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„Eine Schande für Fußball“: Wie Medien EURO 2020 für politische Zwecke ausschlachten

© SNA / Alexander Wilf  / Zur BilddatenbankEuro 2020
Euro 2020 - SNA, 1920, 05.07.2021
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„Zum Glück sind die Deutschen gegen England rausgeflogen. Jetzt kann es wieder um den Sport gehen“, hat jüngst die Schweizer „Weltwoche“ geschrieben. Es seien die Deutschen, die „die EM politisch aufgeladen“ hätten. Deutsche Mainstream-Medien liefern genügend Grund für diese Behauptung.
Das Uefa-Verbot, die Münchner Allianz-Arena zum Spiel Deutschland gegen Ungarn in Regenbogen-Farben zu beleuchten, war zwei Tage lang das Top-Thema der deutschen „Leitmedien“. Zumindest ein „politisches“ Ziel hat der Rummel erwirkt: Ungarns Premier sagte den Besuch im letzten Moment ab. Viktor Orban hatte ursprünglich die Absicht, die Begegnung im Münchener Stadion zu erleben. War dies aber wirklich ein Sieg der „progressiven politischen Kräfte“?

Medien als politische Moralapostel

„Seit Beginn der Fußball-Europameisterschaft habe ich ein gesteigertes Vergnügen daran, Mannschaften scheitern zu sehen, die von antiliberalen Machtmenschen regiert werden“, schrieb der „Frankfurter Rundschau“-Kommentator Harry Nutt.

„Putin, Orban, Erdogan, Duda – sie alle werden bei dieser EM keine Gelegenheit mehr erhalten, sich im Lichte sportlicher Erfolge ihrer Mannschaften feiern zu lassen. Gut so.“
Es wäre interessant, diesen Autor zu beobachten, wenn die Russen etwa im Eiskunstlaufen triumphieren oder wenn ein Russe ein Grand-Slam-Tennisturnier gewinnt. Würde er dann solche Ereignisse als einen Rückschlag für die positive Entwicklung der Weltgeschichte bewerten?
Andersrum gefragt: Was wäre geschehen, hätte das Bundesteam bei der Fußball-Europameisterschaft Gold erkämpft? „Die Weltwoche“ schreibt dazu:

„Nicht auszudenken, wie sich das Land an seiner politischen Moral berauscht hätte, wäre es Europameister geworden.“

Aus dieser Passage lässt sich leicht schließen, warum der „Weltwoche“-Autor aus seiner Freude über das frühe Aus der deutschen Mannschaft keinen Hehl macht und wie stark nicht nur ihn ein EM-Sieg der Deutschen geärgert hätte.
Aber auch nach dem frühen Ausscheiden des DFB-Teams blieben die „Leitmedien“ ihrer politischen Moralapostel-Rolle treu. So ließ die ARD im Vorfeld des Spiels Dänemark gegen Tschechien in Baku ihren Korrespondenten Robert Kempe ziemlich langatmig die Zuschauer darüber aufklären, wie repressiv das Regime in Aserbaidschan sei.
Als eine willkommene Bestätigung des „repressiven Charakters“ der aserbaidschanischen Politik wurde dann eine Szene auf der Tribüne des Stadions in Baku breitgetreten, als die dortigen Ordnungshüter einen dänischen Fußball-Fan daran hinderten, seine Regenbogen-Fahne zu zeigen. „Bild“, „Focus“, „Stern“ – ziemlich alle deutschen Medien reagierten mit geübter Entrüstung darauf.

„Dieser Moment ist eine Schande für den Fußball“, schrieb etwa der „Stern“ – anscheinend ohne zu merken, wie absurd und propagandistisch das klingt.

Londoner Wembley-Stadion - SNA, 1920, 29.06.2021
England gegen Deutschland: Der „Klassiker“ und der Krieg

Sport zur politischen Bühne zweckentfremdet

Es geht dabei vielmehr um ein vorgeschriebenes politisches Spektakel und weniger um persönliche Überzeugung. Davon zeugte die Tatsache, dass der englische Team-Kapitän Harry Kane, der beim Spiel gegen Deutschland genauso wie Manuel Neuer eine Regenbogen-Binde getragen hatte, beim Viertelfinale gegen die Ukraine wieder die von der Uefa standardisierte Kapitänsbinde anhatte. Auch das Niederknien vor dem Anpfiff praktizieren mittlerweile nur die Engländer und sonst keine Nationalmannschaften.

„Fußballspieler sollen spielen, nicht knien“, hieß es in diesem Zusammenhang in der „Neuen Zürcher Zeitung“.

Keine Frage: Politik und Sport sind zunehmend schwer voneinander zu trennen. Größere Sportevents sind mittlerweile zu grandiosen weltweiten Medienereignissen geworden, deren TV-Übertragungen Milliarden von Menschen erreichen und insofern durchaus dazu geeignet sind, diese für politische Zwecke zu gebrauchen bzw. zu missbrauchen. Nicht zufällig gibt es an deutschen Sportschulen inzwischen auch Fachkräfte für diese Thematik. Einer von ihnen, Jürgen Mittag, Professor für Sport und Politik an der Deutschen Sporthochschule Köln, wurde kürzlich im Deutschlandfunk zitiert: Es bestehe die Gefahr, dass der Sport zur politischen Bühne und somit zweckentfremdet werde. Bemerkenswert dabei, dass der Professor diese Tendenz als „Gefahr“ charakterisiert.
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