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„Britisches Kriegsschiff hatte dort nichts verloren“ – Craig Murray zum Vorfall im Schwarzen Meer

© AP Photo / Francisco SecoEU und Großbritannien (Flaggen)
EU und Großbritannien (Flaggen)  - SNA, 1920, 24.06.2021
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Der ehemalige britische Botschafter und Experte für Seerecht, Craig Murray, hat in einem Blogeintrag die Konfrontation in der Straße von Kertsch kommentiert. Der britische Zerstörer habe in russischen Gewässern nichts verloren und es gelte keineswegs das Recht auf friedliche Durchfahrt.
Am Donnerstag ist nach wie vor nicht geklärt, was genau sich tags zuvor vor der Küste der Krim ereignet hat. Fest steht: Ein britisches Kriegsschiff fuhr durch die Straße von Kertsch, es wurden Schüsse von russischer Seite abgegeben.
Während auch er auf weitere Informationen wartet, hat Craig Murray am Mittwochabend auf seinem Blog eine erste Einschätzung der Lage veröffentlicht.
Murray, der vor allem dafür bekannt ist, dass er britischer Botschafter in Usbekistan war und als Menschenrechtsaktivist ein enger Vertrauter des inhaftierten Wikileaks-Gründers Julian Assange ist, hat auch eine Expertise in Seerecht. Von 1989 bis 1992 führte er die Maritime Abteilung im Außenministerium Großbritanniens an. In seine Zuständigkeit fielen unter anderem die Verhandlungen zur UN-Konvention zum Seerecht.

„Nicht mit friedlicher Absicht“

Manchmal müsse man das Offensichtliche sagen, schreibt Craig Murray eingangs seines Blogbeitrags, nämlich: Das Vereinigte Königreich habe keine Küste im Schwarzen Meer. „Britische Kriegsschiffe befahren das Schwarze Meer nicht mit friedlicher Absicht, und es gibt auch keinen Grund für sie, umstrittene Gewässer in der Nähe von jemandes Küste zu befahren.“ Es gebe auch kein Ziel, das ein britisches Kriegsschiff unter Berufung auf das Recht der friedlichen Durchfahrt ansteuern könnte, das es nötig machte, Küstengewässer der Krim zu befahren, denn das Schwarze Meer sei eine Sackgasse.
Zwar gebe es sicherlich das Recht, den ukrainischen Hafen von Odessa anzufahren, aber dafür müsse man keineswegs nahe der Krim vorbeifahren. Daher gebe es in diesem Fall kein Recht auf friedliche Durchfahrt, urteilt Murray. Es gebe das Recht auf die Durchfahrt durch die Straße von Kertsch und Russland habe dieses bisher immer respektiert. Aber:

„Russland hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, die Einhaltung der Seestraßen durchzusetzen, um eine sichere Navigation durch die Straße von Kertsch zu ermöglichen, genauso, wie es Großbritannien vor Dover tut.“

Großbritanniens „imperialistischer Wahn“

Er erwarte nun einmal mehr ein Aufbranden von Russophobie, so Murray. Er selbst werde weitere Details darüber abwarten, warum und wo genau Russland seine Warnschüsse abgegeben habe, bevor er sich weiter äußere. „Aber denken Sie daran: Es waren keine russischen Kriegsschiffe nahe der britischen Küste – es waren britische Kriegsschiffe in einer Gegend, wo sie nichts verloren hatten, außer lächerliches, britisch-nationalistisches Säbelrasseln zu veranstalten.“
Großbritannien müsse seinen imperialistischen Wahn ablegen, fordert der ehemalige britische Botschafter in Usbekistan. Bewaffnete Boote zur Krim zu schicken, sei so verrückt, wie mit einem Flugzeugträger herumzufahren, um China zu bedrohen. „Es gibt Menschen, die darin den fortbestehenden Machtstatus Großbritanniens sehen. Ich sehe es als Zeichen von Wahnsinn“, macht Murray abschließend deutlich.
Am Mittwochvormittag war nach Angaben des russischen Militärs das britische Kriegsschiff „HMS Defender“ in russische Hoheitsgewässer in der Nähe des Kaps Fiolent eingedrungen. Zuvor sei die Crew über den Einsatz von Waffen im Falle einer Grenzverletzung gewarnt worden, habe diese Warnung jedoch ignoriert. Ein russisches Grenzschutzschiff habe daraufhin Warnschüsse abgegeben, außerdem habe ein russisches Kampfflugzeug vier Bomben am Fahrweg des britischen Zerstörers abgeworfen. Kurze Zeit später habe die „HMS Defender“ die russischen Territorialgewässer verlassen.

Durchfahrt trotz Warnungen

Die britische Version der Ereignisse stellt sich allerdings ganz anders dar:
„Es ist falsch zu sagen, dass auf ihn (den britischen Zerstörer) geschossen wurde oder dass sich das Schiff in russischen Gewässern befand. Die ‚Defender‘ befand sich auf der direktesten und international anerkannten Route zwischen der Ukraine und Georgien. (...) Großbritannien und andere Länder wurden zuvor gewarnt, dass Russland in der Nähe des Gebiets, das die ‚Defender‘ passierte, eine Schießübung durchführte“, sagte ein Sprecher des britischen Premierministers am Mittwoch gegenüber Reportern und fügte hinzu:

„Wie Sie wissen, erkennt Großbritannien den russischen Anspruch auf die Krim nicht an, und wir halten uns weiterhin an den internationalen Konsens, dass die Annexion der Krim illegal ist."

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