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Stiko-Chef Mertens: Das ist der Mann, der Spahn und Lauterbach bei Kinderimpfungen Paroli bietet

© AFP 2021 / STEFANIE LOOSBundesgesundheitsminister Jens Spahn und der deutsche Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nach einer Pressekonferenz am 19. März 2021 in Berlin inmitten der COVID-19-Pandemie. Symbolfoto
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der deutsche Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nach einer Pressekonferenz am 19. März 2021 in Berlin inmitten der COVID-19-Pandemie. Symbolfoto - SNA, 1920, 10.07.2021
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Die Beschlüsse der Ständigen Impfkommission zu Kinderimpfungen waren neulich beim Zoff zwischen Hendrik Streeck und Karl Lauterbach ein Thema. Parallel setzt Gesundheitsminister Jens Spahn die Stiko ständig unter Druck. Doch Stiko-Chef Thomas Mertens bleibt unbeirrt – und fällt gerade in Bezug auf Kinder mit einer sehr nüchternen Haltung auf.
Die Corona-Lage verspricht sich zu verschlechtern. Während die indische Delta-Variante sich in Deutschland ausbreitet, kommen noch Lambda und weitere Mutanten dazu. Damit die Infektionszahlen im Herbst nicht explodieren, pocht Gesundheitsminister Spahn (CDU) fast jeden Tag auf Corona-Impfungen für Kinder ab 12 Jahren. Es gebe einen zugelassenen Impfstoff und eine Impfempfehlung, behauptete er am Mittwoch in einem Deutschlandfunk-Interview.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn  im Gespräch mit Außenminister Heiko Maas vor der wöchentlichen Kabinettssitzung in Berlin am 15. Mai 2019. Symbolfoto - SNA, 1920, 07.07.2021
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Nein, die gibt es noch nicht – wenigstens nicht eine allgemeine. Was Spahn vielleicht meint, ist die uneingeschränkte Empfehlung von Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche durch die US-Seuchenschutzbehörde CDC. Oder möglicherweise die Zulassung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) ab 12 Jahren – alles also außerhalb der nationalen Kompetenzen der Stiko und übrigens von Spahn selbst. Die Stiko – anders als die Amerikaner, die EMA und sogar die Weltgesundheitsorganisation WHO – empfiehlt die Corona-Schutzimpfung für 12- bis 17-Jährige immer noch unter ganz bestimmten Voraussetzungen, meistens für vorerkrankte Kinder. Spahn selbst, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach oder SPD-Chefin Saskia Esken fordern die Stiko immer wieder auf, ihre Haltung zu überdenken, und immer wieder gibt der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens ihnen Kontra – zuletzt sichtbar genervt.

Mertens: „Bitte keine Aufforderung von Politikern“

„Die Stiko ist im Gesetz bewusst als unabhängige Kommission angelegt. Die laute Einmischung der Politik ist kontraproduktiv und nützt niemandem“, schrieb Mertens zuletzt auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
„Es gehört zur ständigen Aufgabe der Stiko, Empfehlungen zu überprüfen (nicht nur bei Corona), es bedarf dazu keiner Aufforderung von Politikern“, so Mertens.
Er und sein Team arbeiten ständig mit den neuesten Daten zu Impfungen – und sollten sich schon auskennen. Seit 2017 ist Mertens Vorsitzender der Stiko, als erfahrener Virologe dazu noch Altpräsident der Gesellschaft für Virologie e.V. sowie Mitglied der AWMF-Leitlinienkommission und des Verbands Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland. Noch vor der bedingten Impfempfehlung für Kinder warnte Mertens davor, dass Impfung „kein Lakritzbonbon“ sei, sondern ein medizinischer Eingriff, der entsprechend indiziert sein müsse.

