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Kafkas „Prozess“ wird Realität: Anwalt erklärt Französin für tot – ohne Sterbeurkunde

© AFP 2021 / PoolFranzösin für tot erklärt
Französin für tot erklärt  - SNA, 1920, 06.07.2021
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Vor fünf Jahren hat das französische Gericht die damals 53-jährige Jeanne Pouchain offiziell für tot erklärt. Seitdem zieht sich die Geschichte in die Länge – Pouchain kämpft weiterhin darum, ihre Existenz zu beweisen. Nun wurde der Fall von der französischen Anwaltskammer neu aufgerollt und wird inzwischen überprüft.
Auslöser des Vorfalls war ein Rechtsstreit mit einer ehemaligen Arbeitnehmerin im Jahr 2000.
2016 lehnten französische Behörden Jeanne Pouchains Antrag auf einen Reisepass ab. Anfangs dachte sich die ehemalige Chefin einer Reinigungsfirma laut „The Guardian“ nichts dabei und vermutete nur, dass sie irgendein wichtiges Dokument vergessen haben müsse.
Kurz danach wurde auch ihre Versicherungskarte bei einem Arzttermin nicht angenommen, was Pouchain zunächst mit einem technischen Fehler und der berüchtigten französischen Bürokratie in Zusammenhang brachte. Als kurz darauf ihr Konto plötzlich ins Minus rutschte, läuteten bei der Französin die Alarmglocken.
Im November 2017 erhielt ihre Familie einen Brief, in dem sie für tot erklärt wurde. Ein Anwalt hatte nämlich in einem Gerichtsverfahren zu ihrem Reinigungsunternehmen dem Gericht mitgeteilt, dass sie im Februar 2016 im Alter von 53 Jahren gestorben sei.
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Pouchain hat keine Ahnung, wer ihrer Bank, Sozialversicherung und anderen Verwaltungsstellen mitgeteilt hat, dass sie tot ist und konnte auch nicht herausfinden, wie das ohne Sterbeurkunde möglich war.
Selbst nachdem die Frau den Behörden ein ärztliches Attest vorgelegt hatte, wurde ihr jegliche Hilfe verweigert. Die Beamten hatten nur darauf verwiesen, dass niemand, der am Leben sei, für tot erklärt werden könne, und diese Frage außerhalb ihrer Kompetenz liege.

"Ich werde weiterkämpfen"

Mehr als dreieinhalb Jahre kämpft Pouchain nun wortwörtlich ums Überleben und will den französischen Behörden das scheinbar Offensichtliche beweisen: Nämlich, dass sie durchaus lebendig ist.
„Die letzten drei Jahre waren ein Albtraum. Es ist wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ – das erste, woran ich jeden Morgen denke“.
Für Pouchain bedeutet „administrativ tot“ zu sein, keinen Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem und keine Medikamente gegen ihre Diabetes- und Schilddrüsenerkrankung zu haben – es sei denn, sie bezahlt sie aus eigener Tasche. Inzwischen bekam sie ihre erste Covid-19-Impfung und musste dafür 150 Euro springen lassen.
Nach mehreren gescheiterten Versuchen gelang es Pouchain, einen Anwalt zu finden, der ihren Fall übernahm. Er hat eine Klage wegen Betrugs und falscher Aussagen beim Strafgericht sowie einen separaten Fall beim Zivilgericht eingereicht. Die früheste Anhörung soll am 31. August stattfinden.
„Mein Leben wird danach nie mehr dasselbe sein – selbst, wenn ich wieder auferstehen sollte. Seit 20 Jahren werde ich wegen dieses Gerichtsverfahrens schikaniert, und schließlich haben sie den Sarg zugenagelt, indem sie meinen Tod erklärten. Ich werde weiterkämpfen, weil ich es muss, aber ich muss einen Weg finden, mich wieder aufzubauen“, offenbart Pouchain.
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