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Bedeutet der BREST-Energieblock eine Revolution in der Atomenergetik?

© AP Photo / Christof StacheAtomkraftwerk (Symbolbild)
Atomkraftwerk (Symbolbild)  - SNA, 1920, 09.07.2021
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Die kleine Stadt Sewersk im Gebiet Tomsk (Sibirien) wurde zum weltweit ersten Standort für den Reaktor BREST-OD-300, der in der Lage ist, abgebrannten Kernstoff neu anzureichern. Radioaktiver Abfall, der beim Betrieb von Atomkraftwerken alter Art entsteht, wird hier zum Brennstoff verarbeitet, mit dem der BREST betrieben werden soll.
Er selbst produziert keinen Abfall, weil er ihn wieder aufarbeitet und wiederverwendet. Daraus ergibt sich eine abfallfreie Produktion. Sergej Kondratjew vom Institut für Energiewirtschaft und Finanzen meint, dass sich die richtige Revolution noch nicht vollzogen habe. „Als Revolution würde ich den Bau von Schnellreaktoren in Russland bezeichnen. Inzwischen sind sie seit geraumer Zeit in Betrieb. Diesen Reaktoren mögen unterschiedliche Technologien zugrunde liegen, aber die Klasse an sich wird schon lange Zeit benutzt. Etwa das Kernkraftwerk Belojarsk bei Jekaterinburg östlich des Urals besitzt sie seit mehreren Jahrzehnten.“
Das, was gegenwärtig errichtet wird, hat mit der Technologie der „schnellen Spaltung“ zu tun. Mit BREST (diese Abkürzung steht für die russischen Worte „bleigekühlter Schnellreaktor [mit] natürlicher Sicherung“) will man den Kernbrennstoffkreislauf schließen und das Atommüllproblem lösen, da der Abfall ja gewöhnlich irgendwo gelagert werden muss. „Wir schließen ihn faktisch aus dem Zyklus aus, indem wir ihn aufarbeiten“, so der Experte. Das ist wichtig sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus ökologischer Sicht.
Auf der einen Seite erlaube dies, urteilt Kondratjew, „den Wunsch der Kernphysiker zu erfüllen, der für Russland aktuell ist, weil Russlands Vorräte an Uranerz bescheiden sind. Diese Technologie erlaubt es nämlich, Brennstoff auch für thermische Reaktoren zu erzeugen und dadurch das Problem der schrumpfenden Brennstoffbasis zu meistern, was auch für die ganze Welt aktuell ist. Auf der anderen Seite wird damit die allgemeine wirtschaftliche Effizienz des Kernstoffzyklus erhöht. Wir versorgen uns mit Energie für ein neues Jahrtausend. Dadurch werden natürlich die Elektrizitätserzeugungskosten reduziert.“
Da Russland bereits Schnellreaktoren habe, habe sich folglich die Revolution bereits vollzogen, fährt der Experte fort. „Dabei ist für uns besonders wichtig, wie bald der BREST in Serie geht. Das soll laut Versprechen 2030 geschehen. Dies wäre sehr wünschenswert, denn Schnellreaktoren haben eine Reihe von Nachteilen, welche zum Beispiel die Franzosen gezwungen haben, ihr Projekt aufzugeben. In Russland liegen die technologischen Probleme nicht vor, wohl aber das Kostenproblem. Die einschlägigen Kraftwerksblöcke sind ziemlich teuer, was die Investitionen betrifft, denn selbst die gewöhnlichen thermischen Reaktoren kosten ziemlich viel und diese neuen erst recht. Das hält ihren Bau zum Teil auf.“
Und weiter meint der Wissenschaftler: „Sollte der föderalen Atombehörde Rosatom auch wirtschaftlich ein Durchbruch gelingen, sodass sie die Ausgaben unter Kontrolle bringt und die Kosten dieser Kraftwerksblöcke niedrig halten kann, etwa wenn sie in Serie gehen, wenn wir also mehrere Reaktoren von Typ BREST zugleich bauen können, wobei die Ausgaben entscheidend reduziert werden, dann ließe sich behaupten, dass auch diese Revolution sich vollzogen habe. Würden sie massenweise errichtet, wäre der Effekt für die Branche schon spürbar.“

Soll sich auch Deutschland den Atomwiedereinstieg überlegen?

Dies würde ihm schwerfallen, ist sich Kondratjew sicher, „weil der Verzicht auf Schnellreaktoren gegenwärtig wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Dabei werden dort auch nicht sehr alte Kraftwerksblöcke stillgelegt, sozusagen präventiv, wobei man Einnahmen verliert und die Gewinne der eigenen Energieproduzenten beschneidet. Da spielt sowohl die öffentliche Meinung als auch die Einstellung einzelner Parteien, insbesondere der Grünen, eine Rolle. Selbst falls man sie mit einer neuen qualitätsvollen Kerntechnologie konfrontiert, wird es einem Mühe kosten, sie zu überzeugen, dass sie davon Gebrauch machen könnten.“
„Zum anderen legen die Länder, die ähnliche ziemlich sensible ausländische Technologien erwerben, großen Wert auf das Vorhandensein fertiger Kraftwerksblöcke“, ergänzt der Experte. „Sie müssen sich vergewissern, dass diese Technologien gut funktionieren, dass sie auch in ihrem Anbieterland sich als sicher erweisen. Deshalb empfiehlt es sich, zwei oder mehrere Blöcke zu bauen, damit Delegationen von Experten bzw. Ingenieuren sie besuchen und nachsehen können, wie das auch funktioniert.“
Laut dem Präsidenten des Kurtschatow-Instituts für Atomenergie, Michail Kowaltschuk, ist die Kernenergie ihrem Wesen nach einmalig. Sie ist kohlenstofffrei, verbrennt keinen Sauerstoff und erzeugt keine Abgase. So gesehen wird sie den Anforderungen der heutigen Zivilisation vollkommen gerecht. Sie hat nur ein Aber, und das ist der radioaktive Abfall. Darum lässt sich eben die Schließung des nuklearen Brennstoffkreislaufs, wobei das, was der Natur entnommen worden ist, faktisch ohne Schaden in sie zurückgebracht wird, als naturähnliche Atomenergiewirtschaft einstufen.
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