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ARD will „Weltspiegel“ in die „Todeszone“ verbannen

© AP Photo / Michael SohnARD (Symbolbild)
ARD (Symbolbild) - SNA, 1920, 09.07.2021
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Aufregung bei der ARD: Die neue Programmdirektorin Christine Strobl hat offenbar vor, die Traditionssendung „Weltspiegel“ von der Primetime am Sonntag auf den späten Montagabend zu verschieben. Journalisten reagierten mit einem Protestschreiben.
Das ARD-Fernsehmagazin „Weltspiegel“ soll laut einer Stellungnahme der Redaktion seinen prominenten Sendeplatz um 19.20 Uhr am Sonntag verlieren und auf 22.50 Uhr am Montag verschoben werden. Nun versuchen 45 Korrespondenten und Redakteure mit einem Appell an die Intendanzen, Direktionen und Chefredaktionen, diese Verschiebung zu verhindern.

„Unser lineares Publikum ist nicht jung“

„Die Verschiebung des seit 58 Jahren eingeübten ‚Weltspiegel‘-Sendeplatzes am Sonntagabend auf den Montag um 22.50 Uhr ist eine drastische Schwächung der Auslandsberichterstattung im Ersten“, heißt es in dem Dokument. „Unser lineares Stammpublikum ist nicht jung und wird uns um diese Uhrzeit wohl kaum im bisherigen Maße treu bleiben.“
„Alle anderen Magazine im Ersten, ob Politik oder Wirtschaft, sind unter der Woche vor den ‚Tagesthemen‘ platziert, allein das Ausland sendet dann in der ‚Todeszone‘“, fügen die Unterzeichner hinzu.
Damit nicht genug. Die Rede ist davon, die Zahl der „Weltspiegel“-Ausgaben im Laufe eines Jahres von 44 auf 39 zu verringern. Die Formate „Weltspiegel Reportage“ und „Weltspiegel Extra“ werden dann voraussichtlich völlig gestrichen.

„Das klingt gerade so, als würden wir nicht in einer zunehmend vernetzten Welt leben, in der politische Krisen und Kriege, Pandemien, Klimawandel und andere globale Themen permanent und zunehmend unser Leben beeinflussen“, beklagen sich die Verfasser des Schreibens.

ARD (Symbolbild) - SNA, 1920, 06.07.2021
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Neue ARD-Programmdirektorin will Akzente verschieben

„Alles in allem birgt das geplante Schema, so wie wir es jetzt interpretieren müssen, keine guten Perspektiven für die Auslandsberichterstattung“, schreiben die ARD-Journalisten.

„Eine Stärkung des politischen Renommees der ARD können wir nicht erkennen.“

Nach ihrem Amtsantritt am 1. Mai hatte die neue ARD-Programmdirektorin Christine Strobl ihre Absicht verkündet, Akzente im Sendeschema des Ersten in Richtung mehr Infotainment und Filme zu verschieben – mit dem Ziel, mit den Pay-TV-Anbietern erfolgreich zu konkurrieren und mehr Jugendliche als Fernsehzuschauer zu gewinnen.
Die Verfasser des Schreibens räumen zwar ein, dass sie die geplante Stärkung filmischer Formate richtig finden, dies sollte aber nicht auf Kosten der Auslandsberichterstattung geschehen, denn „der Weltspiegel gehört zum Kernauftrag der ARD“.
Einen ähnlichen Konflikt hatte die ARD bereits vor knapp zwei Jahren erlebt. Damals ging es ebenfalls um eine Verschiebung des „Weltspiegels“, die allerdings mit einem Brief der Redaktion an den damaligen Programmdirektor Volker Herres verhindert werden konnte.
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Muss die ARD sparen?

Wie die neuerliche Auseinandersetzung ausgeht, lässt sich momentan schwer vorhersagen. Einerseits liegt offenbar vorerst kein verbindliches Dokument über das neue Sendeschema vor – die Verfasser des Schreibens stützen sich, wie sie selbst zugeben, „auf Details über das geplante neue Sendeschema im Ersten, die uns über verschiedene Wege erreichen“.
Andererseits würde eine solche Programmänderung mit den von Christine Strobl angekündigten Vorhaben im Einklang stehen. Ins Gewicht fallen sicherlich auch mögliche weitere Beschneidungen des ARD-Etats. Insofern wäre nicht auszuschließen, dass einer „Degradierung“ des TV-Magazins „Weltspiegel“ auch personelle Kürzungen folgen würden.
Mit dem Amtsantritt der neuen Programmdirektorin war der Weggang gleich mehrerer bekannter ARD-Gesichter zeitlich zusammengefallen: Linda Zervakis, Pinar Atalay und Jan Hofer wechselten zu privaten TV-Sendern. Der pekuniäre Aspekt dürfte dabei auch eine Rolle gespielt haben.
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