Nach jahrelangem Exil: Ex-Präsident Gbagbo kehrt in die Elfenbeinküste zurück

© REUTERS / LUC GNAGODer ehemalige ivorische Staatschef Laurent Gbagbo kehrt in seine Heimat zurück
Der ehemalige ivorische Staatschef Laurent Gbagbo kehrt in seine Heimat zurück - SNA, 1920, 18.06.2021
Nach zehn Jahren im Exil ist der ehemalige ivorische Staatschef Laurent Gbagbo in seine Heimat zurückgekehrt. Viele seine Unterstützer haben die Rückkehr ihres Helden lautstark gefeiert.
Gbagbo reiste am Donnerstag von Brüssel aus in die Hauptstadt Abidjan, wie AFP-Reporter vor Ort berichteten.
Die Polizei ging mit Tränengas gegen Laurent Gbagbos Anhänger vor, die den ehemaligen Staatschef am Flughafen der Wirtschaftshauptstadt Abidjan begrüßen wollten. Der 76-jährige Politiker sagte, "er sei froh, wieder in die Elfenbeinküste und nach Afrika zurückzukehren".
Der amtierende Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, hat seinem einstigen Rivalen einen Diplomatenpass ausgestellt und ihm den Status versprochen, der Ex-Präsidenten zusteht - im Namen der nationalen Aussöhnung.

Erst Freispruch, dann Rückkehr

Nach einem jahrelangen Verfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit hatte der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag den 76 Jahre alten Politiker Ende März zu einem freien Mann erklärt. Dies ebnete den Weg für die Rückkehr in seine Heimat.
Gbagbo hatte 2010 nach zehn Jahren an der Macht seine Niederlage bei der Präsidentschaftswahl nicht anerkannt und eine Übertragung der Amtsgeschäfte an den Wahlsieger und bis heute amtierenden Präsidenten Alassane Ouattara verweigert.
Bei der folgenden Explosion der Gewalt waren in dem westafrikanischen Land rund 3000 Menschen getötet worden. Gbagbo wurde schließlich aus dem Amt vertrieben, im April 2011 im Norden der Elfenbeinküste festgenommen und später an den IStGH überstellt.

Erster Staatschef vor dem IStGH

Gbagbo war das erste Staatsoberhaupt, das sich vor dem Haager Tribunal verantworten musste. 2019 sprach der Gerichtshof den Ex-Präsidenten sowie dessen ehemaligen Jugendmilizenführer Charles Blé Goudé jedoch in einem überraschenden Urteil frei. Danach lebte Gbagbo in Brüssel. Er kündigte wiederholt an, in die Elfenbeinküste zurückkehren zu wollen. In seinem Heimatland genießt er weiterhin starken Rückhalt.
Staatschef Ouattara gab bereits Anfang April grünes Licht für die Rückkehr seines Rivalen. Die Erlaubnis für die Heimkehr Gbagbos ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die politische Lage in dem westafrikanischen Land entspannt hat. Die Parlamentswahlen im März waren friedlich verlaufen. Bei den Wahlen verteidigte Ouattaras Partei RHDP ihre absolute Mehrheit.
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