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Mit dieser im Westen kaum bekannten Methode findet Russland immer wieder neues Öl – SNA-Interview

Erdöl (Symbolbild) - SNA, 1920, 10.07.2021
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Ein neues Buch betrachtet Energie-Formen von Gegenwart und möglicher Zukunft. Autor Helmut Böttiger spricht mit SNA News über Energie-Politik und Russlands Rohstoff-Strategien. „Ich gehe von einer abiotischen Entstehung des Erdöls aus“, erklärt er. „Dies beruht auf einer erfolgreichen russischen Methode.“ Zeitgleich warnt er vor „Klima-Hysterie“.
Buchautor Helmut Böttiger bespricht in seinem neuen Werk „Energie der Zukunft“ die wissenschaftlich strittige Frage, was Erdöl aus physikalischer Sicht nun tatsächlich ist. „Die Diskussion geht um die Frage: Biologische oder abiologische (nicht-biologische, Anm. d. Red.) Entstehung von Kohlenwasserstoffen – also Gas, Öl und Kohle“, sagte er dazu im Interview mit SNA News. „Da ist vor allem Dmitri Iwanowitsch Mendelejew weltpolitisch besonders wichtig.“
Der russische Forscher und Chemiker Mendelejew (1834-1907, gestorben in St. Petersburg) sagte zu Lebzeiten dem Autor zufolge, dass „die sogenannten fossilen Energien eben nicht fossil sind. Mit dieser These des abiotischen Ursprungs dieser Energieträger wurden und werden in Russland unterirdische Lagerstätten gefunden, die für Sedimente überhaupt nicht zugänglich sind. Diese Methode wurde in Russland entwickelt und dort auch praktisch genutzt. Im Westen hat man diese nicht aufgegriffen.“
Bis auf wenige Ausnahmen. Demnach gibt es vereinzelt westliche Forscher, die genau diesen russischen Ansatz verfolgen und die Böttiger in seinem Buch näher beschreibt. Zum naturwissenschaftlichen Hintergrund: Die „klassische“ Theorie zur Entstehung von Erdöl geht davon aus, dass sich biologische Materialien wie Algen, Plankton und höhere Lebewesen nach dem Absterben auf den Meeresboden absenken und dort ins Sediment einlagern.
Sonnenwärmekraftwerk im Gebiet Wolgograd, Südrussland - SNA, 1920, 12.02.2021
„Russland hat höchstes Potenzial für erneuerbare Energien weltweit“: Energiepolitiker Saathoff
„Schon 1757 hatte der russische Naturwissenschaftler Michail Lomonossow in einem Vortrag die These aufgestellt, dass es sich bei Erdöl um ein Konzentrat großer Mengen tierischer und pflanzlicher Überreste handelt, die vor Jahrmillionen von Sedimentgestein überlagert worden waren“, schreibt Böttiger in seinem Buch. Eine frühe Fehleinschätzung, wie er im Gespräch einordnet.

Russlands Rohstoffe „stören Machtinteressen westlicher Akteure“

Russland als global bedeutender Gas- und Öl-Exporteur bietet aus seiner Sicht „sogenannte fossile Energien an – ich halte diese eben nicht für fossil – und verteilt diese großzügig auf den Weltmarkt. Das Land war früher wirtschaftlich sehr stark vom Energie-Export abhängig.“
Der alte und „auch der neue Kalte Krieg versuchte und versucht, über Preise und Import-Beschränkungen Russland wirtschaftliche Schwierigkeiten zu machen. Nehmen Sie die heutige Diskussion um die Ostsee-Pipeline (Nord Stream 2, Anm. d. Red.). Heute stört der Export russischer Rohstoffe die beabsichtigte Güterverknappung, die von der Hochfinanz zur Stabilisierung ihrer Herrschaftsstruktur über Politik und Gesellschaft benötigt wird. Von daher wird Russland wieder einmal zum Bösewicht gemacht.“
Gleichzeitig warnte er vor immer weiter zunehmenden, geopolitischen Spannungen, vor allem gegen Moskau und China gerichtet.
Ölpreise (Symbolbild) - SNA, 1920, 04.03.2021
Aussicht auf gute Marktlage: Ölpreise steigen vor OPEC-Treffen
Wie die Moskauer Zeitung „Kommersant“ kürzlich berichtete, konnte die als Opec+ bekannte Allianz aus den größten Öl-Exporteuren der Welt einschließlich der Russischen Föderation „beim letzten Treffen keine Einigung über zukünftige Fördermengen erzielen“. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hätten die von Saudi-Arabien und Russland vereinbarte Option einer langsamen Quotenerhöhung blockiert.

Wie entsteht Erdöl tatsächlich?

Der Autor erklärt: „Wichtiger ist in diesem Zusammenhang noch das Recycling von CO₂ in der Natur. Einmal zwischen Pflanzen und Tieren. Denn ohne CO₂, die entscheidende Nahrung für Pflanzen, läuft nichts. Diese setzen das um, machen daraus Kohlenhydrate, von dem die Tiere im Wesentlichen leben.“
Darüber hinaus sei die Zirkulation von CO₂ über Kalkstein „noch wichtiger von der Größenordnung her. Das CO₂ wird im Meer in bis zu 5000 Meter Tiefe gebunden in Kalkstein, der sich ablagert. Über die Krustenverschiebung gelangt dieses Material dann ins Magma und löst sich dort auf. Unter Einwirkung von Eisenerz als Katalysator unter hohem Druck und hoher Temperatur entstehen dort tatsächlich Kohlenwasserstoffe. Das ist in den USA experimentell nachgewiesen worden. Das ist also möglich.“
Die „bekannten Ölreserven haben sich inzwischen nicht erschöpft, sondern stetig vermehrt“, schreibt der Autor in seinem Buch zur Energie der Zukunft. Dabei nennt er frühere Entdeckungen von Lagerstätten, darunter „riesige neue Gas-, auch gewaltige neue Ölfelder (…), zum Beispiel vor der Küste Israels, im russischen Festlandsockel vor der Barentssee an der arktischen Küste“.
Karin Kneissl (Archiv) - SNA, 1920, 04.06.2021
Neue „Rosneft“-Aufsichtsrätin Karin Kneissl: Endlich Frau in Spitzenamt eines Erdöl-Weltkonzerns
Das Werk zitiert eine Meldung von „The Barent Observer“ vom November 2020: „Die Firma Rosneft erklärte Putin, ihr neues Arktis-Projekt würde das größte globale Ölprojekt werden.“
Erdöl werde demnach direkt aus dem Boden gewonnen und fülle sich immer wieder „neu auf“, sozusagen.
In der damaligen UdSSR „hat ab 1959 Nikolai Kudrjawzew die Theorie Mendelejews aufgegriffen und weiter ausgebaut. Auf seine Initiative suchte man in der Sowjetunion vorwiegend in und unter dichten Urgesteinsschichten nach Erdöl und wurde fündig. Nach dieser Theorie befanden sich Kohlenwasserstoffe bereits reichlich in der Staubmaterie, aus der sich die Erde vor etwa 4,5 Milliarden Jahren zusammengeballt hat. Nach seinen Untersuchungen sei es unwahrscheinlich, dass die Unmengen an Erdöl, die gefördert wurden und heute noch gefördert werden, aus fossilen Biomassen entstanden sein konnten. Er stützte sich dabei vor allem auf Erdölfunde in Regionen Russlands, wo eigentlich nach geowissenschaftlichen Erkenntnissen kein Öl vorkommen sollte.“
Autor Böttiger bespricht im Buch darüber hinaus auch „nichtkonventionelle Kohlenwasserstoffpotenziale wie Schieferöl, Ölsand, Schwerstöl (oder Naturasphalt) sowie Tight Gas (sehr tief in der Erdkruste gestautes Erdgas), Schiefergas und Kohleflözgase“.

