Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Deutsche Wirtschaft glaubt wieder an Russland – die seit Jahren positivste AHK-Geschäftsklimaumfrage

© CC0Geschäftsfrau (Symbolbild)
Geschäftsfrau (Symbolbild) - SNA, 1920, 24.06.2021
Abonnieren
Trotz Corona, Sanktionen und einem schleppenden Geschäftsumfeld sind deutsche Unternehmen, die in Russland tätig sind, mit ihrer Geschäftslage überwiegend zufrieden. Dies geht aus einer jährlichen Umfrage hervor, die im Mai und Juni 2021 unter 1000 Mitgliedsunternehmen der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) durchgeführt wurde.
Die Hälfte der in Russland tätigen Unternehmen geht davon aus, dass sich das Geschäftsklima im Land seit Anfang 2021 „verbessert“ hat. 27 Prozent bemerkten keine Veränderungen. Aus der Umfrage, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, geht hervor, dass die überwältigende Mehrheit der deutschen Wirtschaftsvertreter in Russland mit der aktuellen Lage ihres eigenen Geschäftes zufrieden ist. Gleichzeitig liegt die Zufriedenheit deutlich über den Ergebnissen des vorigen Jahres. So beurteilen 52 Prozent der Befragten die Geschäftslage als gut (im Vorjahr waren es 26 Prozent), 31 Prozent als befriedigend (39 Prozent) und zwölf Prozent als sehr gut (im Vorjahr waren es nur sieben Prozent).
Fast die Hälfte der deutschen Wirtschaftsvertreter plant in diesem Jahr große Investitionen in Russland. Das geplante Gesamtinvestitionsvolumen der Umfrageteilnehmer für die nächsten zwölf Monate beläuft sich auf 840 Millionen Euro: „Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass insgesamt 3971 deutsche Unternehmen in Russland tätig sind, kann das Gesamtvolumen der geplanten Investitionen mehrere Milliarden betragen“, stellt die Kammer fest. Die Sommerumfrage im vorigen Jahr zeigte eine Investitionsbereitschaft von nur 30 Prozent. Der größte Investitionszuwachs wird in den Bereichen IT, Landwirtschaft und Pharma erwartet.

Bayer Russland plant Lokalisierung im Land

Niels Hessmann, CEO von Bayer Russland, plant kurz- und mittelfristig die Lokalisierung der Produktion in Lipezk auszubauen. „Anfangsinvestitionsvolumen ist 25 Millionen Euro. Diese Investition zeigt ganz klar, dass Russland ein strategisch wichtiger Partner für Bayer ist, sowohl jetzt als auch in Zukunft. Im Bereich Health Care arbeiten wir schon länger mit Partnern zusammen für die Lokalisierung von Kontrastmitteln in der Radiologie. Auch was unser größtes Präparat Xarelto, auch die Nummer eins im russischen pharmazeutischen Markt, betrifft, so sind wir jetzt dabei, Anfang nächsten Jahres zu lokalisieren. 2022 erwarten wir, 40 Prozent unseres Portfolios lokalisiert zu haben. Und wir erhöhen das auf 55 bis 60 Prozent im Jahre 2024.“
Manchmal wird bemängelt, dass Russland multinationale Firmen durch Regularisierung quasi dazu zwingt, Produktion zu lokalisieren. Hessmann dazu: „Die Regeln sind stringent, das stimmt. Sie sind aber auch transparent. Und es ist ja auch nicht unüblich, dass ein Land in der Größenordnung von Russland solche Regeln erstellt und auch die Erwartung an die lokalen Firmen hat, dass diese Firmen dann halt auch im Lande investieren.“

