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Geschlecht und Gender ungenügend bei Covid-19-Studien berücksichtigt – Studie

© REUTERS / KAI PFAFFENBACHEin Covid-19-Patient im Klinikum Darmstadt
Ein Covid-19-Patient im Klinikum Darmstadt - SNA, 1920, 07.07.2021
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Die Geschlechtszugehörigkeit von Covid-19-Patienten wird unzureichend in medizinischen Studien berücksichtigt, obwohl der Verlauf der Erkrankung und daher auch die Behandlungsmethoden sich bei Männern und Frauen unterscheiden. Darauf weist eine Studie eines internationalen Forscherteams hin, an der sich die Universität Bielefeld beteiligt hat.
„Eine neue Metaanalyse von fast 4500 klinischen Studien zeigt: Nur vier Prozent der ausgewerteten Studien sehen ausdrücklich vor, Geschlecht und Gender als Aspekte in ihre Analyse einzubeziehen“, heißt es in einer Mitteilung der Universität.
Die Studie, an der auch Wissenschaftler von einer niederländischen und zwei dänischen Unis teilnahmen, wurde demnach in der wissenschaftlichen Open-Access-Zeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.
Während der Pandemie habe sich herausgestellt, dass Männer beispielsweise häufiger von schweren Krankheitsverläufen betroffen seien, öfter im Krankenhaus behandelt werden müssten und auch im Zusammenhang mit dem Virus auch öfter stärben.
Außerdem gebe es einen Zusammenhang zwischen Gender und folgerichtig auch der sozialen Geschlechterrolle sowie der Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Virus anzustecken: Frauen seien häufiger als Männer als Pflegekräfte tätig und würden häufiger in Berufen mit viel Kontakt zu Kund*innen und Auftraggeber*innen arbeiten, wodurch das Ansteckungsrisiko steige.
„Das zeigt: Gender und Geschlecht müssen in klinischen Studien und in der Gesundheitspolitik berücksichtigt werden“, wird Professorin Dr. med. Sabine Oertelt-Prigione, Letztautorin der Studie, in der Mitteilung zitiert. Arzneimittel und nicht-pharmakologische Maßnahmen könnten also eine unterschiedliche Auswirkung auf die Patienten und Patientinnen haben – abhängig davon, ob sie weiblich oder männlich seien.

Geschlecht wird nur von einem Fünftel der Studien berücksichtigt

Von den analysierten 4420 Covid-19-Studien, die bei der US-amerikanische Datenbank ClinicalTrials.gov eingetragen seien, sollen 935 (21,2 Prozent) Geschlecht oder Gender als einzige Kategorie zur Auswahl von Probanden und Probandinnen angegeben.
Nur 178 Studien (vier Prozent) hätten Geschlecht oder Gender als geplante Variable in der Analyse erwähnt. Weitere 237 Studien (5,4 Prozent) hätten geschlechtsspezifische oder repräsentative Stichproben eingeplant oder die Bedeutung von Geschlecht oder Gender hervorgehoben. I
In 124 Studien (2,8 Prozent) seien die Probanden jeweils ausschließlich Frauen oder Männer. 100 dieser Studien hätten die Auswirkungen des Virus oder einer bestimmten Behandlung auf Frauen untersucht. Die weiteren 24 Studien hätten sich mit den Effekten auf Männer befasst. Studien mit dem Fokus auf Frauen hätten meistens den Einfluss von Corona auf den Ausgang von Schwangerschaften untersucht.
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Zeitdruck als Grund?

Oertelt-Prigione sieht den Grund für solche Verhältnisse im Zeitdruck: „Manche Forschenden befürchten, sie müssten mehr Proband*innen einbeziehen, wenn ihre Studie Geschlechtsunterschiede berücksichtigen soll. Diese Forschenden nehmen an, dass die Zusammenstellung der Untersuchungsgruppe dadurch länger dauert. Insbesondere in der frühen Phase der Pandemie haben sie unter hohem Zeitdruck gearbeitet.“
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Aber auch Hoffnungen darauf, dass im Verlauf der Pandemie zunehmend mehr Studienprotokolle mit dem Fokus Geschlecht und Gender auf ClinicalTrials.gov registriert werden sollten, habe sich nicht bewährt, hob die Erstautorin der Studie, Dr. Emer Brady von der Universität Aarhus (Dänemark), hervor. Der Aspekt Geschlecht und Gender sei nur in einem Fünftel der publizierten Studien erfasst oder in der Analyse erwähnt worden, sagte sie.
„Wir sehen zunehmend, dass Frauen und Männer auf die Behandlung mit Medikamenten unterschiedlich reagieren“, sagte Oertelt-Prigione. Wenn dieser Zusammenhang in Studien ignoriert werde, könne das langfristig zu ernsthaften ungewollten Nebeneffekten führen.
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