecht ihre Impfverweigerung.
Was danach kam, war ein längeres Geplänkel, bei dem die Linken-Politikerin, getreu der These ihres Mannes, auf suspekte Connections zwischen der Pharma-Industrie und den „sogenannten Experten“ verwies, die „das Alarmlevel auf die höchste Stufe gesetzt haben“.
„Natürlich ist das ein Riesengeschäft“, betonte sie. Es wäre „absurd“, an „altruistische Motive“ der Pharmaindustrie zu glauben.
„Das ist ganz nah dran an den Verschwörungstheorien“, bemerkte Lanz, während die Virologin und die Medizinerin Lafontaines Anschuldigungen empört zurückwiesen und darauf bestanden, dass es „viele gute Argumente für die Impfung gibt, die nichts mit wirtschaftlichen Interessen zu tun haben“. Lauterbach sei „kein Lobbyist“, räumte Wagenknecht schließlich ein:

„Er tut das aus persönlicher Überzeugung. Ich kenne ihn ja. Er macht das ja nicht, weil ihn einer dafür bezahlt.“

„Es wäre jetzt das Allerbeste, man hätte Herrn Lafontaine hier sitzen und würde das mit ihm besprechen“, äußerte Anja Maier. Womit sie wohl klarstellen wollte: Wagenknecht als Sprachrohr ihres Mannes ist für sie eben nicht „das Allerbeste“.
Auch Karl Lauterbach, der sonst bei wenigen Talkrunden zum Thema Corona gefehlt hat, ließ sich ausgerechnet an dem Abend stark vermissen. Wie gesagt: Diese Sendung war keinesfalls eine Glanzleistung der Lanz-Redaktion.
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