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Afghanistan
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Statt in USA zu reisen: Sollte Kramp-Karrenbauer Afghanistan-Heimkehrer an der Rollbahn empfangen?

© REUTERS / HAUKE-CHRISTIAN DITTRICHBundeswehrsoldaten kehren aus Afghanistan zurück
Bundeswehrsoldaten kehren aus Afghanistan zurück - SNA, 1920, 05.07.2021
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Als die Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan am Mittwochnachmittag in Wunstorf angekommen sind, war kein Politiker an der Rollbahn, nicht einmal die Ministerin Kramp-Karrenbauer. Ein FAZ-Artikel sammelte am Wochenende viele Reaktionen, das Verteidigungsministerium sollte anschließend alles erklären. Die Frage nach der Wertschätzung bleibt jedoch.
An diesem Samstag hat Kramp-Karrenbauer die Bundeswehrsoldaten in Mali besucht, wo sie eine Woche zuvor Ziel eines Selbstmordanschlags auf ausländische Soldaten waren. Zwölf deutsche Soldaten wurden dabei verletzt. Am Mittwochnachmittag, als die Afghanistan-Heimkehrer nach 20 Jahren Einsatz in Deutschland angekommen waren, war sie aber nach Washington gereist – um sich dort die Unterstützung des Pentagon-Chefs Lloyd Austin zu holen – klar. Solche Termine lassen sich nur schwer verschieben. Als Kramp-Karrenbauer in einem ARD-Interview am Donnerstag die Heimkehr der Soldaten doch anspricht, äußerte sie, sie sei froh, „dass alle Männer und Frauen gesund nach Hause gekommen sind“. Wirklich alle?
Es ist nicht verwunderlich, dass der Kommentar des FAZ-Herausgebers Berthold Kohler „Fußballspieler kann man so behandeln – Soldaten nicht“ dann bei vielen Lesern Zuspruch gefunden hat und die Diskussion über den Umfang mit den „ausgedienten“ Soldaten auf das Wochenende übertragen hat. „Kein Politiker begrüßte die Heimkehrer aus Afghanistan. Sie hätten schon an diesem Tag sichtbare Anerkennung verdient gehabt“, suggerierte da Kohler. Kein Politiker habe an der Rollbahn in Wunstorf gestanden, nicht einmal ein Abgeordneter oder ein Landrat, anders, als wenn Masken oder Impfstoffe ankommen würden. „59 von ihnen kamen nicht lebend zurück“, erinnerte er. „Die Lebenden wie die Toten hätten schon an diesem symbolischen Tag sichtbare Anerkennung und Dankbarkeit verdient, nicht erst bei einem Festakt, den es noch geben soll.“
„Niemand war da, das ist genauso bezeichnend, wie beschämend“, merkte auch der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, dazu an. „Jedes Entwicklungsland behandelt seine Streitkräfte besser, mit Respekt und Wertschätzung, Deutschland kriegt es nicht hin, wenigstens ein persönliches Danke zu sagen. <...> Die Bevölkerung achtet und respektiert Euch, die Bevölkerung ist dankbar für Euren Einsatz!“

Verteidigungsministerium nimmt Stellung – die Frage bleibt jedoch

Angesprochen auf das Thema, hat der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums Arne Collatz den Focus von einer Begrüßung vor Ort auf ein potenziell feierliches Ereignis verlegt. „Es ist ja nicht so, dass wir nicht bei der Truppe gefragt hätten, wie sie sich das denn wünscht.“ Es seien also keine Regierungsvertreter im Flughafen gewesen, weil sie eine schnelle Heimkehr der Soldaten zu den Familien und Angehörigen nicht verzögern wollten. Wären hochrangige Politiker vor Ort gewesen, fügte der Sprecher hinzu, hätte dies womöglich als Missbrauch der Soldaten als Kulisse missverstanden werden können. Eine Würdigung des Einsatzes werde aber am 31. August mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stattfinden, so Collatz. Da müssten halt alle rund 160.000 Soldatinnen und Soldaten berücksichtigt werden, nicht nur die letzten Heimkehrer des letzten Kontingents.
Die Frage: nicht nach einem feierlichen Abschlussappell auf dem Theaterplatz, sondern nach einem menschlichen zeitgerechten Dankeschön als Zeichen der Wertschätzung vor Ort – bleibt jedoch. Muss eine deutsche Verteidigungsministerin Zeit dafür Zeit haben oder nicht? Und welche moralische Aussagekraft hat die fehlende Geste? Neulich wurde klar, dass Deutschland für die Ortskräfte, die den Deutschen jahrelang geholfen haben, keine schnelle Lösung gefunden hat – und diese sich wegen der unsicheren Lage in Afghanistan nun bedroht fühlen.
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