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„Ein bisschen dicke Hose“: Grünen-Chef Habeck gibt bei „Markus Lanz“ Fehler zu

© AP Photo / Michael SohnDer Grünen-Vorsitzende Robert Habeck (Archivbild)
Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck (Archivbild) - SNA, 1920, 15.07.2021
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Das rechte Auge von Robert Habeck angeschwollen – sein Konterfei am Mittwochabend bei „Markus Lanz“ schien quasi ein Sinnbild für die Lage seiner Partei wenige Wochen vor der Bundestagswahl zu sein. Dabei wirkte der Grünen-Chef entspannt und souverän. Immerhin wurde er in der Talkrunde als „unser zukünftiger Kanzler“ ausgerufen.
Das Problem mit dem Auge führte Habeck auf eine Allergie „gegen irgendein blühendes Zeug“ zurück. „Im Gegensatz zu Annalena Baerbock mit einem blauen Auge davongekommen?“, versuchte der Moderator zu witzeln. „Blau ist es nicht, es ist abschwellend“, erwiderte der Politiker.
Um die Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock ging es dann auch hauptsächlich. Plagiatsvorwürfe, unkorrekte Angaben im offiziellen Lebenslauf, suspekte Nebeneinkünfte – innerhalb weniger Wochen hatte die Politikerin durch diese Fehltritte und quasi notgedrungenen Fehlergeständnisse ihren Höhenflug in Richtung Kanzleramt schier hoffnungslos zum Absturz gebracht. „Wir müssen jetzt ein bisschen Vertrauen wiederaufbauen“, räumte Habeck ein. „Wir hatten so viel Vertrauensvorschuss verloren…“ Irreparabel sei die Sache allerdings noch nicht.

„Den Menschen keinen Scheiß erzählen“

Bei dem nun beginnenden Straßenwahlkampf komme es laut dem Grünen-Chef auf die richtige Kommunikation an:

„Viel unserer Arbeit bestand darin – ich sag's mal mit meiner Sprache –, den Menschen keinen Scheiß zu erzählen.“

Offenbar hatte ausgerechnet Annalena Baerbock Probleme gerade damit. Unter anderem mit ihrem Buch, das Habeck nach eigenen Worten bereits im Frühjahr gelesen hatte, „als es noch kalt war draußen“. Als Autor von mittlerweile 20 Büchern zeigte er auch Verständnis für Fehltritte der angehenden Autorin. „Ist nicht gut, aber bei den ersten Stellen habe ich gesagt, na gut, shit happens“, gestand Habeck – und demonstrierte damit, dass das Sch-Wort „mit seiner Sprache“ auch englisch klingen kann.
Verständnis bekundete er auch für Baerbocks inzwischen viel zitierte Behauptung „Niemand schreibt ein Buch allein“, die sie als „Rechtfertigung“ für die zahlreichen nicht markierten Textentnahmen ins Spiel brachte. Wenn es um politische Bücher geht, schreibe man in einem Echoraum, so Habeck. Man glaube, eine tolle Formulierung gefunden zu haben, ohne zu merken, diese in Wirklichkeit einmal bei der „Tagesschau“ gehört zu haben. „Alle schreiben allein, aber natürlich ist niemand solitär.“ Dennoch räumte er ein:

„Es war ein Fehler, Quellen in der Menge nicht auszuweisen.“

Zugleich wäre es „falsch und infam“, Annalena Baerbock als „Hochstaplerin“ zu diffamieren, betonte der Grünen-Chef. Anders als in anderen Berufen gebe es allerdings bei Politikern „eine Art Verführbarkeit, bisschen dicke Hose zu machen“, weil man dauernd beurteilt werde.

Der zukünftige Kanzler?

„Nichts wollte ich mehr, als diesem Land als Kanzler zu dienen“ – diesen Satz hatte Habeck in einem Interview kurz nach der Entscheidung der Grünen formuliert, seine Parteikollegin Baerbock als Kanzlerkandidatin ins Rennen zu schicken. Sicherlich klang in Lanz‘ Stimme auch eine sadistische Note, als er seinen Gast am Mittwochabend an diesen Satz erinnerte.
„Hätten Sie Verständnis dafür, wenn sie sagen würde: ‚Ich ziehe meine Kandidatur zurück – Robert, übernimm jetzt bitte‘?“, lautete dann seine Frage. „Politisch würde ich es falsch finden“, antwortete Habeck.
So einfach geht er Lanz nicht auf den Leim: Zu groß wäre jetzt das Risiko, die eigene politische Zukunft für Jahre im Voraus oder sogar endgültig zu ruinieren, während die Chancen, die grüne Karre aus dem nicht von ihm verursachten Dreck wieder nach oben zu ziehen, verschwindend gering ist. Habecks jetzige Lage, wo er die Spitzenposition der weniger erfahrenen, dafür aber ehrgeizigeren Mitstreiterin galant abgetreten hat und nun zusehen kann, wie diese ihre politische Karriere Schritt für Schritt zunichtemacht, ist in der Tat um einiges vorteilhafter.
Gegen Ende der Sendung wollte sich Lanz noch kurz mit dem Mediziner Peter Kremsner zum Dauerthema Impfen und Lockern unterhalten. Der Talkmaster entschuldigte sich beim Experten dafür, dass dieser bis dahin eine knappe Stunde lang schweigend im Studio herumhocken musste.
„Es war gar nicht schlimm, dass ich so lange warten musste“, erwiderte der Mediziner und ergänzte:

„Es war sehr interessant, die wohlgesetzten und ausgewogenen Worte unseres zukünftigen Kanzlers zu hören.“

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