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Bier trinken gegen Darmerkrankungen – mit genetisch veränderter Hefe

Bier (Symbolbild) - SNA, 1920, 29.06.2021
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Der Kampf gegen Entzündungen des Darms könnte künftig mit Bierhefe ausgefochten werden – sofern diese genetisch verändert ist. Mäuse konnten damit bereits gut behandelt werden. Bevor die so manipulierte Hefe aber am Menschen erprobt wird, muss sie sich als sicher erweisen.
Die Darmflora wirkt sich stark auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen aus. Ein Ungleichgewicht dieser Mikroorganismen kann neben Verdauungsstörungen, Gewichtsproblemen und Darmentzündungen bis hin zu Allergien, einem geschwächten Immunsystem und Krebs führen. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass dieses Zusammenwirken von Lebewesen im Darm, das als Mikrobiom bezeichnet wird, von der Medizin immer stärker in den Blick genommen wird.
Gegen entzündliche Darmerkrankungen werden oftmals sogenannte Probiotika eingesetzt. Das sind Mikroorganismen wie Hefen oder Bakterien, die eingenommen werden und das verlorene Gleichgewicht im Darmtrakt wiederherstellen sollen. Diese Lebewesen werden auf natürlichem Wege in die erwünschte Richtung gezüchtet. Allerdings ist der Spielraum dabei eingeschränkt, artfremde „Wunscheigenschaften“ können sie so nicht erwerben.
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Mit Genschere bearbeitete Hefe gegen Entzündungen

Hier kommt die sogenannte Genschere ins Spiel, mit der Forscher vom „Brigham and Women's Hospital“ die Hefe bearbeitet haben, damit diese aktiv in Entzündungen eingreift. „Wir haben Hefe genommen – dieselbe Hefe, die beim Bierbrauen eingesetzt wird – und wir haben ihr die Fähigkeit verliehen, Entzündungen aufzuspüren und entzündungshemmende Moleküle abzusondern“, erklärt Francisco Quintana, einer der Autoren.
Mit der Genschere „Crispr/Cas9“, für die 2020 der Chemie-Nobelpreis verliehen wurde, haben die Forscher mehrere Gene in die Hefe reingebracht. So kann die Hefe Entzündungen aufspüren und gegen sie ein Enzym absondern. Dieses zerstört ein Schlüsselmolekül im Entzündungsprozess und hält ihn auf.
Im Tierversuch an Mäusen konnten so bereits erfolgreich Entzündungen unterdrückt und das Gleichgewicht der Darmflora wiederhergestellt werden. Außerdem wurde dabei Fibrose, eine krankhafte Vermehrung des Bindegewebes, verringert.
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Heferoboter gegen Darmerkrankungen

Bei aller Freude darf nicht vergessen werden, dass es sich um ein genetisch verändertes Lebewesen handelt, das in dieser Form in der Natur nicht vorkommt. Es kommt bei Darmtherapien nicht nur in engsten Kontakt mit dem Menschen, sondern entweicht auch in die Natur. Es ist zu hoffen, dass die Konsequenzen in aller Ruhe und mit der nötigen Genauigkeit in den nun folgenden Sicherheitsstudien untersucht werden.
Durch die veränderte Hefe, die die Forscher auch als „Heferoboter“ bezeichnen, könnten künftig verschiedene Darmerkrankungen behandelt werden. Auch die Nebenwirkungen von Immuntherapien des Darmkrebs könnten damit bekämpft werden.
Die Ergebnisse der vorklinischen Studien finden sich in der Fachzeitschrift Nature Medicine.
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