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Plagiatsjagd auf Baerbock: Gutachter Weber einmal selbst von den Grünen mit „Rufmord“ beauftragt

© REUTERS / CHRISTIAN MANGAnnalena Baerbock, Ko-Chefin und Kanzlerkandidatin der Grünen, nimmt am 26. Juni 2021 in Berlin an einer Fernsehdebatte teil.
Annalena Baerbock, Ko-Chefin und Kanzlerkandidatin der Grünen, nimmt am 26. Juni 2021 in Berlin an einer Fernsehdebatte teil. - SNA, 1920, 01.07.2021
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In der Geschichte um die Plagiatsvorwürfe gegen die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock lässt sich die Ironie des Schicksals mit einer plausiblen Recherche leicht erkennen. Jetzt Opfer einer „Kampagne“, hat die Partei auf der EU-Ebene schon wenigstens einmal zu einer ähnlichen Methode gegriffen.
Der österreichische Plagiatsjäger Dr. Stefan Weber besteht weiterhin darauf, dass er angebliche Plagiate in Baerbocks Buch „aus Eigeninteresse und ohne Bezahlauftrag“ prüfe. Er habe auch „keinen Auftraggeber, mit dem vereinbart worden wäre, genau dies zu behaupten: nämlich, dass es keinen Auftrag gäbe“, steht in seiner Pressemitteilung. Medien wie T-Online verdächtigen trotzdem Hintermänner hinter Webers Plagiatsvorwürfen, und die Grünen wehren sich gegen die „Schmutzkampagne“ der Medien gegen die Kanzlerkandidatin, die sich laut der Europaabgeordneten Hannah Neumann mit den von Ex-US-Präsident Donald Trump inszenierten Wahlkampfkampagnen vergleichen lässt. Das sei auch ein „Versuch von Rufmord“, beklagte ein Grünen-Sprecher. Weber versuche, „bösartig“ Baerbocks Ruf zu schädigen.
Spannend wird es, wenn sich plötzlich herausstellt, dass gerade die Grünen-Fraktion im EU-Parlament dieselbe Methode, gegen die sie sich wehrt, wenigstens einmal verwendet hat, nämlich mithilfe von Stefan Weber. So wird es zumindest von der Fraktion auf deren offizieller Seite selbst behauptet - aber erst 2019. Zusammen mit Dr. Helmut Burtscher-Schaden, Mitbegründer der Europäischen Bürgerinitiative „Stopp Glyphosat“ und Autor des Buchs „Die Akte Glyphosat“, soll Weber demnach 2017 ein Gutachten erstellt haben, in dem die Frage untersucht wurde, ob das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), von der CDU gegründet und geführt, bei der Beurteilung von Glyphosat Passagen vom Hersteller Monsanto übernommen habe. Laut dem Gutachter Weber soll es gerade der Fall gewesen sein.

Glyphosat-Gutachten zumindest teilweise von Grünen beauftragt

Von den Plagiatsvorwürfen gegen den Glyphosat-Bericht des BfR berichtete auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. „Durch das Gutachten von Stefan Weber ist jetzt unzweifelhaft belegt: Die Behörden haben ihren amtlichen Glyphosat-Persilschein zu großen Teilen einfach von Monsanto kopiert. Dabei hat mir die Bundesregierung auf meine ganz konkrete Nachfrage schon im Jahr 2015 versichert, der Bewertungsbericht stamme 'aus der Feder der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesinstituts für Risikobewertung'“, erklärte Ebner dabei. Die Glyphosat-Kritik stand also schon auf der politischen Agenda der Grünen, klar. Mit dem positiven Gutachten wurde dem BfR quasi vorgeworfen, sich von Monsanto oder der Agrarwirtschaft kaufen oder beeinflussen zu lassen und damit Menschenleben zu riskieren.
Es bleibt allerdings die Frage, wer das Glyphosat-Gutachten 2017 tatsächlich in Auftrag gegeben bzw. finanziert hatte. Die Grünen-Fraktion in Brüssel, die EFA, will das Gutachten selbst beauftragt haben. Die Schwesterorganisation des deutschen BUND, Global 2000, behauptet auf ihrer Homepage ebenfalls, sie hätte das Gutachten in Auftrag gegeben.
Grünen-Chefin Annalena Baerbock (Archivbild) - SNA, 1920, 29.06.2021
Teile von Buch abgeschrieben? Plagiatsvorwürfe gegen Baerbock – Grüne sprechen von „Rufmord“
„Es sei ‚offensichtlich, dass das BfR keine eigenständige Bewertung der zitierten Studien vorgenommen hat‘, sagt Dr. Stefan Weber, der im Auftrag von GLOBAL 2000 einPlagiatsgutachten erstellt hat“, schreibt die Organisation dabei zu dem veröffentlichten Gutachten. Das Portal „Tichys Einblick“, das über eine mögliche Zusammenarbeit der Grünen mit Weber 2017 zuvor berichtete, weist dabei auf eine Kofinanzierung des Gutachtens durch die Grünen, die Sozialdemokraten und die Linke hin. Die europäischen Grünen hätten damals Webers Studie zu einem Drittel finanziert und auch ansonsten eng zusammengearbeitet, beharrt Tichy unter Hinweis auf die eigenen Recherchen. So oder so, den Grünen dürfte die Arbeit mit den Plagiatsvorwürfen zu politischen Zwecken nicht ganz unbekannt sein. SNA hat wegen einer Klärung bereits bei Dr. Stefan Weber angefragt.
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