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Vor Bundestagswahl: Deutsche ohne Kanzlerfavoriten in puncto Außenpolitik

© AP Photo / Michael SohnDas Reichstagsgebäude
Das Reichstagsgebäude - SNA, 1920, 24.06.2021
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In einer repräsentativen Umfrage der Körber-Stiftung zeigen sich die Deutschen bisher unsicher, welcher Kanzlerkandidat die größte außenpolitische Expertise hat. Die Umfrage gibt auch Aufschluss über die Einstellung der Deutschen zum Umgang mit China, Nord Stream 2 und dem Zwei-Prozent-Ziel der Nato.
Wenige Monate vor der Bundestagswahl ist ein Drittel (33 Prozent) der Deutschen unentschlossen, welcher Kanzlerkandidat die größte außenpolitische Kompetenz besitzt, oder schreibt diese keinem der drei Kandidaten zu. Die meisten Deutschen vertrauen beim Thema Außenpolitik dem SPD-Kandidaten Olaf Scholz (29 Prozent), dicht gefolgt vom Kandidaten der Union, Armin Laschet (23 Prozent). Lediglich 13 Prozent der Befragten betrachten Annalena Baerbock (Bündnis90/Die Grünen) als die Kanzlerkandidatin mit der größten außenpolitischen Kompetenz.
Nora Müller, Leiterin des Bereichs Internationale Politik der Körber-Stiftung, kommentiert die Umfrageergebnisse wie folgt:

„Die außenpolitischen Herausforderungen für Deutschland sind immens. Doch alle drei Kanzlerkandidaten müssen die Wählerinnen und Wähler erst noch davon überzeugen, dass sie in der Lage sind, Deutschlands Interessen auch auf internationaler Bühne zu vertreten.“

Außenpolitische Kernfragen des Bundestagswahlkampfs

Die Umfrage der Körber-Stiftung gibt auch Aufschluss über die Einstellung der Deutschen gegenüber den drei außenpolitischen Kernfragen des Wahlkampfs: dem Umgang Deutschlands mit China, Nord Stream 2 und der Annäherung des Verteidigungshaushalts an das Zwei-Prozent-Ziel der Nato.

Gegenüber China: Menschenrechte vor Wirtschaftsinteressen

Eindeutig ist die Position der Deutschen in Bezug auf China. Drei Viertel der Befragten (76 Prozent) sind der Meinung, dass Deutschland bei Menschenrechtsverletzungen auch weiterhin EU-Sanktionen gegenüber China mittragen sollte – selbst wenn dieses Vorgehen den deutschen Wirtschaftsinteressen schadet. 18 Prozent der Deutschen finden hingegen, dass Wirtschaftsbeziehungen Vorrang eingeräumt werden sollte.
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Nord Stream 2 fertigstellen – aber auch in Betrieb nehmen?

Die Mehrheit der Deutschen befürwortet eine Fertigstellung des Pipelineprojekts Nord Stream 2: 44 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, die Pipeline nach Fertigstellungen trotz möglicher US-Sanktionen in Betrieb zu nehmen, 38 Prozent würden mit der Inbetriebnahme warten, bis mit den USA ein Kompromiss gefunden wurde. Nur jeder Zehnte (13 Prozent) ist für einen vollständigen Stopp des Vorhabens. Die Zustimmung liegt im Osten Deutschlands (59 Prozent) noch einmal deutlich höher als im Westen (39 Prozent).

Uneinigkeit beim Zwei-Prozent-Ziel

Uneins sind die Deutschen bei der Frage, ob die Bundesrepublik ihren Verteidigungshaushalt aufstocken sollte, um sich zeitnah dem Zwei-Prozent-Ziel der Nato anzunähern. 49 Prozent befürworten eine Erhöhung, 45 Prozent der Befragten sprechen sich gegen einen höheren Verteidigungshaushalt aus.
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Keine Angst vor Ende der Merkel-Ära

Dem Ende der Amtszeit von Angela Merkel sehen die Deutschen laut Umfrage dennoch gelassen entgegen: 58 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich Deutschlands Einfluss in Europa und weltweit dadurch nicht verringern wird. Bei den 18 bis 34-Jährigen sind es sogar 68 Prozent. Lediglich 36 Prozent der Bürgerinnen und Bürger befürchten einen Einflussverlust Deutschlands.
Die repräsentative Umfrage der Körber-Stiftung wurde im Mai 2021 vom Meinungsforschungsinstitut „Kantar Public“ durchgeführt.
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