Mertens verweist auf mögliche Herzmuskelentzündung bei jüngeren Menschen

An diesem Mittwoch hat Mertens die Stiko-Entscheidung mit drei Gründen erklärt. In einem „Welt“-Interview sagte Mertens, man müsse zuerst sicher klären, ob diese Impfung für die Gesundheit der Kinder wirklich erforderlich sei – und nicht etwa für die allgemeine epidemische Lage. „Das ist die erste und wichtigste Frage“, denn die Sars-Cov-2-Infektion spiele für Kinder keine wirklich große Rolle – „und das stimmt nach allem, was wir wissen, auch für die Delta-Variante“. Es sei nicht korrekt zu sagen, dass Delta zu schwereren Erkrankungen bei Kindern führe, sagt Mertens – und weist damit schon Karl Lauterbach und dessen Tweets indirekt ab, dass viele Kinder in Großbritannien angeblich mit Delta in Kliniken lägen.
Impfung gegen das Coronavirus in Spanien  - SNA, 1920, 02.07.2021
Schwesig fordert Impfstrategie für Kinder, Stiko sieht bisher keine Notwendigkeit
Der zweite Punkt ist laut Mertens, dass, wenn die Infektion oder die Erkrankung bei Kindern keine schwerwiegenden Konsequenzen habe, man dann umso sicherer sein müsse, dass die Impfung auch wirklich keine Nebenwirkungen habe. „Hier ist das Problem, dass dieser Impfstoff gerade bei jüngeren Menschen – sowohl Knaben als auch Mädchen – eine Herzmuskelentzündung hervorrufen kann, die zwar, nach dem, was man bisher gesehen hat, in aller Regel mild verläuft und vorbeigeht. Wir wissen aber auf der anderen Seite, dass eine solche Herzmuskelentzündung auch die Ursache für eine spätere Herzinsuffizienz, also für die Minderleistung des Herzens sein kann.“ Man müsse sich also sicher sein, dass der Impfstoff in dieser Altersgruppe keine Schäden anrichtet.
Als dritten Punkt lehnt Mertens eine Verknüpfung von Impfungen mit Schulöffnungen als „nicht korrekt“ ab. Die Stiko sei der Meinung, dass es durchaus möglich sei, Schulen offen zu halten, ohne dass man alle gesunden Kinder impfe. Dass einige Schulvertreter dann sagen würden, die Impfung sei der einzige Garant für die geöffneten Schulen, sei ebenfalls „nicht korrekt“, so Mertens.

Stiko am RKI vs. RKI selbst?

Interessanterweise sind die Stiko und Mertens auch diejenigen, die neulich gefordert haben, die Maßnahmen zum Corona-Infektionsschutz an Schulen zu überprüfen. Fraglich sei, ob beispielsweise Massentestungen von Schülerinnen und Schülern sinnvoll und wirksam seien, sagte Mertens der „Schwäbischen Zeitung“. Man sollte darüber nachdenken, ob es wirklich wichtig sei, infizierte Kinder ohne Symptome durch eine solche Testung zu entdecken. Möglicherweise würde es reichen, Kinder, die bereits Symptome hätten, frühzeitig zu identifizieren und zu isolieren.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht mit dem SPD-Politiker und Professor für Gesundheitsökonomie und Epidemiologie Karl Lauterbach vor einer Pressekonferenz zur Situation der Coronavirus, Januar 2021. Symbolfoto - SNA, 1920, 09.07.2021
Wegen Kinderimpfungen: Hendrik Streeck bringt Karl Lauterbach live in Bedrängnis
Mit ihrer Einschätzung zu Kinderimpfungen weicht die Stiko – diese ehrenamtliche, politisch und weltanschaulich unabhängige 18-köpfige Expertengruppe beim Robert Koch-Institut (RKI) – von der Haltung des RKI ab. Das Institut hat in dieser Woche seine Impfziele angepasst – und fordert im neuen Epidemiologischen Bulletin dazu auf, eine Impfquote von 85 Prozent schon bei Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren zu erreichen.
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