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 - SNA, 1920
Afghanistan
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Ethnische Kirgisen aus Afghanistan fliehen vor den Taliban nach Tadschikistan

© AFP 2021 / STRGrenze zwischen Afghanistan und Tadschikistan
Grenze zwischen Afghanistan und Tadschikistan - SNA, 1920, 15.07.2021
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Während die Taliban in Afghanistan an Macht gewinnen, hat eine Fluchtbewegung der zivilen Bevölkerung ins benachbarte Tadschikistan eingesetzt. Mit ihnen könnten auch radikale Islamisten nach Zentralasien gelangen.
Der Abzug der Nato-Truppen aus Afghanistan und die Macht der Taliban, die täglich zu wachsen scheint, treiben Beobachtern Sorgenfalten auf die Stirn. Wie lange wird sich die fragile afghanische Regierung halten können? Wird es einen Bürgerkrieg geben? Und werden die Islamisten, in Afghanistan wiedererstarkt, auch in die benachbarten Länder vordringen?
Was für einen westlichen Beobachter zwar ein bedrohliches, dank der geografischen Entfernung aber zunächst abstraktes Szenario ist, ist für die benachbarten Regionen eine sehr reale Bedrohung. Laut den Vereinten Nationen haben die Taliban eine Reihe von wichtigen Grenzübergängen nach Tadschikistan, Iran und Pakistan eingenommen, und das sei besorgniserregend. Zudem kontrollieren sie etwa 70 Prozent der afghanisch-tadschikischen Grenze. Im innerafghanischen Kräftemessen haben die Taliban offenbar auch die Oberhand. Erst vergangene Woche waren über 1000 afghanische Soldaten vor den Taliban ins benachbarte Tadschikistan geflohen.
Befürchtet wird, dass Ströme von Flüchtlingen in die angrenzenden Länder folgen werden. Und unter dem Deckmantel der Flüchtlingsbewegung auch extremistische Kräfte. Offenbar scheinen sich die Befürchtungen zu bewahrheiten.
So wurde am Mittwoch vermeldet, dass 347 ethnische Kirgisen aus Afghanistan auf der Flucht vor den Taliban nach Tadschikistan geflohen seien. Die 91 Männer, 77 Frauen und 177 Minderjährigen kamen mitsamt ihren Herden, bestehend aus Ziegen, Yaks, Kamelen und Pferden. Wie Sputnik Tadschikistan berichtet, sind auf dem Weg zwei Säuglinge verstorben.
Mit den Flüchtlingen kamen auch Drogen ins Land. Die Pressestelle der tadschikischen Grenzsicherung teilte am Donnerstag mit, dass bei den Flüchtlingen 3,5 Kilogramm illegaler Substanzen sichergestellt worden seien.
Afghanistan:  Taliban rücken immer weiter vor (Karte) - SNA, 1920, 15.07.2021
Afghanistan
Taliban rücken immer weiter vor – mehrere afghanische Gebiete besetzt
Derweil kehren die Afghanen, die vor den Taliban ins benachbarte Tadschikistan geflohen waren, wieder in ihre Heimat zurück. Die meisten von ihnen seien Angehörige der afghanischen Streitkräfte, von denen mehr als 1000 die Grenze überschritten hatten, schreibt Ria Novosti. Für die Rückführung sorgt die afghanische Regierung mit eigenen Hubschraubern.
Auf die wachsende Bedrohung durch die Taliban reagieren die Nachbarstaaten unterschiedlich. Wie Sputnik Tadschikistan erklärt, versucht Turkmenistan, sowohl mit der afghanischen Regierung als auch mit den Taliban gute Beziehungen aufrechtzuerhalten. Berichte über eine Truppenverstärkung an der Grenze zu Afghanistan habe die turkmenische Regierung zurückgewiesen. Ganz anders Usbekistan. Dessen Armee, die die schlagkräftigste in der ganzen Region ist, sei in volle Kampfbereitschaft versetzt worden. Zugleich setze die Regierung auf konsequente Neutralität. Solange die Landesgrenzen nicht verletzt würden, würde sie auch nicht einschreiten.
Die größte Bedrohung herrsche wohl derzeit für Tadschikistan. Seine Streitkräfte seien schwach, dafür kämen gerade die meisten Flüchtlinge über die afghanisch-tadschikische Grenze. Während das benachbarte Usbekistan afghanische Soldaten, die auf dem Rückzug vor den Taliban die Grenze überschreiten wollten, stets abgewiesen habe, nehme Tadschikistan die fliehenden Soldaten und Zivilisten unter Verweis auf gutnachbarschaftliche Beziehungen auf. Afghanistans Bevölkerung besteht zu einem Drittel aus ethnischen Tadschiken, ein Zehntel sind ethnische Usbeken. Auch Kasachen, Kirgisen, Uiguren und andere ethnische Minderheiten aus Zentralasien leben in Afghanistan und könnten auf der Flucht vor den Taliban nach Tadschikistan kommen. Wie Sputnik Tadschikistan schreibt, seien im Land aber auch etwa 10.000 IS-Kämpfer präsent, die aus Syrien und dem Irak geflohen seien. Diese Kämpfer seien Angehörige gerade dieser Völker. Sie könnten sich problemlos dem Flüchtlingsstrom anschließen, ohne jemandem aufzufallen, und so nach Zentralasien vordringen. Im Fall einer Verschlechterung der Lage an der afghanisch-tadschikischen Grenze hat Russland Tadschikistan seine Unterstützung zugesagt.
Auch der Iran hat Truppen und Panzer an die Grenze mit Afghanistan geschickt, versichert aber, die Lage sei derzeit unter Kontrolle. Der schiitische Iran unterstütze das fundamentalistische sunnitische Modell eines „Staates“, wie die Taliban ihn anstrebten, nicht. Zudem führe er schon viele Jahre einen erbitterten Kampf gegen den Drogenschmuggel, den die Taliban kontrollierten, so Sputnik Tadschikistan.
Die einflussreichen Nachbarn Pakistan, China und Indien haben vielleicht weniger zu befürchten, als die zentralasiatischen Republiken, verfolgen aber auch jeder die eigenen Interessen in Bezug auf Afghanistan. Pakistan gilt als „Wiege“ der Taliban, was die Regierung heute aber bestreitet. Andererseits sind dorthin innerhalb eines Tages mehr als 160 afghanische Soldaten auf dem Rückzug vor den Taliban geflohen. Wie die Financial Times berichtet, hat China den Taliban eine Zusammenarbeit angeboten, wenn diese ihre Zusammenarbeit mit der uigurischen „Islamischen Bewegung Ost-Turkestans“ beendeten. Indien hingegen unterstütze die Regierung in Kabul.
*unter anderem von der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan, Weißrussland) als Terrororganisation eingestuft, deren Tätigkeit in diesen Ländern verboten ist
Unterstützer der Taliban an der afghanisch-pakistanischen Grenze - SNA, 1920, 15.07.2021
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