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EURO 2020: Der Gewinner kommt aus Asien

© CC0 / jarmoluk / PixabayFußball (Symbolbild)
Fußball (Symbolbild) - SNA, 1920, 08.07.2021
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Das Finale der Fußball-EM 2021 steht noch bevor, ein Gewinner ist aber bereits bekannt. Mit einem offensiven Auftreten beim EM-Sponsoring haben China und dortige Unternehmen viel an Prestige und Einfluss gewonnen. Europäische Firmen schauen mit Argwohn zu und „ahnen Schlimmes“.
Die Fußball-Übertragungen von der Europameisterschaft lieferten im Sommer 2021 ein ungewohntes Bild: An den Werbebanden um die Fußballfelder – ob in London, St. Petersburg, Glasgow oder Budapest – waren nicht selten auch chinesische Schriftzeichen zu „lesen“. Die altgewohnten Firmenlogos von Volkswagen und Heineken wichen zunehmend den in Europa vorerst noch wenig bekannten Marken wie Vivo oder AntChain.

TikTok, Vivo oder Alipay: Uefa öffnet den Chinesen Tür und Tor

War der Haushaltswaren-Hersteller Hisense bei der Fußball-EM 2016 der einzige Sponsor aus dem Reich der Mitte, so kommt in diesem Jahr bereits ein Drittel der Werbepartner aus der VR China. Während Hisense schon bei der Fußball-WM 2018 in Russland dabei war, feiern die anderen chinesischen Unternehmen jetzt ihr Debüt bei einem großen Fußball-Event in Europa.
Der Smartphone-Hersteller Vivo, der momentan nur in vier europäischen Ländern bekannt ist, verbindet mit dem Sponsoring begründete Hoffnungen auf die Eroberung weiterer Märkte in Europa. TikTok ist zwar bereits äußerst populär in Europa, es ist aber jetzt das erste Mal, dass ein soziales Netzwerk zu einem Hauptsponsor großer internationaler Sportwettkämpfe geworden ist. Selbstverständlich macht dies das hauptsächlich auf junges Auditorium gemünzte Unternehmen nicht nur populärer, sondern lässt es auch „solider“ erscheinen.
Der zur Alibaba-Gruppe gehörende Tech-Konzern AntChain hat einen Fünfjahresvertrag mit der Uefa geschlossen. Bei der EURO 2020 sponsert er unter anderem die Trophäe für den besten Torjäger der Europameisterschaft. Das Schwesterunternehmen Alipay hatte bereits 2018 einen achtjährigen Vertrag mit der Europäischen Fußball-Union geschlossen, der einen Wert von 200 Millionen Euro hat.
„Diese Unternehmen haben sehr oft mehr Geld für das Sponsoring als die westlichen Unternehmen“, betonte Simon Chadwick, Direktor des Zentrums für die Eurasische Sportindustrie an der Emlyon Business School in Frankreich.

„Außerdem ist die Leistung der chinesischen Wirtschaft stärker. Das hat zur Folge, dass chinesische Unternehmen reicher und ökonomisch mächtiger geworden sind.“

Als Newcomer auf dem europäischen Werbemarkt hätten die Chinesen auch etwas andere Aufgaben als europäische Firmen, äußerte Chadwick in einem Deutschlandfunk-Interview. „Die Chinesen streben nach Sichtbarkeit, viele europäische Unternehmen wollen eine längerfristige Kundenbindung ausbauen.“
Fans von England auf dem Wembley-Stadion - SNA, 1920, 06.07.2021
Londons Bürgermeister verlost unter Impfwilligen Eintrittskarten für EM-Finale

Will China über TikTok spionieren?

Dass die besagte „Leistung der chinesischen Wirtschaft“ stärker als in Europa ist, ist mittlerweile allgemein bekannt, wie auch die Tatsache, dass die Volksrepublik momentan auf dem besten Wege ist, dem globalen wirtschaftlichen Einfluss der Vereinigten Staaten die Stirn zu bieten.
Für Europa würde dies unter anderem bedeuten, sich mit politischen, wirtschaftlichen und ethischen Gepflogenheiten abfinden zu müssen, die sich von den europäischen unterscheiden. In puncto Sicherheit und speziell Datenschutz gibt es bereits jetzt große Bedenken.
Dies betrifft beispielsweise das Online-Bezahlsystem Alipay, das jetzt als der offizielle Bezahlungsdienstleister der Fußball-EM agiert. Seit 2020 wird Alibaba – und damit auch Alipay – vom chinesischen Staat kontrolliert. Das bedeutet, dass chinesische Geheimdienste Zugriff auf die Kundendaten bekommen haben. „Wir müssen uns alle darauf einstellen, dass Sicherheitsbehörden und speziell auch gerade die Geheimdienste sich sehr genau dafür interessieren“, zitierte der Deutschlandfunk den Datenschutzbeauftragten von Baden-Württemberg, Stefan Brink. „Insbesondere, wie wir bezahlen, an wen wir bezahlen und welche Bezahldienste wir dabei nutzen.“
Ähnliche Bedenken äußerte Brink auch in Bezug auf TikTok:

„Wir haben es am Beispiel von TikTok gesehen, dass Unternehmen, die auch in Europa und den USA sehr erfolgreich sind, tatsächlich im chinesischen Eigentum stehen. Und da muss immer die Frage gestellt werden: Wie sicher sind die Daten dort und welche persönlichen Daten sollte man chinesischen Unternehmen anvertrauen?“

Fußball-WM 2030 in China?

Die chinesische Sponsor-Offensive bei der EURO 2020 hat auch ein weitreichenderes Ziel – die Austragung der Fußball-WM 2030 in der Volksrepublik. Die Fifa-Entscheidung über den Austragungsort ist bereits im nächsten Jahr fällig. Voraussichtlich wird der Weltfußballverband zwischen China und Südamerika wählen müssen: Argentinien, Chile, Uruguay und Paraguay haben vor, gemeinsam für die Austragung der WM 2030 zu kandidieren.
Nicht überraschend ist deshalb, dass Chinas Unternehmen bei der südamerikanischen Fußball-Meisterschaft Copa America, die parallel zur Fußball-EM verläuft, besonders aktiv sind: Drei der vier Hauptsponsoren der Wettkämpfe kommen aus China. Einer davon ist der chinesische Impfhersteller Sinovac, der 50.000 Dosen Corona-Impfstoff aus seiner Produktion gespendet hat – eine Soft-Power-Geste, die bei der Wahl des Gastgebers der WM 2030 ebenfalls ins Gewicht fallen könnte. Simon Chadwick stellte in diesem Zusammenhang fest:

„Im Fall von Sinovac können wir sehen, dass der Impfstoff ein wichtiger Teil der chinesischen Diplomatie ist.“

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