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Ex-Bundespräsident Gauck sieht Ostdeutsche „doppelt herausgefordert“

© AFP 2021 / AXEL SCHMIDTDeutschlands ehemaliger Präsident Joachim Gauck
Deutschlands ehemaliger Präsident Joachim Gauck - SNA, 1920, 05.07.2021
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Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat die Rolle von politischer Bildung und Zivilcourage in Zeiten einer zunehmenden Polarisierung hoch bewertet. Dies berichtet die Deutsche Presse-Agentur.
„Wir brauchen die Auseinandersetzung, entschlossen und deutlich, aber ohne Ausgrenzung und vor allem ohne Verachtung“, sagte Gauck am Montag in Mittweida in einer digitalen Jubiläumsveranstaltung zum 30. Geburtstag der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung.
Kontroversen seien kein „lästiges Übel“, sondern notwendige Voraussetzung für das Gelingen der Demokratie. Nur im Disput ließen sich Alternativen prüfen und Kompromisse finden, die von möglichst vielen mitgetragen würden.
Die Ostdeutschen sieht Gauck von der heutigen Zeit „doppelt herausgefordert“: zum einen nach wie vor durch die „Prägungen und den Systemwechsel von 1989“ und zusammen mit anderen Menschen in vielen Teilen der Welt durch Umbrüche und Krisen. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Globalisierung, Klimawandel und auch die Corona-Pandemie verunsicherten Menschen rund um den Globus, so Gauck. „In solchen Situationen, wenn die Ängste stark sind, dann erfassen populistische Parolen Teile der Bevölkerung.“
Gauck verwies auf rechtspopulistische Strömungen etwa in Polen, Ungarn oder Brasilien sowie auf linkspopulistische Tendenzen in Teilen Lateinamerikas. „Hier wie dort hoffen Wähler auf starke Anführer, die ihnen trotz komplexer Lage einfache Lösungen vorschlagen.“
In der Breite der Gesellschaft habe er, Gauck, zuweilen den fehlenden Willen ausgemacht, konstruktiven Streit zwischen unterschiedlichen Polen zu ertragen. „Lassen Sie uns mit allen, die das Argument schätzen und nicht die Wutkeule schwingen, in das politische Gespräch eintreten“, forderte das ehemalige Staatsoberhaupt. Die große Mehrheit der Menschen in Ostdeutschland denke und wähle so wie die Mehrheit der Westdeutschen, betonte Gauck. „Und die große Mehrheit ist froh und glücklich, in der Demokratie angekommen zu sein.“
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