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Gefährliche Delta-Variante? KV-Chef Gassen warnt vor „Panikmache“

Corona-Impfstoff - SNA, 1920, 01.07.2021
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Angesichts der Diskussionen über die Delta-Variante des Coronavirus hat Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), vor „Panikmache“ gewarnt. Es sei nicht belegt, dass die ansteckendere Variante auch gefährlicher sei.
Die aus Indien stammende Delta-Variante des Coronavirus ist in Europa angekommen, und wenn man der Einschätzung von RKI-Präsident Lothar Wieler folgen will, ist die neue Variante bereits für etwa die Hälfte aller Neuinfektionen in Deutschland verantwortlich. Bis Ende August könnten es europaweit sogar 90 Prozent sein, so die Prognose der europäischen Seuchenschutzbehörde (ECDC). Delta soll Experten zufolge 40 bis 80 Prozent ansteckender sein als Alpha, also die Variante, die bis Anfang 2021 für das Infektionsgeschehen verantwortlich war. Doch macht das die neuartige Variante automatisch gefährlicher? Und wie sollte man darauf reagieren? Darüber scheiden sich derzeit die Geister.
In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) warnt Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), vor Panikmache. Es sei bei einer Viruspandemie völlig normal, dass sich Mutationen ausbreiten, stellt der Mediziner eingangs klar. „Aber deshalb müssen wir nicht in Panik verfallen. Ich halte die Debatte derzeit für in Teilen fast schon hysterisch. Es ist aber unverantwortlich, immer wieder mit Endzeitszenarien zu operieren.“ Man müsse sich mit den neuen Entwicklungen auseinandersetzen und mit angemessener Ruhe und Vorsicht reagieren, so Gassen.
Delta sei zwar ansteckender, aber nach dem aktuellen Erkenntnisstand nicht wesentlich gefährlicher als die bisherigen Varianten.Infektionszahlen könnten dadurch zwar wieder steigen, das müsse jedoch nicht bedeuten, dass sich damit auch der Anteil der schweren Erkrankungen erhöhe, zumal immer mehr Menschen geimpft und dadurch zuverlässig geschützt seien. „Aber der von einigen verbreitete Alarmismus ist völlig fehl am Platz.“
Der Bundesregierung stellt Gassen kein gutes Zeugnis in der Pandemiebekämpfung aus. Sie habe in anderthalb Jahren Corona offenbar nichts dazugelernt und reagiere stumpf mit den gleichen Mechanismen. Der KV-Chef befürchtet, dass mit steigenden Inzidenzen auch wieder Forderungen nach einem Lockdown kommen werden.
Angesichts der Urlaubssaison und der seit Mittwoch aufgehobenen Reisebeschränkungen plädiert Gassen für eine rationale Vorgehensweise in puncto Reiseregeln. Vollständig Geimpfte sollten aus seiner Sicht nicht in Quarantäne gehen müssen, die vierzehntägige Isolation von negativ Getesteten müsse auch hinterfragt werden.
Angesprochen auf die Debatte, ob die Ständige Impfkommission (Stiko) nun doch eine Impfempfehlung für 12- bis 17-Jährige aussprechen sollte, wie das zuletzt vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach gefordert wurde, sagte Gassen dem RND, er halte das für hochproblematisch und wissenschaftlich fragwürdig. Studien aus Großbritannien hätten bisher keine belastbaren Zahlen liefern können, dass mit Delta infizierte Kinder und Jugendliche tatsächlich schwerer erkrankten.

„Die Stiko sollte daher bei ihrer Haltung bleiben, es sei denn, die wissenschaftlichen Erkenntnisse verändern sich in der nächsten Zeit. Es ist unverantwortlich, jetzt den Druck auf die Kinder und Jugendlichen sowie deren Eltern zu erhöhen“, so der Mediziner gegenüber dem RND.

Statt Kinder und Jugendliche durchzuimpfen, empfiehlt er, ihr unmittelbares Umfeld, als Eltern und Lehrer, zu impfen, um die Jüngeren vor Ansteckung zu schützen. Zurück zum Präsenzunterricht sollten die Kinder angesichts der „enormen Bildungslücken und Schäden“, die in den letzten Monaten entstanden seien, unbedingt. Der Unterricht sollte auch möglichst ohne Masken abgehalten werden. Entsprechende Lüftungsanlagen sollten die Schulen ja inzwischen haben.
Dafür, dass sich in der Bevölkerung inzwischen eine gewisse Impfmüdigkeit auszubreiten scheint, macht der KV-Chef nicht in erster Linie die oft schwierige Terminvergabe in Arztpraxen und Impfzentren verantwortlich. Er befürchte vielmehr, dass es die Politik selbst sei, die die Impfmüdigkeit verursache.
„Wenn bei jeder neuen Mutante Panik verbreitet wird, sagen sich nicht wenige, ist doch eh für die Katz, ich lasse es sein mit dem Impfen. Wenn man den Menschen dann auch noch sagt, dass ihnen beim Reisen eine Impfung gar nichts nützt, weil sie bei der Rückkehr alle in Quarantäne gesteckt werden, treibt das die Impfkampagne auch nicht gerade an.“
Auf Twitter sorgte das Gassen-Interview des RND für eine Vielzahl an Reaktionen, die durchaus gemischt ausfielen. Dieser Nutzer beispielsweise bezweifelt die Kompetenz des KV-Chefs, der kein Virologe, sondern Orthopäde, Unfallchirurg und Rheumatologe ist.
In eine ähnliche Richtung geht auch dieser Tweet:
Es gibt aber auch solche, die sich Gassens Aussage zur „Panikmache“ anschließen.
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