Was das deutsche Geschäft in Russland bremst

Die Umfrageteilnehmer wurden auch nach den Faktoren gefragt, die sie daran hindern, ihr Geschäft in Russland zu entwickeln. Der Bayer-Topmanager kommentiert: „Zur ersten Kategorie gehören natürlich der Wechselkurs, die Volatilität, die Entwertung des Rubels und die damit zusammenhängende relativ schwache Kaufkraftentwicklung.“ Als zweite Kategorie erwähnt Hessmann zwei Umstände, einer davon ist die Bürokratie.
„Nach wie vor gibt es sehr viel Aufwand in Russland, wenn es auch Jahr für Jahr immer Verbesserungen gibt, da kann auch viel geschehen. Und das zweite sind Patentverletzungen. Da sind auch wir als Bayer betroffen. Wichtig ist aber, dass Russland solche Patentverletzungen so schnell wie möglich blockiert. Es gibt natürlich schon Herausforderungen, aber Russland ist ein attraktiver Markt mit größten Wachstumschancen. Eine Vertiefung der wirtschaftlichen und auch der wissenschaftlichen Zusammenarbeit ist sicher ein Win-Win, sowohl für die internationalen Firmen als auch für Russland selbst.“
Arbeitsplatz (Symbolbild) - SNA, 1920, 23.06.2021
Deutsche Firmen in Russland sehen besseres Geschäftsklima

Kann die dritte Corona-Welle die positive Stimmung der Wirtschaft auch in Russland gefährden?

Die russische Wirtschaft habe sich im vergangenen Jahr insgesamt recht anständig geschlagen, antwortet AHK-Vorstandschef Matthias Schepp. „Der Rückgang war bei rund drei Prozent Bruttoinlandsprodukt. Ungefähr so wird es der Wirtschaft auch in diesem Jahr gehen. Und da sieht man einerseits, dass die Russen weniger als die Welt im Durchschnitt eingebrochen sind, aber wahrscheinlich auch weniger schnell wachsen werden. Was für uns als Auslandshandelskammer entscheidend ist, ist, dass unsere Unternehmen im vergangenen Jahr ein weiteres Mal gezeigt haben, dass sie krisenfest sind. Jeder Topmanager, der im Russlandgeschäft ist, hat einfach eine ruhige, sichere und strategische Hand in der Krise.“
Der AHK-Chef merkt an: „Wenn wir die Entwicklung der vergangenen 30 bis 40 Jahre anschauen, die Endphase der Sowjetunion, die große Umbruchphase Anfang der 90er, die Entwicklung der letzten Jahre, dann wird man sicherlich sagen, dass man alle vier-fünf Jahre eine Großkrise gehabt hat. Das liegt quasi jetzt schon in der DNA der hier tätigen Unternehmen, damit gut umgehen zu können. Den deutschen Unternehmen hilft dabei sicherlich der Umstand, dass sie stark mittelständig und auch von Familienunternehmen geprägt sind. Da wird weniger auf die kurze Rendite und auf den schnellen Rubel geschaut, der in ein-zwei Jahren verdient werden muss; da wird in Jahrzehnten gedacht. Da war, ist und bleibt Russland für sie ein hochattraktiver Markt.“
Ein solches Mittelstandsunternehmen ist der Dekorpapierhersteller Schattdecor, Zulieferer der Holzwerkstoffbranche. CEO Jens Palmen meint, dass die Auswirkungen der Coronakrise unterschiedlich sind: „Allein die Abstellungsmaßnahmen, die man treffen muss. Sie haben natürlich nicht wenig Geld gekostet. Problem war natürlich auch, dass durch die russische Regierung teilweise sehr spontane – zumindest hat es sich so angefühlt –Entscheidungen getroffen wurden, die man am nächsten Tag umsetzen musste, wie eine Werkschließung für eine Woche am Anfang der Pandemie. Das hat mit Sicherheit nicht dazu beigetragen, dass es einfach war, aber wer in Russland arbeitet und investiert, weiß, dass es hier niemals ruhig und normal ist. Deswegen sind wir darauf vorbereitet.“

Wer nicht an der Börse hängt, hat keine Angst vor Sanktionen

Palmen fährt fort: „Gerade als Mittelständler denken wir langfristig und sind eben Gott sei Dank nicht börsengetrieben. Was Sanktionen zumindest in unserer Branche betrifft, so sind wir unabhängiger, weil wir nicht an der Börse hängen und entsprechend viel mehr Themen berücksichtigen müssen. Wir haben mehr Zeit und Ruhe, uns um das schwierige Geschäft zu kümmern. Übrigens ist Russland für uns der drittgrößte Weltmarkt.“
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала