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Aldi will Billigfleisch verbannen – Umstellung soll bis 2030 dauern

Aldi (Symbolbild) - SNA, 1920, 28.06.2021
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Schweine in Ställen ohne Frischluft, eng aufeinander hockende Hühner – solche Bilder werden mit dem Begriff „Billigfleisch“ verbunden. Aldi will solches Fleisch schrittweise aus den Kühltheken nehmen. Von Tierschützern gibt es Lob, die Konkurrenz verweist auf eigene Pläne.
Aus den Kühlregalen großer Lebensmittelhändler soll schrittweise Fleisch aus wenig tiergerechter Haltung verschwinden. Die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd kündigten am Freitag an, bis 2030 den Verkauf von Fleisch einzustellen, das in reiner Stallhaltung produziert wird, ohne dass die Tiere jemals an der Luft sind und Sonne sehen. Schon 2025 wollen die beiden Ketten kein Fleisch mehr anbieten, bei dem die Tierhaltung nur die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllt, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (DPA). Tierschützer und Politiker begrüßten die Ankündigung, der Bauernverband forderte, den Worten Taten folgen zu lassen.

PR-Gag?

Fleisch dürfe keine Ramschware sein, kommentierte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Ankündigung von Aldi. Die CDU-Politikerin forderte:

„Entscheidend ist, dass die jetzige Zusage kein PR-Gag ist, sondern am Ende die besseren Preise auch bei den Landwirten ankommen, die mehr fürs Tierwohl tun.“

Zudem müssten auch die verarbeiteten Produkte in den Blick genommen werden.
Aldi und andere große Lebensmittelhändler hatten 2019 ein vierstufiges System der Haltungskennzeichnung eingeführt. Stufe 1 „Stallhaltung“ entspricht lediglich den gesetzlichen Anforderungen, in Stufe 2 „Stallhaltung Plus“ gibt es etwas mehr Platz. Mehr Raum sowie Frischluft-Kontakt haben die Tiere bei Stufe 3 „Außenklima“. Bei Stufe 4 „Premium“ haben sie außerdem Auslaufmöglichkeiten im Freien. Auch Biofleisch wird in diese Stufe eingeordnet.
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Stufenweise Besserung

Aldi will bis 2025 vollständig auf Fleisch von Rind, Schwein, Hähnchen und Pute aus der Haltungsform 1 verzichten. Ein Jahr später soll dann ein Drittel des Frischfleisch-Umsatzes aus den Stufen 3 und 4 kommen, derzeit sind es 12 bis 13 Prozent. Ab 2030 will Aldi kein Fleisch der beiden unteren Haltungsstufen mehr verkaufen. Mit diesem Zeitplan gebe Aldi „Landwirten und Verarbeitern über Jahre hinaus Planungssicherheit“, sagte Aldi-Nord-Manager Tobias Heinbockel laut DPA. Aldi Nord und Süd haben nach eigenen Angaben einen Marktanteil von rund 24 Prozent am SB-Fleisch.

Konkurrenz zieht nach

Aldi sieht sich als Vorreiter bei der Umstellung der Haltungsformen. In einer Reaktion auf die Aldi-Ankündigung teilte die Handelskette Rewe mit, sie strebe an, in den Supermärkten und bei der Discount-Tochter Penny bis Ende 2030 „im gesamten Eigenmarken-Frischfleischsortiment (Schwein, Rind und Geflügel) ausschließlich Haltungsformstufe 3 und 4 anzubieten“. Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka plant, „kurzfristig auf die Haltungsstufe 1 und längerfristig auf die Haltungsstufe 2 bei Frischfleisch zu verzichten“. Die konkreten Ziele will Edeka „aus Wettbewerbsgründen aktuell noch nicht nennen“.
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Fleisch wird teurer

Wie viel Aldi-Kundinnen und -Kunden künftig mehr für das Fleisch bezahlen müssen, ließen die Unternehmen offen. Die Umstellung könne „natürlich nicht auf dem Preisniveau von Haltungsstufe 1 und 2“ erfolgen, sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber DPA. Die Entwicklung nach 2025 lasse sich heute noch nicht prognostizieren. Aldi werde den Haltungswechsel aber „nicht auf den Rücken der Landwirte“ austragen.

Bauernverband skeptisch

Der Deutsche Bauernverband reagierte zurückhaltend auf die Ankündigung von Aldi. „Die Haltungsstufen 3 und 4 sind aktuell eine absolute Marktnische“, sagte Präsident Joachim Ruckwied gegenüber DPA. Aber offensichtlich sei der Lebensmitteleinzelhandel nun bereit, „im Einkauf erhebliche Summen aufzuwenden, um mehr Tierwohl angemessen zu honorieren“. Ohne ein einfacheres Baurecht für Ställe „dürfte aus dieser Idee ohnehin nichts werden“, betonte Ruckwied. Die Landwirte müssen viel Geld in den Um- und Neubau von Ställen investieren und klagen über lange Genehmigungsverfahren. Anfang der Woche hatte sich die Große Koalition auf Erleichterungen beim Umbau von Ställen für eine bessere Tierhaltung verständigt.

Lob von Tierschützern

Lob erhielt Aldi von Umwelt- und Tierschützern. Stephanie Töwe, Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace kommentierte gegenüber DPA:

„Aldis Ankündigung ist ein Meilenstein, der der ganzen Branche zeigt, wo es hingehen muss.“

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, sagte:

„Aldi zeigt der Politik, wohin die Reise gehen sollte.“

Entscheidend sei, dass andere Handelsunternehmen dem Schritt von Aldi folgen. Dagegen kritisierte der gemeinnützige Verein Foodwatch, Aldi gaukele „den Menschen vor, mit dem Kauf von Produkten der Haltungsstufen 3 und 4 das Leben der Tiere nachhaltig verbessern zu können“.
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