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Das Curevac-Dilemma: Die Dosis macht den Schutz – und lässt sich nicht steigern

© REUTERS / YVES HERMANDosis des CureVac-Impfstoffes
Dosis des CureVac-Impfstoffes - SNA, 1920, 02.07.2021
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Der Curevac-Impfstoff ist nur zu 48 Prozent wirksam, was an seiner niedrigen Dosierung liegt. Aber höher dosiert wäre er schlecht verträglich. Über die Chancen für die Zulassung des Vakzins hat SNA mit Peter Kremsner, dem Leiter der Curevac-Studie, gesprochen.
48 Prozent – das ist der Schutz gegen eine Corona-Infektion, den der Curevac-Impfstoff dem Geimpften verleihen soll, steht in einer Pressemitteilung am Mittwoch. Aber woran liegt es, dass der mRNA-Impfstoff so weit hinter den beiden anderen Impfstoffen von Biontech und Moderna liegt, die doch auf demselben Prinzip aufbauen?

Die Dosis macht den Schutz

Es liegt an der Dosis, erläutert Peter Kremsner, Leiter der Curevac-Studie, gegenüber SNA. „Wir haben in der Phase-1-Prüfung gesehen, dass wir nicht höher dosieren können. Wir haben bei zwei Mikrogramm begonnen und uns dann nach oben herangetastet. Bei zwölf Mikrogramm war dann der Anschlag erreicht, was die Verträglichkeit betrifft“, so der Forscher. Da die Forscher bei dieser Dosierung Antikörper im Blut der Studienteilnehmer messen konnten, haben sie auf diese höchstmögliche Dosierung gesetzt und mit dieser die Zulassungsstudie durchgeführt.

Die Varianten sind es nicht

Ist das Ergebnis womöglich mit den Varianten zu erklären? „Es gibt zwar mittlerweile sehr viele Varianten, die die Arbeit nicht einfacher machen. Aber man muss auch sehen, dass andere Impfstoffe – so wie es im Moment aussieht – gegen alle Varianten sehr gut bis exzellent wirken, allen voran die beiden anderen mRNA-Impfstoffe“, sagt Kremsner. „Zeitgleich mit den Curevac-Daten sind auch die Daten der Phase-III-Studie der Novavax-Impfung herausgekommen, die eine Wirksamkeit von 90 Prozent und mehr gegen die letztlich gleichen Varianten zeigten. Die Varianten alleine sind es also nicht, auch wenn sie einen Teil beigetragen haben mögen. Es ist sehr wahrscheinlich die Dosis.“
Dosis des CureVac-Impfstoffes - SNA, 1920, 01.07.2021
Curevac-Chef Haas geht von Impfstoff-Zulassung in der EU aus – trotz nur 48 Prozent Effizienz

Ein Baustein aus dem Gen-Code macht wohl den Unterschied

Und die musste wahrscheinlich so gewählt werden, weil Curevac einen anderen Weg eingeschlagen hat als Moderna und Biontech. Alle drei Hersteller bedienen sich der Gensequenz des Spike-Proteins, wie sie am Anfang der Corona-Pandemie durch Erbgutanalysen des Virus bekannt geworden war.
Aber während Curevac auf eine natürliche RNA gesetzt hat, wie sie auch in menschlichen Zellen vorkommt, haben Moderna und Biontech diese abgewandelt. Genau genommen haben sie einen Baustein aus dem Gen-Code, das Uridin, durch einen ähnlichen, das Pseudouridin, ersetzt. Hintergrund dafür waren Abstoßungsreaktionen uridinhaltiger RNA in Tierexperimenten, die durch Pseudouridin behoben werden konnten.
„Das ist grundsätzlich eine Möglichkeit und ist auch wahrscheinlich“, findet Kremsner. „Durch die Veränderung der RNA konnte wahrscheinlich eine Verträglichkeit bei höherer Dosierung erreicht werden. Es hängt also sehr wahrscheinlich damit zusammen.“

Wer und wo wird Curevac einsetzen?

Da also die maximale Menge bereits erreicht ist und nicht höher dosiert werden kann, lässt sich die Wirksamkeit des Curevac-Impfstoffs offenbar nicht steigern. Dennoch findet der Studienleiter:
„Ich nehme an, dass der Impfstoff von der Europäischen Arzneimittelbehörde zugelassen wird, weil die Sicherheit gut ist und die Verträglichkeit ordentlich. Eine Wirksamkeit ist auch vorhanden. Aber wer diesen Impfstoff dann einsetzen will und wo – das ist eine zweite Sache, die noch nicht so klar ist.“
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht es anders und sagte gegenüber der „Rheinischen Post", dass es bei deutlich wirksameren Impfstoffen „keinen Platz für einen Impfstoff, der nicht so gut ist“, gebe.
Der Einsatz von Curevac könnte damit eher dort zu finden sein, wo akuter Impfstoffmangel herrscht. Immerhin schütze er zu 77 Prozent gegen schwere Verläufe, und keiner der Geimpften habe ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen oder sei verstorben, ist der Pressemitteilung von Curevac zu entnehmen.
Das Interview mit Peter Kremsner zum Nachhören:
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