„Politische Propaganda behauptet es: Aber Öl wird nicht ausgehen“

Nicht besorgt sei er hinsichtlich des immer wieder beschworenen „Peak Oil“. Darunter versteht man das Ende der weltweiten Öl-Förderung. „Das ist natürlich Propaganda. Heutzutage werden im Jahr mehr Lagerstätten entdeckt, als tatsächlich Öl verbraucht wird.“ Erdöl, Gas und Kohle seien eben keine knappen Güter. Doch aus machtpolitischen Gründen werde dieses löchrige Argument immer wieder angeführt.
US Flagge (Symbolbild) - SNA, 1920, 03.07.2021
„Deutschland: Verraten und verkauft“ – Einfluss der USA und das „Feindbild Russland“
„Man braucht diese künstliche Verknappung, um eine Gesellschaft ‚stationär‘ zu halten. Das heißt: Die Herrschaftsstruktur zu erhalten. Und eben keine evolutionäre Entwicklung der Menschheit zuzulassen. Die Verknappung ist der entscheidende Faktor (für die wahren Herrscher dieser Welt, Anm. d. Red.). Deswegen auch diese falsche Klimawandel-Hypothese.“
„Ohne Energie läuft nichts“, stellte der hessische Autor grundsätzlich klar. „Daher ist Energie das gesellschaftspolitische Macht-Instrument schlechthin. Energieverfügbarkeit ist das Mittel, um wirtschaftlichen Überfluss oder Knappheit einzustellen. Sie entscheidet über Wohlstand oder Armut in der breiten Bevölkerung.“

„Klima-Panik“: Warum „stationäre Kräfte“ keine Veränderung wollen

Eine „massive Indoktrinierung und Gleichschaltung der Medien“ führe im gleichen Atemzug zu einer ungenügend informierten Bevölkerung, kritisierte Böttiger. Nicht nur bei der Frage, woraus Öl nun tatsächlich besteht.
„Nehmen wir das klassische Beispiel des Klimaschutzes, der heute quasi als Selbstverständlichkeit gilt. Durch CO₂-Vermeidung. Dafür gibt es aber bisher keinen wissenschaftlichen Beweis. Aber es gibt hinreichend viele wissenschaftliche Beweise für die Unhaltbarkeit und Falschheit der Behauptungen, auf die sich diese Propagandisten des Klimaschutzes berufen. Nur werden die Kritiker eben nicht veröffentlicht. Die intelligenteren Politiker – das sind nicht alle – wissen das natürlich, unterstützen aber um des persönlichen Vorteils willen den Betrug. An der Energiewende wird verdient, in breiten Kreisen der Unternehmen. Auf Kosten der ärmeren Bevölkerung. Einiges dazu habe ich im Buch geschrieben.“
In der aktuellen Corona-Pandemie geschehe Ähnliches, monierte er. „Mittels Übertreibungen.“
Flaggen Russlands und Deutschlands (Symbolbild) - SNA, 1920, 18.05.2021
Russland „robuster als andere Länder“ in der Krise – Handel mit Deutschland wächst
Letztlich hätten „stationär“ ausgerichtete Kräfte ein Interesse daran, in der aktuellen Weltordnung ihre Macht zu halten. Vorgeschobene Gründe seien hierbei die angebliche Verknappung von Rohstoffen wie Öl, Gas oder Kohle. Dadurch würden sie die Politik von Ländern bestimmen, Weltmarktpreise nach oben treiben und mögliche technische Neuerungen, die „evolutionären“ Charakter haben, verhindern.
Im zweiten Teil des Interviews, das am Sonntag erscheint, geht der SNA-Interviewpartner näher darauf ein.
Helmut Böttiger: „Energie der Zukunft: Nuklear, fossil oder erneuerbar?“, Michael Imhof Verlag, Petersberg, 1. Auflage, April 2021, 208 Seiten, 19,95 Euro. Das Buch ist im Handel oder direkt beim Verlag erhältlich.
Das komplette Radio-Interview mit Dr. Helmut Böttiger zum Nachhören:
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