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„Kompletter Quatsch“: Plagiatsforscher Weber zu Vorwürfen der Grünen

CC BY-SA 2.0 / Heinrich-Böll-Stiftung / Stephan RoehlAnnalena Baerbock (Archivbild)
Annalena Baerbock (Archivbild) - SNA, 1920, 30.06.2021
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Der Medienwissenschaftler Stefan Weber hat aus eigenem Antrieb das Baerbock-Buch auf Plagiate hin abgeklopft. Das erklärt er an „Eides statt“ in einer Mitteilung. Zugleich bezeichnet er die Vorwürfe der Grünen als „kompletten Quatsch“ – und legt mit neuen Stellen aus dem Buch der Kanzlerkandidatin der Grünen nach.
Der Medienwissenschaftler und Lektor Stefan Weber hat das Buch „Jetzt: Wie wir unser Land erneuern“ der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock analysiert und ist in seinem Blog zu dem Schluss gekommen, dass die Politikerin stellenweise abgeschrieben hatte. So schnell wie der Plagiatsvorwurf kam auch die Antwort der Grünen, Webers Analyse sei ein bösartiges Verhalten und ein Versuch von Rufmord.
Die Frage, ob die angeführten Passagen überhaupt als Plagiat gewertet werden dürfen, kam auf:
Im Blog des Medienwissenschaftlers wurde von einem Leser auch die Frage gestellt: „Haben Sie diese Analyse aus eigenem Antrieb in Angriff genommen oder haben Sie einen Auftraggeber, Herr Weber?“ Diese Frage ist keineswegs abwegig, da Plagiat-Prüfungen auf der Webseite in Auftrag gegeben werden und Verdachtsfälle auch anonym gemeldet werden können.
Am Mittwoch hat Stefan Weber zu den Vorwürfen in einer Medieninformation Stellung bezogen. Er schreibt darin:
„Ich betone nachdrücklich, dass ich diese Arbeit aus wissenschaftlichem Interesse an der Textgenese durchführe und davon angetrieben bin, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, was die grassierende Copy & Paste-Kultur anbelangt. Das mache ich in der Lehre an Universitäten bereits seit dem Jahr 2002, beruflich als Plagiatsgutachter seit dem Jahr 2007. Im Fall Baerbock prüfe ich aus Eigeninteresse und ohne Bezahlauftrag. Ich habe auch keinen Auftraggeber, mit dem vereinbart worden wäre, genau dies zu behaupten: nämlich, dass es keinen Auftrag gäbe. Das erkläre ich hiermit an Eides statt.“
Vor diesem Hintergrund bezeichnet Weber den Gegenangriff der Grünen als „kompletten Quatsch“ und findet: „Für die Folgen einer kritischen Auseinandersetzung mit einem Buch ist der Verfasser verantwortlich, der sich mit diesem exponiert hat, nicht der Kritiker. Viel wichtiger als das Engagement eines „Promi-Anwalts“, der schon Karl-Theodor zu Guttenberg oder Claas Relotius vertreten hat beziehungsweise vertritt, wäre es meines Erachtens, der Öffentlichkeit klar zu erklären, wie es zu den Textkonkordanzen kam, diese lückenlos aufzulisten und zu bereinigen. Die Frage allfälliger Urheberrechtsverletzungen ist dabei sekundär, sie spielte ja nicht einmal im Fall Guttenberg eine große Rolle.“
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Zu seiner Methodik bemerkt Weber im Schreiben, die aufgefunden Stellen seien das Ergebnis einer Analyse mit einer Plagiatssoftware namens „Turnitin“. Insgesamt habe er zwölf solcher Stellen mit dem Programm gefunden, von denen er am Montag fünf in seinem Blog publiziert hat. Zu den zwölf genannten Stellen zählten nicht „die zahlreichen Übernahmen aus dem Parteiprogramm der Grünen und einem Textbeitrag von Baerbock/Habeck“, hob Weber ebenfalls hervor. Er betonte aber auch:
„Es entspricht meiner langjährigen Erfahrung, dass solche mit Hilfe der Software entdeckten Erstfunde sehr häufig auf noch weitere abgeschriebene Stellen hinweisen. Diese lassen sich dann nur über die Eingabe von Wortketten in Anführungszeichen – bestehend aus drei bis sechs markanten Wörtern – in Google finden. Erste Nachweise dieser Art wurden heute erbracht.“
So hat Weber vier neue Stellen zu den fünf hinzugefügt. Darunter:
eine Passage, die stark einem ZDF-Artikel zu Minderheiten in China ähnelt
eine Übernahme eines stilistisch besonders scharf gestochenen Formulierung aus der Zeitschrift „Internationale Politik“
eine weitere, die der Bundeszentrale für politische Bildung entnommen scheint
eine Passage über einen Zyklon, die mit einem Teil eines Tagesspiegel-Artikels nahezu völlig übereinstimmt
Interessant ist insbesondere die mutmaßliche Übernahme aus der „Internationalen Politik“, da sich hier die Autorin nicht nur einen Gedanken, sondern auch dessen rhetorische Ausformung aneignet: „Wer ständig in Krisen denkt, verharrt in der Kurzfristigkeit und verliert an strategischer Tiefe“, heißt es dort. In Baerbocks Buch lautet es: „Wer immer nur von der Gegenwart aus denkt, verharrt in der Kurzfristigkeit und verliert an strategischer Tiefe“. Der zweite Teilsatz ist in beiden Fällen identisch.
Weber will diese manuelle Prüfung des Buchs „in den nächsten Tagen und Wochen“ fortführen und bittet auch um die Mithilfe „interessierter Frewilliger. „Mit einem Endbericht mit allen Plagiatsfragmenten, die über diese Methoden zu finden sind, ist circa Ende Juli zu rechnen“, so der Medienwissenschaftler.
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