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Frauen in der Sportberichterstattung gleichstellen - DOSB

© CC0 / Free-Photos / PixabaySportlerinnen (Symbolbild)
Sportlerinnen (Symbolbild) - SNA, 1920, 09.07.2021
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In einem offenen Brief an die Medien macht der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) darauf aufmerksam, dass Athletinnen in der Sportberichterstattung gegenüber ihren männlichen Kollegen fortwährend benachteiligt werden.
„Ungeachtet der Leistungen von Sportlerinnen werden die Inhalte von (Sport-)Medien immer noch vom Männersport dominiert“, heißt es in dem Schreiben. Aktuell würden Athletinnen, mit Ausnahme von Großveranstaltungen wie Olympischen und Paralympischen Spielen, nur etwa zehn Prozent der medialen Aufmerksamkeit bekommen. Dies führe zu geringerer Wertschätzung in der Öffentlichkeit und geringeren Einnahmen durch Sponsoring und Werbung.
Der DOSB fordere deswegen die Gewährleistung einer ausgewogenen und gleichwertigen Sportberichterstattung ohne stereotype und diskriminierende Darstellungen von Sportlerinnen in Wort und Bild.
Den offenen Brief des DOSB hat die Initiative „Genderleicht“ zum Anlass genommen, um mit mehreren Frauen vom Fach über Sportjournalismus und Gleichstellung zu sprechen.
„Genderleicht“ ist nach eigenen Angaben eine Initiative des Journalistinnenbundes. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und hat zum Ziel, Impulse und Hilfestellung zu einer gendersensiblen Arbeitsweise im Alltag zu geben.
Die Olympischen Sommerspiele von Tokio seien die ersten, bei denen gleich viele Athletinnen und Athleten antreten würden, ruft die Autorin Anna Poth in Erinnerung. Das sei eine positive Entwicklung, doch wie sehe es eigentlich mit Transgender-Sportlern aus? Dafür gebe es noch keine zufriedenstellende Lösung, sagt Ulrike Spitz, Pressesprecherin des DOSB. Der Sport sei stark an der binären Geschlechterordnung ausgerichtet und bei gleichem Trainingszustand und Talent seien nun einmal Männer physisch im Vorteil gegenüber Frauen, beispielsweise beim Sprint über 100 Meter. Der DOSB konzentriere sich darauf, aufzuklären und Ängste abzubauen. Hinsichtlich der gendersensiblen Sprache habe der DOSB intern die Empfehlung ausgegeben, das Gendersternchen zu benutzen. Das habe sich inzwischen auch durchgesetzt, doch es sei kein Zwang, sondern eine Empfehlung, betont Spitz.
Von Sportjournalistin Stefanie Opitz will Poth wissen, wie sich die Arbeit im Sportressort in den über 20 Jahren ihrer Karriere verändert habe.
„Vor 20 Jahren war der Umgangston noch viel rauer“, erinnert sich die ZDF-Sportreporterin. „Und man hat eben bei sexistischen Witzen mitgelacht, weil man dazugehören wollte. Das mache ich heute nicht mehr. Da kommt von mir direkt eine Erwiderung. Heute ist es schon ein anderer Umgang und ich fühle mich als Frau akzeptiert und angenommen. Das Problem ist, dass wir überwiegend über Männersport berichten. Auch das Publikum ist stark männlich geprägt. Und solange wir nicht auch gleichberechtigt über Frauensport berichten, klammern wir eine große Zielgruppe immer noch aus, nämlich Frauen.“
Dass man sehr wohl über Frauensport berichten kann, zeigt Nina Probst, Chefredakteurin des 2021 mit dem „Goldenen Blogger Award“ ausgezeichneten Portals Sportfrauen.net. Dieser berichtet disziplinenübergreifend ausschließlich über Frauen im Sport und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Die Reaktionen seien sehr positiv und manche Leser würden neu hinzukommen, die sich zuvor überhaupt nicht mit Frauensport auseinandergesetzt hätten, so Probst. Dass die meisten Sportredaktionen nach wie vor ihren Fokus auf Männersport legen, erklärt sie sich so, dass sie den gängigen Richtlinien folgen. Es interessiert das, worüber alle berichten, und das ist traditionell der Männersport. Vom Gendern hält die Bloggerin nicht viel, denn sie glaubt, damit erreiche man eh nur die Menschen, die bereits gendersensibel sind.
Dass es trotz aller Bemühungen um Gleichstellung immer noch sehr wenige Frauen in den Sportressorts gibt, sei weniger dem Umstand geschuldet, dass es nicht viele gut geeignete Frauen gebe, sagt Sportreporterin Stefanie Opitz. Vielmehr fehle es an Vorbildern.
„Mir muss klar sein, dass ich mich in einen Bereich begebe, in dem ich mich der Konkurrenz und der Kritik stellen muss. Viele sprechen auch von dem sogenannten dicken Fell. Doch ich möchte mir kein dickes Fell anschaffen. Ich möchte so bleiben wie ich bin. Denn, wenn ich mir ein dickes Fell überziehe, erbringe ich wieder die Anpassungsleistung an das männlich geprägte System, um akzeptiert zu werden. Und in dem System sind auch Männer tätig, die an dem festhalten wollen, was sie immer schon gemacht haben.“
Wenn es doch mal passiert, dass sich Frauen in der Männerdomäne durchsetzen und sportliche Großereignisse kommentieren, hagelt es regelmäßig Beleidigungen seitens der Zuschauer, wie zuletzt beim ZDF, als Claudia Neumann bei der Fußball-EM kommentierte. Ähnlich erging es ZDF-Reporterin Anja Fröhlich im vergangenen Winter, als sie erstmalig beim Biathlon-Weltcup kommentierte. Als Frau müsse man leider damit rechnen, dass man angegangen werde, weil man eine Frau ist, bestätigt Sportreporterin Opitz. Sie wünsche sich, dass Frauen sich trotzdem trauten, in den Sportjournalismus zu gehen, denn nur so könne es irgendwann normal werden, dass auch Frauen über Sport berichteten.
Für die Zukunft wünscht sich Nina Probst ein größeres Bewusstsein bei den Redaktionen. Dass man davon wegkommt, nur über das zu berichten, was die meisten Klicks bringt, und ein realistischeres Bild vom Sport zeichnet.
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