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Nach Ablehnung der Regenbogenbeleuchtung in München viel Kritik an UEFA

© REUTERS / Michael Dalder„Allianz-Arena“ in München
„Allianz-Arena“ in München - SNA, 1920, 22.06.2021
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Darf der Sport ein Platz für politische Botschaften und Aktionen des Protests sein? Einmal mehr stellt sich diese Frage. Die Regelwerke der Sportverbände sagen nein, doch die Sportler, wie zuletzt Manuel Neuer, haben eine andere Sicht auf die Dinge.
Bunt wie der Regenbogen sollte die Münchener Allianz-Arena zum EM-Spiel Deutschland-Ungarn erstrahlen und ein weithin sichtbares Signal der Toleranz aussenden. Diese Idee hatte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gehabt und der Europäischen Fußball-Union (UEFA) unterbreitet. Hintergrund für die Aktion ist ein Gesetz, das vergangenen Dienstag vom ungarischen Parlament gebilligt wurde. Dieses soll die Aufklärung über Homosexualität im Schulunterricht unterbinden.
Die UEFA lehnte den Antrag ab – sie sei „aufgrund ihrer Statuten eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage – eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt – muss die UEFA diese Anfrage ablehnen.“
Er sei „sehr enttäuscht“ und könne die Entscheidung der UEFA nicht verstehen, sagte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, als er am Dienstagnachmittag vor die Presse trat. Mit der UEFA selbst habe er nicht gesprochen, von der Entscheidung habe er durch die entsprechende Pressemitteilung des Deutschen Fußballbundes (DFB) erfahren, die ihm zugesandt worden sei. Es habe ihm nicht eingeleuchtet, weshalb Manuel Neuers Kapitänsbinde in Regenbogenfarben von der UEFA als „good cause“ eingestuft worden sei, die Ausleuchtung der Münchener Allianz-Arena in diesen Farben aber als „bad cause“. Er glaube nicht, dass die UEFA ihre Entscheidung noch einmal überdenken werde. Vom DFB habe er sich in der Sache aber mehr Unterstützung gewünscht, so Reiter.
Die Entscheidung der UEFA hat viel Kritik nach sich gezogen. So machte unter anderem der LGBT-Aktivist Ali Utlu darauf aufmerksam, dass sie es selbst gewesen sei, die mit einem „Turnier für alle“ und der Regenbogenfahne für die Euro 2020 geworben hatte:
Wer sich gegen Rassismus positioniere, müsse auch nein zu Homophobie sagen, findet der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Johannes Vogel.
Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) findet es schade, dass die Allianz-Arena nicht in Regenbogenfarben erstrahlen wird:
Eine Reihe deutscher Fußballclubs hat sich dieser Kritik angeschlossen. Als Zeichen der Solidarität werden die Fußball-Arenen in Frankfurt am Main und in Köln am Mittwoch bunt erstrahlen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Auf Twitter schrieb Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann: „Wenn München am Mittwoch nicht darf, dann müssen eben die anderen Stadien Farbe bekennen. Auf jetzt, Kollegen in der Liga!“
Politischer Protest und Solidaritätsbekundungen haben trotz der Verbote von oben bereits eine durchaus lange Tradition im Sport. In die Geschichte eingegangen sind etwa die schwarz behandschuhten und stolz in die Höhe gereckten Fäuste der Sprinter Tommie Smith und John Carlos bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt. Mit dieser Geste demonstrierten der 200-Meter-Olympiasieger und der Drittplatzierte gegen die Diskriminierung der Afroamerikaner und für die „Black Power“-Bewegung. Ein halbes Jahrhundert später demonstrierte der NFL-Spieler Colin Kaepernick mit einem Kniefall während der US-Hymne gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze. Beim EM-Qualifikationsspiel gegen Albanien setzten die türkischen Fußballnationalspieler 2019 ein Zeichen, als sie auf dem Feld salutierten. Damit bekannten sich die Spieler zum Einsatz des türkischen Militärs in Nordsyrien zur Bekämpfung der Kurdenmiliz YPG.
Dabei schreiben die Regelwerke von IOC, UEFA und anderen Sportverbänden ausdrücklich vor, dass im Rahmen der Wettkämpfe keine „offenkundig politische, religiöse oder rassistische Werbung oder Botschaften zur Schau getragen werden dürfen“ (Auszug aus Regel 50 des IOC). Ob und wie Verstöße geahndet werden, scheint jedoch Ermessenssache zu sein, auch bei der Euro 2020. So hat die UEFA offenkundig kein Problem damit, wenn die Spieler vor Anpfiff mit einem kollektiven Kniefall gegen Rassismus demonstrieren. Auch die Armbinde des deutschen Kapitäns Manuel Neuer wurde nach einem Ermittlungsverfahren als „Zeichen der Vielfalt“ eingestuft und das Verfahren eingestellt.
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